Problemlösungen

Ob in der Schule, Ausbildung oder im Beruf – jeder von uns steht hin und wieder vor einer großen Herausforderung.

Vielleicht geht es dir gerade genauso. Die nächste Hürde hältst du für unüberwindlich oder du bist in so große Schwierigkeiten geraten, dass dein Betrieb für dich zu einem Ort des Schreckens geworden ist.

Irgendwie weißt du nicht mehr so recht, wie du deine Ausbildung erfolgreich abschließen sollst?!

Immerhin eine gute Nachricht: Du suchst offenbar nach hilfreichen Infos und bist damit auf dem richtigen Weg! Von uns bekommst du hier schon mal ein Erste-Hilfe-Paket.

Unser erster und wichtigster Tipp: Vertraue den Profis in deiner Interessenvertretung, sie stehen zu jedem Zeitpunkt an deiner Seite und kennen sicher den richtigen Ausgang aus deinem Chaos!

Für viele „Problemzonen“ einer Ausbildung reichen die bestehenden Gesetze - um dich zum Beispiel vor der Willkür deiner Vorgesetzten, vor einer Kündigung oder vor üblen Bedingungen im Betrieb zu schützen.

Unter Rechte von Auszubildenden findest du vielseitige Informationen und gesetzliche Regelungen, die dir während deiner Ausbildung den Rücken stärken.

In den folgenden Abschnitten erörtern wir einige häufige Probleme und stellen dir praxiserprobte Lösungsvorschläge vor!

Nur Mut! Es geht wieder aufwärts!

  • Auszubildende & Vorgesetzte

    Dein_e Ausbilder_in setzt dich ständig unter Druck und droht dir beim kleinsten Fehler mit Kündigung? Deine Ausbildungsvergütgung kommt niemals pünktlich? Du bekommst kurz vor Arbeitsschluss regelmäßig Überstunden aufgebrummt?

    Vorgesetze sind auch nur Menschen – das entschuldigt allerdings keinen schlechten Umgang mit den Mitarbeiter_innen!

    Bei Problemen dieser Art hat du grundsätzlich zwei Möglichkeiten: entweder ein direktes Gespräch mit dem/der Betreffenden oder einen fließenden Ausbildungsplatzwechsel.

    Hol dir Unterstützung bei deiner Interessenvertretung, wenn du die Situation nicht alleine meistern willst!

    Deutlich werden und diplomatisch bleiben

    Kritik an Vorgesetzten zu üben kostet viel Überwindung und ist ein wirklich mutiger Schritt. Wenn du dich dazu entscheidest, solltest du im Gespräch sehr konkret Stellung beziehen.

    Überlege dir vorab einige Situationen, die dich besonders getroffen haben. Beim Treffen kannst du dadurch deinem Arbeitgeber klar verdeutlichen, warum genau du mit seinem Verhalten gegenüber dir oder anderen nicht einverstanden bist. So verschaffst du dir Respekt!

    Achte darauf, nicht zu emotional zu werden, argumentiere sachlich und selbstkritisch. Schildere die Situation immer aus eigener Sicht und beginne dazu deine Sätze mit „ich“ – das bedeutet zum Beispiel:

    • „Ich fühle mich ständig von Ihnen kritisiert und empfinde das oft als ungerechtfertigt!“ 
      anstelle von 
    • „Sie kritisieren mich ständig!“

    Das Gespräch solltest du bei großen Spannungen besser nicht alleine führen. Nimm eine Vertrauensperson mit und protokolliere genau, was gesagt und beschlossen wurde.

  • Schlechte Noten

    Manchmal ist gar nicht der Betrieb das Problem, sondern die Berufsschule. Bei schlechten Noten, Prüfungsangst oder Lernschwächen kann der Abschluss gefährdet sein.

    All das bekommst du aber in den Griff - denn gegen Motivationsschwierigkeiten oder Lernblockaden gibt es ein paar simple Tricks:

    • Keine Prüfung fällt mit der Tür ins Haus - sobald du einen Termin hast, solltest du schnellstens mit deiner Planung beginnen! Den kompletten Lernstoff kannst du dir kaum in ein oder zwei Nachtschichten ins Hirn pressen!
       
    • Mach dir einen möglichst detaillierten Lernplan, so dass du Tag für Tag ein realistisches Lernpensum vor dir hast und ohne schlechtes Gewissen deine Freizeit genießt. Handliche „Lernhappen“ fühlen sich deutlich besser an als der komplette Bücherberg!
       
    • Organisiere eine Lerngruppe mit Klassenkameraden_innen! Oft bringt der Austausch mit anderen Licht ins Dunkel und bei der Gelegenheit könnt ihr euch gleich gegenseitig abfragen.
       
    • Versuch, die Inhalte wirklich zu verstehen und sie nicht einfach nur auswendig zu lernen.

    Gemeinsam stark

    Hol dir Unterstützung von Vertrauenspersonen - das gilt vor allem bei Prüfungsangst oder Lernproblemen! Eltern, Lehrkräfte, Leute aus deinem Betrieb oder deine Interessenvertretung können dir zuhören und helfen. Manchmal reicht schon etwas Nachhilfeunterricht in einem bestimmten Fach.

    Wenn dein Ausbildungsabschluss ernsthaft in Gefahr ist – aus welchem Grund auch immer – bekommst du mit ausbilungsbegleitenden Hilfen (kurz abH) der Bundesagentur für Arbeit personelle und finanzielle Verstärkung.

    Diese Förderung kannst du zu jedem Zeitpunkt deiner Ausbildung in Anspruch nehmen – bei Bedarf auch mit einer zusätzlichen sozialpädagogischen Betreuung.

  • Mobbing

    Dein_e Ausbilder_in drückt dir ständig blöde Sprüche? Die Kollegenschaft verbreitet Lügengeschichten über dich? Du musst immer die besonders miesen Jobs erledigen? Oder bekommst du unerwünschte sexuelle Angebote (siehe Abschnitt unten)?

    All das zählt zu systematischer Schikane und Psychoterror – kurz gesagt: Mobbing – und kommt leider viel zu häufig vor. Schätzungen zufolge werden in Deutschland rund eine Million Menschen an ihrer Arbeitsstelle gemobbt.

    Schnell handeln

    Wenn du in deiner Ausbildung in solche Situationen gerätst, hol dir sofort Unterstützung – zum Beispiel beim Betriebsrat oder deiner Interessenvertretung! Zusätzlich solltest du alle Vorfälle in einem Tagebuch genau dokumentieren.

    Untersuchungen haben gezeigt, dass Mobbing umso leichter gestoppt werden kann, je früher man Täter_innen entgegentritt. In erster Linie tust du dir damit selbst einen Gefallen, denn Mobbing macht krank! Viele gemobbte Menschen leiden an Magen- und Darmbeschwerden, Herzschmerzen, Bluthochdruck oder gar chronischen Krankheiten.

    Gesetzliche Regelung

    Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales definiert Mobbing als „schikanöses, tyrannisierendes oder ausgrenzendes Verhalten“ des Arbeitgebers gegenüber Weisungsbefugten oder ein solches Verhalten von Arbeitnehmer_innen untereinander. Die Gesetzgebung hat Mobbing dagegen noch nicht eindeutig fixiert.

    Eine rechtliche Handhabung bietet sich nur, wenn es sich um Benachteiligung oder Belästigung im Zusammenhang mit Rasse, ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter oder sexueller Identität des/der Betroffenen handelt.

    Dann greift das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (kurz AGG, PDF-Download), mit welchem Diskriminierungsopfer (siehe Abschnitt oben) ihre Rechte besser durchsetzen können.

  • Diskriminierung

    Für den beruflichen Alltag sollten deine persönlichen Eigenschaften wie sexuelle Orientierung, Geschlecht, Alter, Herkunft oder Behinderung keine Nachteile bedeuten.

    Die Realität sieht leider anders aus: Wer nicht mit dem Mainstream schwimmt oder vermeintlichen Normen entspricht, stößt oft auf Widerstand und wird mehr oder weniger subtil benachteiligt.

    So ergeht es beispielsweise einer Elektrotechnikerin, sobald es blöde Sprüche hagelt, weil sie als Frau in diesem männerdominierten Beruf angeblich fehl am Platz sei.

    Genauso entmutigt fühlt sich ein junger Mensch, der auf seiner ersten Bewerbungsrunde wegen seines Migrationshintergrunds eine Absage nach der anderen bekommt.

    Auch die neue Kollegin bekommt einen Dämpfer, weil sie ihre Gebete nicht am Ausbildungsplatz ausführen darf. Oder weil sie von ihrem Kinderwunsch erzählt hat und nun nicht mehr übernommen wird.

    Solche und ähnliche Vorfälle sind diskriminierend und damit unzulässig. Doch es gibt gesetzliche Mittel und Wege, um sich dagegen zu wehren!

    Das Gesetz auf deiner Seite

    Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (kurz AGG, PDF-Download) ist dein Schutz gegen Diskriminierung am Ausbildungs- und Arbeitsplatz! Dieses so genannte „Antidiskriminierungsgesetz“ gilt seit 2006.

    Davon abgesehen ist die Gleichheit vor dem Gesetz und der Schutz aller Menschen vor Diskriminierung sogar ein Menschenrecht, das in Deutschland bereits durch Artikel 3 im Grundgesetz (kurz GG, PDF-Download) abgesichert ist.

    Diese Richtlinien verbieten jede Art der Benachteiligung aufgrund ethnischer Herkunft, Rasse, Religion und Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Identität oder Geschlecht. Und sie verpflichten beispielsweise deinen Arbeitgeber, vorbeugende und akute Gegenmaßnahmen zu treffen, den Schutz aller Beschäftigten zu gewährleisten und selbst als gutes Vorbild zu dienen.

    Hilfe bei Diskriminierung

    Vor allem in kleineren Firmen ohne Betriebsrat kann es schwer sein, eine Vertrauensperson in unmittelbarer Nähe zu finden. Die erste und persönlichste Unterstützung ist immer deine Interessenvertretung.

    Zusätzlich gibt es ein breites und deutschlandweites Bündnis gegen Diskriminierung mit vielen Anlaufstellen - eine davon ist sicher in deiner Umgebung! Hier findest du die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (kurz ADB)!

    Und schließlich empfehlen wir dir noch eine gewerkschaftliche Stellungnahme zum Thema "Diskrimierung" als PDF.

  • Sexuelle Belästigung

    Ein anzüglicher Blick, eine unangebrachte Berührung, eine Bemerkung unter der Gürtellinie oder nackte Tatsachen an den Wänden - solche Ereignisse gelten als sexuelle Belästigung.

    Die gesetzliche Definition sieht diese als gegeben, wenn „ein unerwünschtes sexuell bestimmtes Verhalten bezweckt oder bewirkt, dass die Würde der betreffenden Person verletzt wird, insbesondere wenn ein von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld geschaffen wird.“

    Unter „unerwünschtes sexuell bestimmtes Verhalten“ fallen also sexuelle Handlungen oder die Aufforderung dazu, ebenso wie Berührungen oder Bemerkungen mit sexuellem Inhalt - auch per SMS – oder das unerwünschte Zeigen und sichtbare Anbringen von pornographischen Darstellungen.

    Raus aus der Opferrolle!

    Häufig werden Frauen zur Zielscheibe sexueller Belästigung. Gerade sie schweigen oft, weil sie sich in der vermeintlich schwächeren Position gegenüber Kollegschaft und Vorgesetzten fühlen – insbesondere als Auszubildende. Das ist allerdings falsch!

    Hilfe finden Opfer als Erstes in einem Gespräch unter vier Augen mit dem Betriebsrat, einem_r Jugendauszubildendenvertreter_in oder Gleichstellungsbeauftragte_n. Mit gewerkschaftlicher Unterstützung können weitere Schritte eingeleitet werden. Wer alle Vorfälle dokumentiert (z. B. in einem Tagebuch), erhöht die Erfolgschancen.

    Angriff ist die beste Verteidigung!

    Klare Worte helfen, wenn jemand die körperliche Distanz nicht wahrt – dazu zählt zum Beispiel unnötiges Anfassen in einem Gespräch oder, wenn sich jemand an der Werkbank zu nah an dich heran drängelt.

    Geh zum Angriff über und tritt solchen Belästigungen mit einer klaren Ansage entgegen, zum Beispiel so:

    • "Das geht mir zu weit, lass das bleiben!" 
    • "So kann ich nicht in Ruhe mit dir reden, geh bitte ein Stück zurück!" 
    • „Deine Schmuddelbilder darfst du dir gerne zu Hause ins Klo hängen – ich finde sie abstoßend!“

    Nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Schutz der Kollegenschaft ist es wichtig, dass du dich gegen jede Art von Belästigung wehrst und dir von deiner Interessenvertretung Unterstützung holst, damit Täter_innen nicht ungestraft davonkommen.

  • Ausbildungswechsel oder -abbruch

    Jedes Jahr werden 20 Prozent aller Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst. Ein Ausbildungsabbruch mag dir aus verschiedensten Gründen manchmal als beste Lösung erscheinen.

    Vielleicht gefällt dir der ganze Beruf nicht mehr. Oder es herrscht innerhalb der Kollegschaft eine vergiftete Betriebsatmosphäre. Oder du sollst immer nur den Hof kehren.

    Manches klärt sich vielleicht in einem Gespräch mit deinem_r Ausbilder_in. Falls nicht, kannst du auch nur deinen aktuellen Betrieb „an den Nagel hängen“, statt gleich die ganze Ausbildung.

    Wenn du den falschen Beruf erwischt hast, ist ebenfalls der Wechsel in eine passendere Ausbildung möglich.

    Aus welchem Grund auch immer du also über einen Abbruch nachdenkst – er sollte immer das letzte Mittel sein!

    Alle Infos, den besten Zeitpunkt und die sicherste Vorgehensweise dabei findest du im Menü zu deinen Rechten in der Ausbildung im Abschnitt "Ausbildungsplatzwechsel". Deine Interessenvertretung steht dir auch hierbei tatkräftig zur Seite!