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07.11.2013

Situation am Ausbildungsmarkt bleibt angespannt

  • Auszubildende haben auf Bodenplatten Missstände ihrer Ausbildung festgehalten

Ausbildungsplatzgarantie dringend erforderlich

Die Zwischenbilanz zum bisherigen Ausbildungsjahr 2013 zeigt eine anhaltende Schieflage am Stellenmarkt. So blieben die Bewerberzahlen für Ausbildungsplätze nahezu unverändert, während das gegenüberstehende Angebot leicht sank. Oftmals unangemessene Warteschleifen zwischen Schule und Ausbildung verschärfen die Situation zusätzlich. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) spricht von einer "krisenhaften Entwicklung".

Letztmalig in 2013 veröffentlichte die Bundesagentur für Arbeit (BA) die aktuellen Zahlen zum Ausbildungsstellenmarkt. Das vorläufige Fazit zum aktuellen Ausbildungsjahr verzeichnet einen – leider negativen – Rekord, denn die Zahl der Ausbildungsverträge droht auf den niedrigsten Wert seit der Deutschen Einheit zu sinken. Die Ausbildungspakt-Partner wurden ihrer Zusage nicht gerecht, neue Ausbildungsbetriebe und Ausbildungsplätze zu schaffen. Und die BA registriert allzu viele Bewerber_innen gar nicht erst als Ausbildungsplatzsuchende.

Statistik…
Mit 21,7 Prozent liegt die aktuelle Quote der ausbildenden Betriebe auf dem tiefsten Stand seit 1999. Speziell kleine und mittlere Ausbildungsbetriebe werden immer seltener. Nach den Zahlen für September 2013 wurden insgesamt 504.542, davon 472.260 betriebliche Ausbildungsplätze angeboten. Das entspricht 12.560 Ausbildungsplätzen weniger oder einem Rückgang von 2,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat (West: minus 2 Prozent, Ost: minus 4,3 Prozent).

Demgegenüber standen im Jahr 2013 insgesamt 561.168 Bewerbungen auf einen Ausbildungsplatz (West: unverändert, Ost: minus 2 Prozent). Unterm Strich fehlen damit 50.289 Ausbildungsstellen. Und zwar allein für diejenigen jungen Menschen, die bei der BA registriert wurden. Ein auswahlfähiges Angebot sieht anders aus.

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack schlägt Alarm: "Der Ausbildungsmarkt nimmt krisenhafte Züge an. Obwohl die Bewerberzahlen im Jahr 2013 stabil geblieben sind, bleiben mehr junge Menschen als im Vorjahr ohne Ausbildungsplatz. Mehr als 83.500 Bewerber suchen noch einen Ausbildungsplatz – und das bei rund 33.500 offenen Stellen."

… versus Realität
Tatsächlich ist der Ausbildungsplatzmangel sogar noch größer, denn nicht mal die Hälfte der Interessierten wird überhaupt in eine Ausbildung vermittelt. Während 62.530 Bewerber_innen im September 2013 weiterhin eine Ausbildungsstelle brauchen, gelten sie aus Sicht der BA als "versorgt" ("Bewerber mit Alternative zum 30.9."). Deutschlandweit meldeten sich jedoch immer noch 83.564 junge Menschen ausdrücklich als „ausbildungsplatzsuchend“.

Weitere 202.262 rechnet die BA unter "andere ehemalige Bewerber" und damit auch als "versorgt", obwohl sie trotz intensiver Suche noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. Stattdessen landen nach wie vor viele junge Menschen in Übergangsmaßnahmen, aktuell befinden sich 267.000 Jugendliche "in der Warteschleife". Besonders häufig vertreten sind hier diejenigen mit Hauptschul- und mittlerem Schulabschluss. Und noch immer haben 14 Prozent bzw. 1,4 Millionen aller 20- bis 29-jährigen keinen qualifizierenden Berufsabschluss.

Während noch weitaus mehr Ausbildungsplätze gesucht werden, gibt es gleichzeitig immerhin 33.275 unbesetzte Ausbildungsstellen, die meisten davon in Problembranchen mit schlechter Ausbildungsqualität. So bleiben beispielsweise in Gaststätten- und Hotelbetrieben die angebotenen Ausbildungsplätze häufig unbesetzt.

Konsens für gute Ausbildung
Diese Zahlen zeigen die Dringlichkeit, die duale Berufsausbildung wieder auszubauen. Hierfür müssen sich Bund, Länder und Sozialpartner zusammenschließen. Auch eine gesetzliche Ausbildungsplatzgarantie ist überfällig, denn nur sie sichert allen Ausbildungsinteressierten einen Ausbildungsplatz zu. Junge Menschen haben ein Recht auf Ausbildung und dürfen nicht in Warteschleifen oder ungewünschte Alternativen abgeschoben werden. Betriebe müssen endlich wieder mehr ausbilden, statt immer nur über vermeintlichen Fachkräftemangel zu jammern.

"Wir brauchen einen neuen Konsens für eine gute Ausbildung, der den Jugendlichen einen Ausbildungsplatz sichert, der die Ausbildungsbetriebe stärkt und der die Warteschleifen im Übergang von der Schule in die Ausbildung abbaut", erklärt Elke Hannack. "Wir müssen attraktive Aufstiegsperspektiven für beruflich Qualifizierte eröffnen und die Qualität der Ausbildung auf die Tagesordnung setzen. Auf diesem Auge war der Ausbildungspakt bisher weitgehend blind."