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14.06.2018

6 Punkte für die Fußball-WM am Arbeitsplatz

  • Junger Mann mit Fußball in der Hand am Arbeitsplatz

Spielregeln für Fußball-Übertragungen während der Arbeitszeit

Heute beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 und viele Azubis fiebern eifrig mit bei den Spielen ihrer Lieblingsmannschaft. Aber schon jetzt ist klar: Viele Beschäftigte werden während der spannenden Turniere arbeiten müssen – ein Dilemma für Fußball-Fans?

Hier die sechs wichtigsten Spielregeln für Fußball-Übertragungen während der Arbeitszeit:

1. Public Viewing auf Arbeit?

Darf man im Büro die Übertragung der WM-Spiele schauen? Die Antwort ist leider eindeutig – nein.

Mit Ausnahme einer gesondert eingeholten Genehmigung ist es Beschäftigten und Auszubildenden nicht gestattet, während der Arbeitszeit die Fußball-WM zu verfolgen. Das liegt an der Klausel in eurem Arbeitsvertrag, die keine Freizeitbeschäftigungen während der Arbeitszeit zulässt.

Viele Arbeitgeber erlauben allerdings Ausnahmen. Wichtig dabei: Sucht so bald wie möglich das Gespräch mit den Vorgesetzten. Auch wer für ein Spiel früher nach Hause gehen möchte, sollte das mit der Chefetage absprechen.

Durch Gleitzeitmodelle, Arbeitszeitkonten oder das Verschieben der Pause gibt es oft eine ganz simple Lösung.

2. Geht ein Liveticker okay?

Wenn schon im Betrieb und nicht mit Freunden beim Public Viewing, so wollen doch viele Fans wenigstens wissen, was auf dem Spielfeld passiert und checken regelmäßig die Liveticker. Ist das erlaubt? Hier ist die Lage nicht eindeutig, sondern das Ausmaß entscheidet.

Wer minutenlang abgelenkt ist, kann für das Verfolgen des Livetickers abgemahnt werden. So geschehen bei Ford, als zwei Mitarbeiter ein Fußball-Spiel eben über einen solchen Ticker verfolgten. Die Zulässigkeit dieser Abmahnung wird aktuell vor dem Arbeitsgericht verhandelt, allerdings hat Ford in der ersten Instanz bereits Recht bekommen.

Wer dagegen den Liveticker nur ab und zu kurz checkt, um auf dem Laufenden zu bleiben, sollte jedoch keine Probleme bekommen.

3. Und was ist mit Radio hören?

Dazu gibt es ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts aus dem Jahr 1986, nachdem das Radio hören gestattet ist, so lange Beschäftigte oder Azubis ihre Aufgaben ordnungsgemäß erfüllen und nicht gegen ihre Pflichten verstoßen.

Diese Regel gilt allerdings nur unter zwei Bedingungen:

  • zum einen darf das Radio nicht zu laut oder störend sein (es empfehlen sich also Kopfhörer),
  • zum anderen darf es keine Kundengespräche behindern.

4. Darf ich mein Fan-Fieber im Büro offen ausleben?

Ob ihr in eurer Ausbildung mit dem Trikot in den Betrieb kommen dürft, entscheidet die Dienstvorschrift. Vorgaben zur Arbeitskleidung oder Schutzmaßnahmen dürfen auch während der Weltmeisterschaft nicht umgangen werden.

Wer seinen Arbeitsbereich mit Fahnen und Stickern schmücken will, sollte das vorher kurz mit den Vorgesetzten absprechen. Viele Arbeitgeber sind aber recht offen bei solchen Fragen und erlauben Fanartikel (in Maßen) am Arbeitsplatz.

5. Siegesfeier im Büro?

Das Spiel ist gewonnen – und jetzt hoch die Tassen?! Ob mit Sekt oder Bier im Büro angestoßen werden darf, entscheidet der Betrieb bzw. die bisherige Regel:

Gilt ein striktes Alkoholverbot, wird das auch während der WM-Sommertage nicht aufgehoben. Ein Verstoß kann sogar zu einer Kündigung führen.

Umgekehrt läuft es in Betrieben, in denen zu Festen traditionell zusammen angestoßen wird: Dann macht auch die WM keine Ausnahme. Ein gemeinsames Glas Sekt auf den Sieg der Lieblingsmannschaft ist hier also kein Problem – es sollte aber bei einer Runde bleiben.

6. Urlaub nehmen oder schwänzen?

Blaumachen ist eine ganz schlechte Idee! Besprecht lieber frühzeitig andere Möglichkeiten, um die Spiele nicht zu verpassen, anstatt das Vertrauen in euch aufs Spiel zu setzen.

Wenn Beschäftigte während einer Krankschreibung beim Public Viewing gesehen werden, muss das allerdings nicht direkt zur Kündigung führen. Die entscheidende Frage ist, ob das Fußballschauen die Genesung behindert.

Eine andere Option, damit ihr kein wichtiges Spiel verpasst: Urlaub an den Spieltagen beantragen. Arbeitgeber sind verpflichtet, eure Wünsche in die Urlaubsplanung einzubeziehen, auch wenn ihr keinen Anspruch auf WM-Urlaub habt.

Sollten alle Beschäftigten versuchen, zum Finalspiel einen freien Tag zu bekommen, kann der Arbeitgeber den Urlaubswunsch also auch zurückweisen. Wer daraufhin allerdings droht, einfach zu Hause zu bleiben, kann nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts fristlos entlassen werden.

Aber keine Angst: Nach einer aktuellen Umfrage freut sich die Mehrheit der Deutschen auf die Fußball-Weltmeisterschaft und will die Spiele live verfolgen. Dazu gehört sicher auch die eine oder der andere Vorgesetzte…

In diesem Sinne wünschen wir euch viel Spaß in den nächsten Wochen!

Eure ver.di Jugend