Rechte von Auszubildenden

Hier findest du wichtige Infos und Tipps rund um dein gutes Recht während deiner Ausbildung, aber auch im späteren Berufsleben.

Vorweg ein Überblick der wichtigsten Verträge und Gesetze für Auszubildende:

  • Arbeitsmittel

    Alle Materialien, die du für deine Ausbildung brauchst - also deine Arbeit- bzw. Ausbildungsmittel - muss dir dein Arbeitgeber kostenlos zur Verfügung stellen.

    Dazu gehören zum Beispiel Werkzeuge, Werkstoffe, Fach- und Tabellenbücher Berichtshefte, Zeichen- oder Schreibmaterial.

    Im Gegenzug bist du verpflichtet, mit Werkzeugen, Maschinen und allen anderen Einrichtungen sorgsam umzugehen. Lass dir also genau erklären, wie du alles richtig bedienst und pflegst!

    Gesetzestexte zu Ausbildungsmitteln

  • Ausbildungsgerechte Beschäftigung

    Ausbilder_innen haben die Pflicht, dir aktiv alle Ausbildungsinhalte entsprechend dem Ausbildungsrahmenplan und dem betrieblichem Ausbildungsziel zu vermitteln. Das bedeutet: Endlose Routinejobs haben in deiner Ausbildung nichts zu suchen!

    Das Berufsbildungsgesetz (kurz BBiG, PDF-Download) sieht einen Verstoß gegen diese Vorschrift als Ordnungswidrigkeit und verbietet folglich so genannte „ausbildungsfremde Tätigkeiten“ - also alle Aufgabenstellungen, die nicht dem Ausbildungszweck dienen bzw. deine körperlichen Kräfte übersteigen.

    Dazu gehören:

    • Urlaubs- oder Krankheitsvertretung
    • Private Besorgungen für deine_n Chef_in
    • Regelmäßige Säuberung von Werkstätten bzw. Büros - es sei denn, es handelt sich um deinen eigenen Arbeitsplatz oder um Ausbildungsmittel, mit denen du regelmäßig zu tun hast (siehe oben "Arbeitsmittel")
    • Akkord- oder Fließbandarbeit

    Gesetzestexte zur ausbildungsgerechten Beschäftigung

  • Ausbildungsplatzwechsel

    Ein Ausbildungsplatzwechsel kommt häufiger vor als du vielleicht denkst: In bestimmten Branchen (z. B. Gastronomie und Friseurhandwerk) wird jedes zweite Ausbildungsverhältnis vorzeitig aufgelöst!

    Ein Wechsel kann immer dann sinnvoll sein:

    • wenn du gekündigt wurdest. Lies in diesem Fall unsere Infos zur Kündigung.
    • wenn du feststellst, dass dir der Beruf insgesamt später nicht gefallen wird: In diesem Fall kannst du selbst kündigen. Hier findest du die geltenden Kündigungsfristen und weitere Infos zur Kündigung!
    • wenn du es in deinem Betrieb nicht mehr aushältst, zum Beispiel:
      - weil du hauptsächlich ausbildungsfremde Tätigkeiten erledigen sollst (siehe dazu oben "ausbildungsgerechte Beschäftigung")
      - weil du unverhältnismäßig viele Überstunden leisten sollst
      - weil das Betriebsklima unerträglich ist
      - weil dir oder Dritten gegenüber Mobbing betrieben wird
      - weil du diskriminiert wirst, d.h., dass du zum Beispiel wegen deines Geschlechts, deiner Herkunft oder sexuellen Orientierung schlechter behandelt wirst

    Kündigung oder Aufhebungsvertrag?

    Dein altes Ausbildungsverhältnis musst du erst beenden, wenn du eine Zusage vom neuen Ausbildungsbetrieb hast. Bis dahin solltest du deine Pläne möglichst für dich behalten!

    Zur Beendigung des Ausbildungsverhältnisses hast du verschiedene Möglichkeiten:

    • Aufhebungsvertrag: Er bietet sich an, wenn dein Betrieb mit dem Wechsel einverstanden ist.
    • fristlose Kündigung: Hier brauchst du zur Begründung ein paar handfeste Pflichtverletzungen deines Betriebs dir gegenüber. Schreib eine solche Kündigung nicht allein, sondern wende dich dazu an deine Interessenvertretung oder an deine Gewerkschaft, damit du nicht am Ziel vorbeischießt!
    • ordentliche Kündigung: Empfehlenswert bei einer „Berufsaufgabe“, wenn du also nicht einfach den Ausbildungsplatz wechseln, sondern einen anderen Beruf erlernen willst. Dabei gilt eine Kündigungsfrist von vier Wochen.

    Dazu noch einige Tipps zum Ausbildungsplatzwechsel als PDF!

Ausbildungsvertrag

  • Ausbildungsziel

    Dein_e Ausbilder_in ist dafür verantwortlich, dass du dein Ausbildungsziel in der dafür vorgesehenen Zeit erreichen kannst. Das klingt zunächst schwammig, aber die zuständigen Ministerien haben zu jedem Ausbildungsberuf eine eigene Ausbildungsverordnung erlassen (siehe in § 5 Berufsbildungsgesetz, kurz BBiG).

    Diese Verordnung legt fest, wie lange deine Ausbildung dauert und welche Fähigkeiten und Kenntnisse zu deinem Beruf gehören - was genau dir also dein Ausbildungsbetrieb vermitteln muss.

    An diesem so genannten „Ausbildungsrahmenplan“ orientiert sich dein betrieblicher Ausbildungsplan, den du zusammen mit deinem Vertrag vom Arbeitgeber oder von deinem_r Ausbilder_in bekommst.

    Das Berufsbildungsgesetz (kurz BBiG, PDF-Download) verlangt ausdrücklich deine aktive Mitwirkung - du musst also auch Eigeninitiative zeigen, um das geforderte Know-how aufzubauen!

    Gesetzestexte zum Ausbildungsziel

  • Drogentest

    Einige Betriebe verlangen ein so genanntes „Drogenscreening“ - und das nicht nur vor der Einstellung!

    Ein solcher Drogentest bedeutet immer einen Eingriff in deine Persönlichkeitsrechte, die aber durch das Grundgesetz (kurz GG, PDF-Download) geschützt sind. Du bist also nicht gezwungen, an so einem Test teilzunehmen!

    Wenn du dich weigerst, kann der Arbeitgeber deine Bewerbung zur Seite legen und wird vermutlich weiterhin „einen Blöden" suchen, der/die solche Tests mit sich machen lässt.

    Alleine kannst du gegen ein Drogenscreening also nicht viel unternehmen - zusammen mit anderen aber auf jeden Fall! Hol dir Beratung von deiner Interessenvertretung, wie du dich am besten verhalten und für deine Rechte kämpfen kannst.

    JAVen gegen Drogentests

    ver.di Jugend empfiehlt Jugend- und Auszubildendenvertretern_innen (kurz JAVen), Drogentests im Betrieb abzulehnen. Im Ernstfall müssen alle bestehenden Mitbestimmungsmöglichkeiten dafür herhalten!

    Auf jeden Fall macht ein zusätzlicher Gang zum Betriebsrat (kurz BR) Sinn, der ein entscheidendes Wort mitzureden hat!

    ver.di Jugend informiert

    Die ver.di Jugend ist gegen Drogentests als Auswahlverfahren für Auszubildende, weil dabei die Gefahr einer ungerechten Vorverurteilung von Personen besteht, vor allem von Jugendlichen.

    Die bestehenden Risiken durch Drogenkonsum innerhalb und außerhalb der Betriebe dürfen nicht unterschätzt werden, allerdings setzt die ver.di Jugend dabei auf Fairness. Bei begründetem Verdacht auf Drogenkonsum oder Alkoholprobleme muss von Fall zu Fall eine geeignete Lösung gefunden werden.

    Gemeinsam mit JAV oder Gewerkschaft bekommen Betroffene dabei individuelle Unterstützung – wende dich also vertrauensvoll an deine Interessenvertretung!

    Zusätzlich brauchen Mitarbeiter_innen und Auszubildende eine bessere Aufklärung über die Gefahren des Drogenkonsums und seine arbeitsrechtlichen Folgen.

    Ausbilder_innen müssen intensiv geschult werden, um bei Auffälligkeiten angemessen zu reagieren. Gute Ansätze sind zum Beispiel Gespräche mit Betroffenen und deren Unterstützung bei einer Therapieplatzsuche.

    Lies dazu auch unsere Tipps zum Drogentest als PDF!

  • Jugendarbeitsschutz

    Etwa jeder fünfte Arbeitsunfall trifft einen jungen Menschen (und manchmal auch weitere Mitarbeiter_innen).

    Das Jugendarbeitsschutzgesetz (kurz JArbSchG, PDF-Download) schützt die Gesundheit sowie die ungestörte körperliche und geistige Entwicklung von Kindern und Jugendlichen - ob sie nun Auszubildende oder Arbeitnehmer_innen sind.

    Geschichtliches

    Am 9. August 1960 verabschiedete der Deutsche Bundestag zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik ein umfassendes Gesetz, das sowohl das Verbot der Kinderarbeit als auch viele Jugendarbeitsschutzvorschriften enthielt.

    1976 folgte das JArbSchG (PDF-Download) als umfassender Schutz für junge Menschen in Arbeit und Ausbildung.

    1984 und 1997 wurde dieses Gesetz erneut geändert: Zuletzt verabschiedete die damalige Bundesregierung jedoch deutliche Verschlechterungen, wodurch der eigentliche Sinn des Gesetzes - nämlich der Schutz aller Auszubildenden – ausgehebelt wurde.

    Dies geschah vor allem durch die Einführung einer Beschränkung auf die Altersgrenze bis 18 Jahre. Damit wurden viele Auszubildenden vom Schutz des JArbSchG (PDF-Download) ausgeschlossen, denn die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen sind heute bei Ausbildungsbeginn bereits älter als 18.

    Initiativen für mehr Jugendarbeitsschutz

    Ein Kurzkommentar der ver.di Jugend zum JArbSchG soll Jugendliche, Auszubildende, Eltern, Ausbilder_innen und vor allem Mitglieder von Jugend- und Auszubildendenvertretungen (kurz JAV) sowie Betriebs- und Personalräte (kurz BR/PR) mit dem JArbSchG (PDF-Download) vertrauter machen.

    Die DGB Jugend hat nach den jüngsten Beschränkungen eine Kampagne gestartet, deren Titel den Finger auf die Wunde legt: „Hände weg vom JArbSchG“.

    ver.di Jugend informiert
    Einschränkungen des JArbSchG (PDF-Download) sehen einige Landesregierungen und Teile der Bundesregierung offenbar nicht so eng. Erste Fakten hat die Regierung bereits mit ihrem Koalitionsvertrag geschaffen.

    Darin findet sich unter der Überschrift "Tourismus" der Satz: „Ausbildungshemmnisse im Gastgewerbe werden durch ein flexibleres JArbSchG abgebaut.“

    Eine derartige Herabstufung dieses Gesetzes auf nichts weiter als ein "Ausbildungshemmnis" weisen wir von der ver.di Jugend scharf zurück!

    Die ver.di Jugend fordert einen wirkungsvollen Jugendarbeitsschutz und lehnt alle Vorschläge zu seiner Einschränkung ab. Stattdessen setzt sie sich für ein JArbSchG (PDF-Download), das seinen Namen verdient.

    Wir treten für die volle Anwendung der Schutzbestimmungen ein und wollen auf betrieblicher Ebene bessere Bestimmungen erreichen.

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Zeugnisse