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08.07.2016

Gute Ausbildung: Immer noch Mangelware

  • Junge Aktive in Aktion für gute Ausbildung

Freie Ausbildungsstellen vor allem in Problembranchen

Die Bundesagentur für Arbeit meldet 5,4 Prozent mehr Ausbildungsplätze. Trotzdem suchen auch in diesem Jahr zu viele junge Menschen noch immer eine freie Stelle. Ein Überblick zur aktuellen Lage am Ausbildungsmarkt.

In manchen Branchen werden überdurchschnittlich viele Bewerbungen aussortiert, umgekehrt fühlen sich manche Interessierte von bestimmten Ausbildungsbedingungen einer Branche abgeschreckt.

Es entsteht ein Missverhältnis: Zu viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, gleichzeitig suchen zu viele Bewerber immer noch einen freien Platz.

Daten und Fakten
Info vorab: Ausbildungsinteressierte werden von der Bundesagentur für Arbeit (BA) in ihren Statistiken nur erfasst, wenn sie sich bei der BA als Suchende gemeldet haben.

Die Dunkelziffer, also alle, die auf eigene Faust nach einer geeigneten Ausbildung suchen, dürfte sehr viel höher liegen – und damit auch der tatsächliche Bedarf an Stellen.

  • Zahlen laut BA

Offiziell meldet die BA bis Ende Mai 2016 insgesamt 464.723 junge Menschen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Das sind 815 Bewerber (+0,2%) mehr als bis Ende Mai 2015.

Ihnen standen bundesweit 24.572 mehr Ausbildungsplätze (+5,4%) zur Verfügung als im Vorjahresmonat. Von den insgesamt 478.211 gemeldeten Plätzen waren fast alle (469.485) betriebliche Ausbildungsplätze.

Bereits im Dezember 2014 wurde im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die „Allianz für Aus-und Weiterbildung“ geschaffen. Mit ihr will die Bundesregierung die Bedingungen für eine bessere Ausbildung auf den Weg bringen – gemeinsam mit Vertretern aus Wirtschaft, Gewerkschaften, Ländern und der Bundesagentur für Arbeit.

Dabei sollen u.a. mehr betriebliche Ausbildungsplätze geschaffen werden. Die Zielmarke von über 500.000 wurde in 2016 allerdings nicht erreicht, laut BA fehlen noch rund 32.000 Plätze.

Und dabei entspricht selbst diese Statistik nicht der Realität:

  • Zahlen jenseits der Statistik

38.553 „Bewerber mit Alternative zum 30.9.“ registriert die BA – also Leute, die keine Ausbildungsstelle gefunden haben und sich nach einer Alternative umsehen müssen. Als Alternativen zählen zum Beispiel das Nachholen eines Schulabschlusses, das Absolvieren eines freiwilligen sozialen Jahres oder andere Maßnahmen.

86.653 „andere ehemalige Bewerber“ gelten laut BA als versorgt – was sie keineswegs sind.

Die meisten dieser jungen Menschen halten ausdrücklich an ihrem Wunsch nach einer Ausbildung fest, fallen aber trotzdem aus der Statistik.

Trauriger Rekord
In Deutschland haben aktuell 337.896 gemeldete Bewerber keinen Ausbildungsplatz. Ihnen stehen 229.040 unbesetzte Stellen gegenüber – ein neues Hoch in diesem Jahr, doch das löst das Problem nicht.

Diese freien Plätze mitgerechnet, fehlen allein für registrierte Bewerber immer noch 108.856 Ausbildungsstellen – und selbst dann stehen pro Bewerber immer noch nicht mehrere Angebote zur Auswahl.

Dieses Missverhältnis liegt unter anderem an der Besten-Auslese, die einige Unternehmen weiterhin betreiben. So verstärken sie selbst den bestehenden Fachkräftemangel, indem sie nicht oder zu wenig ausbilden.

Ein weiterer Faktor sind die jeweiligen Bedingungen der Ausbildung, je nach Branche und Region gibt es dabei große Unterschiede. Laut Ausbildungsreport der DGB-Jugend lassen die Ausbildungsbedingungen vor allem im Hotel- und Gaststättengewerbe und in Teilen des Handwerks sehr zu wünschen übrig.

Es überrascht wenig, dass sich kaum jemand in einer Branche ausbilden lassen will, die für ihre schlechten Bedingungen verschrien ist. Dass Auszubildende ihre Verträge vorzeitig lösen oder sogar ihre Ausbildung abbrechen, wenn sie die Missstände nicht mehr aushalten, ist vorhersehbar – und vermeidbar.

Wo Auszubildende fehlen
Wer selbst noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist, findet vielleicht in der folgenden Liste einen interessanten Beruf. Hier stehen die Chancen gut, denn hier wurden in 2015 die meisten Auszubildenden gesucht:

  • Restaurantfachmann/frau 35,2%
  • Fleischer_in 35,1%
  • Fachverkäufer_in im Lebensmittelhandwerk 33,0%
  • Klempner_in 30,6%
  • Fachmann/frau für Systemgastronomie 29,8%
  • Bäcker_in 27,2%
  • Gerüstbauer_in 22,0%
  • Tierwirt_in 21,3%
  • Gebäudereiniger_in 20,9%
  • Koch/Köchin 19,5%

Tipp dazu: Es macht es weder für die Wirtschaft, noch für die Jugendlichen Sinn, sie zu einer Ausbildung zu überreden, die ihren Interessen nicht entspricht und die sie nicht wollen.

Als Reaktion wird häufig entweder die Ausbildung schnell abgebrochen oder es kommt nach der Ausbildung überdurchschnittlich schnell zu einer beruflichen Neuorientierung.

In beiden Fällen war die Ausbildung für die Katz.

Wofür wir kämpfen
Die aktuellen Zahlen machen es klar: Dank dem Druck der Gewerkschaften gibt es positive Entwicklungen, doch wir sind noch weit entfernt von unseren Zielen.

Wir von ver.di können und müssen als Gewerkschaft noch stärker gemeinsam mit euch und den Sozialpartnern für eine bessere Ausbildung kämpfen!

Unsere Forderungen sind:

  • Eine gesetzliche Ausbildungsplatzgarantie, die allen Bewerberinnen und Bewerbern eine Stelle zusichert. Unternehmen müssen mehr ausbilden!
  • Eine Ausbildungsstatistik, die Suchende unabhängig von ihrem Status bei der BA erfasst!
  • Benachteiligte Jugendliche müssen durch größere ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) und assistierte Ausbildungen unterstützt werden! Zum Beispiel mit Nachhilfen in Theorie und Praxis oder Vorbereitungen auf Klassenarbeiten und Prüfungen.
  • Das Ausbildungsplatzangebot muss deutlich wachsen, denn die Nachfrage wird auch weiterhin größer als das Angebot sein – gerade durch den Zuzug junger geflüchteter Menschen!
  • Beschwerden müssen problemlos möglich sein, um einen Abbruch der Ausbildung zu verhindern!
  • Zuständige Stellen (i.d.R. die Kammern) müssen besser kontrolliert werden!
  • Die Vermittlung von Bewerbern auf freie Ausbildungsstellen muss effizienter werden!
  • Wir brauchen bessere Übernahmeregelungen, damit Auszubildende ihre Zukunft planen können!
  • Die Ausbildungsqualität muss gerade in unbeliebten Branchen deutlich steigen, um diese Berufe attraktiver zu machen! Ansatzpunkte sind hier Überstunden, Arbeitszeiten, psychische Belastung und natürlich die Ausbildungsvergütung.

Seid dabei!
Wir machen uns stark für mehr betriebliche Ausbildungsplätze und für bessere Bedingungen in der Ausbildung. Niemand soll sich mit Restposten begnügen müssen!

Dabei freuen wir uns über jede Unterstützung, also bringt gerne eure Ideen ein und engagiert euch mit uns – für eine bessere Ausbildung und eine bessere Zukunft!

Eure ver.di Jugend vor Ort freut sich auf euch!