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16.04.2014

Lage am Ausbildungsmarkt bleibt weiterhin angespannt

  • Jugendliche mit ver.di Fahnen beim Sprechchor auf einer Demo

Zahlen und Fakten: Bewertung der Situation im März 2014

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat zum ersten Mal in diesem Jahr die aktuellen Ausbildungszahlen veröffentlicht. Damit liegen nun die Zahlen zum Ausbildungsstellenmarkt mit Stand Ende März vor – wir lesen daraus erste Tendenzen.

Insgesamt haben 416.944 junge Menschen bei ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz die BA eingeschaltet. Die Entwicklung in Ost- und Westdeutschland ist dabei ähnlich.

Bundesweit hat die BA zum 27. März 2014 insgesamt 416.944 Bewerber_innen für einen Ausbildungsplatz registriert (plus 11.403 Personen bzw. plus 2,8 Prozent gegenüber den Zahlen von März 2013).

Ihnen allen steht ein Angebot von aktuell 412.286 gemeldeten Ausbildungsstellen gegenüber (plus 7.606 Stellen bzw. plus 1,9 Prozent im Vergleich zu März 2013), darin enthalten sind 405.843 betriebliche Ausbildungsstellen.

Und noch etwas differenzierter: In Westdeutschland stieg damit das Ausbildungsplatzangebot leicht um 1,8 Prozent, in Ostdeutschland um 2,2 Prozent.

Regionale Zahlen nach Bundesländern, Regionaldirektionen und den Agenturen für Arbeit

Was die Statistik abbildet – und was sie nicht zeigt
Zwischen der Anzahl der Bewerber_innen und denen der Ausbildungsplätze ergibt sich damit zu Beginn des Ausbildungsjahres 2014 eine leichte Differenz – und zwar zu Ungunsten derjenigen, die einen Ausbildungsplatz suchen.

„Und leider sind sogar noch mehr Ausbildungsinteressierte in einer schwierigen Lage, als es diese Zahlen auf den ersten Blick zeigen“, kommentiert Jan Duscheck, Bundesjugendsekretär der ver.di. „Die BA hat sie bisher lediglich in einer Maßnahme oder einer anderen Alternative ‘geparkt‘ – aber damit fallen diese jungen Menschen bereits aus der Statistik.“

Ebenfalls problematisch: Obwohl sie ausdrücklich weiterhin einen Ausbildungsplatz suchen, zählt die BA 32.905 Bewerber_innen („Bewerber_innen mit Alternative zum 30.9.“) als versorgt. Dasselbe gilt für weitere 55.965 erfolglose Bewerber_innen („andere ehemalige Bewerber_innen“), obwohl diese eigentlich auch eine Ausbildung beginnen wollten, auch wenn sie laut BA eine Alternative haben – gemeint sind Übergangsmaßnahmen, deren Sinn und Zweck für Ausbildungssuchende wir von der ver.di Jugend kritisch sehen. Mehr zu den sogenannten berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen findet ihr auf unserem Serviceportal ausbildung.info.

Deutschlandweit werden demnach 340.565 Ausbildungsplätze gesucht und momentan sind 260.909 Ausbildungsstellen unbesetzt. Allein für die registrierten Bewerber_innen fehlen also rein rechnerisch weitere 79.656 Ausbildungsstellen.

Was genau bedeuten diese Zahlen für das Gesamtjahr 2014?
Grundsätzlich haben diese ersten Zahlen im Jahr nur eine eingeschränkte Aussagekraft und können bestenfalls erste grobe Anhaltspunkte liefern. Wie sich die tatsächliche Situation am Ausbildungsstellenmarkt bis Jahresende noch entwickelt, lässt sich erst gegen Ende des Berufsberatungsjahres einschätzen.

Was sich allerdings abzeichnet: Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt bleibt weiterhin angespannt! Deutschlandweit suchen 340.565 junge Menschen einen Ausbildungsplatz, das entsprechende Angebot umfasst aktuell nur 260.909 unbesetzte Ausbildungsstellen. Immer noch werden viele junge Menschen ins sogenannte Übergangssystem vermittelt (insgesamt 257.600 in 2013), obwohl die meisten von ihnen nur einen Ausbildungsplatz und keine Übergangsmaßnahme benötigen. Und immer noch haben 1,4 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 29 keinen qualifizierenden Berufsabschluss – das entspricht 14 Prozent von dieser Altersgruppe.

Handlungsbedarf – jetzt!
Fachkräftemangel hin oder her: Dringend nötig ist eine gesetzliche Ausbildungsplatzgarantie – nur so wird sichergestellt, dass alle ausbildungsinteressierten Jugendlichen wirklich einen Ausbildungsplatz bekommen.

„Ein auswahlfähiges Angebot sieht anders aus, als es die Zahlen von März 2014 zeigen“, kritisiert Duscheck. „Hier besteht erheblicher Nachbesserungsbedarf und zwar so schnell wie möglich. Junge Menschen haben schließlich ein Recht auf gute Ausbildung!“