ver.di Jugend informiert: Bildungsgerechtigkeit

Ob arm oder reich: In Deutschland steht es allen offen, ihr Abitur zu machen. Und mit allgemeiner Hochschulreife hast du freie Wahl aus allen Studiengängen und Hochschulen. Theoretisch.

Praktisch stammen nur 11 Prozent aller Studierenden aus sozial schwachen Verhältnissen – also deutlich weniger als der Anteil sozial Benachteiligter an der Gesamtbevölkerung.

Forschungsergebnissen zufolge werden sozial schwache Schüler_innen für dieselbe Leistung sogar schlechter benotet als ihre besser gestellten Klassenkameraden_innen!

Wenige Jugendliche aus bildungsfernen Familien schaffen es überhaupt bis zum Abitur und im Anschluss entscheiden sich lediglich 30 Prozent für ein Studium. Im Vergleich dazu landen nahezu alle Abiturienten_innen aus der Mittel- und Oberschicht an einer Universität!

Wir von der ver.di Jugend kämpfen an zwei Fronten für mehr Bildungsgerechtigkeit: Wir wollen einerseits mehr Arbeiterkindern zum Abitur bringen und andererseits auch mehr Menschen ohne Abi an die Uni!

Weiterführende Informationen findest du in den folgenden Abschnitten und über unsere schlaue Box!

  • Ursache & Wirkung

    Hauptursachen der oben beschriebenen Bildungsungerechtigkeit sind:

    • Arbeiterkinder schrecken häufiger vor der akademischen Welt zurück als Abiturienten_innen aus bildungshöheren Familien.

    Kinder aus einkommensschwachen und „bildungsfernen“ Schichten geraten häufig bereits in der Schule ins Hintertreffen. Ihre Eltern können oft weniger bei den Hausaufgaben helfen, weniger Bücher kaufen und weniger Geld in Lernmittel oder Nachhilfestunden investieren.

    Auch die Entscheidung zwischen Ausbildung oder Abitur hängt nicht selten von finanziellen Aspekten ab. Im Ergebnis hat ein Großteil der Studierenden mindestens ein Elternteil mit Hochschulabschluss.

    Junge Menschen, die sich aus solchen Gründen nicht ans Studium heranwagen, sind allerdings gleich ein doppelter Verlust, denn:

    • unsere Gesellschaft ist auf gut ausgebildete Fachkräfte dringend angewiesen!
    • je höher das Bildungsniveau einer Gesellschaft, umso höher ihr Wohlstand – und umgekehrt!
  • Gemeinsam lernen!

    Längeres gemeinsames Lernen – auch in der Mittelstufe – fördert nachweislich die Leistungen aller Schüler_innen und verbessert die Chancen von sozial Schwachen.

    Es zählt daher zu den Zielen der ver.di Jugend, ebenso wie die Lernmittelfreiheit, eine Ausweitung des Schüler-BAföG und eine Verbesserung der Lehrpläne!

  • Lebenslang lernen!

    Wer als junger Mensch wenig Gedanken an ein Studium verschwendet hat, entscheidet sich mitunter im Laufe des Berufslebens doch für eine Weiterbildung. Schließlich ist ein Studium nicht nur eine Berufsqualifikation, sondern auch ein persönlicher Bildungsgewinn!

    Parallel zum Arbeitalltag ist es allerdings nur schwer realisierbar, zwei Jahre für das Abitur zu büffeln – und viele Lehrinhalte sind für ein Studium nicht mal relevant.

    Wissenschaftliches Arbeiten will gelernt sein, keine Frage. Und doch belegen viele erfolgreiche Modellversuche: Wer im Beruf seine_n (Fach-)Mann oder (Fach-)Frau steht und per Prüfung seine Fähigkeiten nachweist, schafft auch einen Studienabschluss!

    Eher noch scheinen Studierende aus der Berufswelt mindestens genauso erfolgreich zu studieren wie Schulabgänger_innen – oft erreichen sie sogar schneller ihr Ziel.

  • Besser beraten!

    Angesichts der hohen Zahl von Studienwechseln und -abbrüchen ist guter Rat teuer.

    Deutlich effektiver allerdings als komplizierte und unfaire Zulassungsverfahren helfen eine fundierte Studienwahlberatung für Abiturienten_innen und eine umfassende Betreuung während des Studiums.

    Das Ergebnis lässt sich auf beiden Seiten sehen: Studierenden bleiben unnötige Rückschläge erspart und die Arbeitswelt freut sich über mehr ausgebildete Fachleute mit kürzerer Studiendauer!

  • Bildungsbarrieren einreißen!

    Ein freier Bildungszugang ist die Voraussetzung zur gleichberechtigten Teilhabe aller. Und eine gute Abiturnote oder gar ein Diplom der Eltern verrät schließlich nichts über die Eignung zum Medizinstudium.

    Wir von der  ver.di Jugend stellen uns gegen jede Form einer Zulassungsbeschränkung und gegen alle sozialen Hürden bei der Studienaufnahme!

    Die Beschlüsse der Kultusministerkonferenz sind nur ein erster Schritt zur Öffnung der Hochschulen, weitere müssen folgen.