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17.07.2015

Durchgefallen – und jetzt?

  • Schultafel mit Kreide-Handschrift SCHOOL SUCKS

Wie es weiter geht

Wer durch eine Abschlussprüfung fällt, steckt erst mal in einer sehr ärgerlichen und unschönen Lage. Nach dem ersten Schock gibt es aber keinen Grund mehr, den Kopf hängen zu lassen oder in fortwährende Panik zu verfallen! Eine Prüfung kann Jede_r mal versemmeln, doch das heißt nicht, dass alles umsonst war. Es gibt immer konkrete Handlungsansätze, die Situation zum Guten zu wenden. Die ver.di Jugend hat unterstützende Tipps zum Thema zusammengestellt.

Warum Auszubildende eine Prüfung nicht bestehen, kann unterschiedliche Gründe haben: Prüfungsangst, Blackout während der Prüfung, ungeeignete Lernformen, aber auch schlechte Prüfungsvorbereitung durch die Berufsschule oder den Betrieb gehören dazu.

Wer an Prüfungsangst leidet, sollte sich nach Anlaufstellen erkundigen, mit deren Hilfe man mit solchen Situationen besser umgehen und Prüfungsangst abbauen kann. Um möglichst entspannt in die Prüfung zu gehen, ist gute Vorbereitung die erste wichtige Voraussetzung.

Nützliche Links zum Thema Prüfungsvorbereitung
Pauken, aber richtig: Hier geht’s zu hilfreichen Tipps zur Prüfungsvorbereitung. Für die Unterstützung von Auszubildenden bietet auch die Agentur für Arbeit kostenlose Prüfungsvorbereitungen, die beim Lernen für die Prüfung helfen können.

Fehlende Vorbereitung durch den Betrieb? Negatives Prüfungsergebnis ungültig!
Prüfung nicht bestanden, weil Dinge gefragt wurden, die zwar im Ausbildungsplan stehen, aber nicht im Betrieb erklärt wurden? Gegen so ein Prüfungsergebnis kann man vorgehen - es gehört schließlich zu den Pflichten des Ausbildungsbetriebs, die zur Prüfung nötigen Ausbildungsinhalte zu vermitteln.

Wenn aus dem Berichtsheft hervorgeht, dass bestimmte Dinge während der Ausbildung nicht vermittelt wurden, so ist das negative Prüfungsergebnis ungültig. Die Prüfung kann nachgeholt werden und unter Umständen gibt es sogar Schadensersatz wegen Verdienstausfall. Auszubildende können die Differenz zwischen Ausbildungsvergütung und eigentlichem Verdienst verlangen – wenn die Prüfung regulär bestanden worden wäre. Zur Unterstützung bitte auf jeden Fall an das Jugendsekretariat vor Ort wenden!

Wiederholung der Prüfung? Ist möglich!
Die Abschlussprüfung kann insgesamt zwei Mal wiederholt werden (§37 Berufsbildungsgesetz). Auszubildende können dafür entweder im Betrieb bleiben oder die Prüfung selbstständig organisieren.

Wenn sie sich entscheiden, zur Prüfungswiederholung im Betrieb zu bleiben, verlängert sich ihr Ausbildungsvertrag. Dafür muss lediglich dem Ausbildungsbetrieb – und zur Sicherheit auch der zuständigen Kammer – schriftlich die Absicht mitgeteilt werden, die Ausbildung wegen nicht bestandener Prüfung verlängern zu wollen.

Kündigung wegen nicht bestandener Prüfung? Nicht erlaubt!
Der Arbeitgeber darf wegen nicht bestandener Abschlussprüfung nicht kündigen.

Auszubildende, die ihre Abschlussprüfung nicht bestanden haben,

  • bekommen weiterhin ihre Ausbildungsvergütung,
  • können weiterhin die Berufsschule besuchen,
  • werden von der IHK bzw. Handwerkskammer informiert, wann ein zweiter oder dritter Prüfungstermin stattfindet.

Oftmals müssen Auszubildende nur die nicht bestandenen Fächer wiederholen. Das müssen sie aber im Einzelfall abklären. Allerdings kann die Ausbildung nur um maximal ein Jahr verlängert werden (§21 Berufsbildungsgesetz).

Prüfung nachholen außerhalb des Betriebs
Das schlechte Prüfungsergebnis hat auch etwas mit dem Ausbildungsbetrieb zu tun? Oder Auszubildende wollen aus anderen Gründen den Betrieb verlassen? In diesen Fällen kann die Abschlussprüfung selbstständig organisiert bei der zuständigen Kammer zwei Mal nachgeholt werden. Jedoch haben Auszubildende dann offiziell keinen Auszubildendenstatus mehr.

Holen Auszubildende die Abschlussprüfung außerhalb des Betriebs nach,

  • dürfen sie nicht mehr die Berufsschule besuchen,
  • bekommen sie keine Ausbildungsvergütung mehr,
  • müssen sie sich selbstständig um die Prüfungsanmeldung bei der zuständigen Kammer kümmern,
  • müssen sie die Kosten der Prüfung selbst tragen,
  • werden die Berufsausbildungsbeihilfe oder das Kindergeld nicht mehr gezahlt.

Wenn nur Teile der Prüfung wiederholt werden, muss das innerhalb von zwei Jahren geschehen. Die gesamte Abschlussprüfung kann innerhalb von fünf Jahren wiederholt werden.

Regelungen in der Pflege
Für Auszubildende, die eine Ausbildung nach dem Krankenpflegegesetz begonnen haben, gelten besondere Regeln für die Prüfungswiederholung. Bei nicht bestandener Prüfung können Auszubildende diese zwar wiederholen, sie müssen aber weiterhin an der Ausbildung teilnehmen wenn sie die praktische Prüfung oder alle Teile wiederholen müssen. Auf einen schriftlichen Antrag der Auszubildenden verlängert sich die Ausbildung bis zum nächstmöglichen Prüfungstermin, maximal allerdings bis zu einem Jahr.

Jede Aufsichtsarbeit der schriftlichen Prüfung, jeder Themenbereich der mündlichen Prüfung und die praktische Prüfung können jeweils einmal wiederholt werden. Zur Anmeldung für einen Wiederholungstermin muss der Verbleib in der Ausbildung nachgewiesen werden.

Weitere Möglichkeiten
Auszubildende, die auch zum dritten Mal die Prüfung nicht bestehen, haben erst mal keine Chance, in diesem Beruf einen Abschluss zu machen. Sie können aber trotzdem darin weiterarbeiten – allerdings mit einer niedrigeren Entgeltgruppe und meist schlechteren Chancen am Arbeitsmarkt.

Zum anderen gibt es natürlich die Möglichkeit, in einem ähnlichen Ausbildungsberuf erneut eine Ausbildung zu beginnen. Aufgrund der Ähnlichkeit können häufig einige Ausbildungsinhalte anerkannt werden, was die neue Ausbildung verkürzt.

In jeden Fall hilft es, sich an die örtliche ver.di Jugendsekretär_in zu wenden, um die konkrete Situation durchzusprechen und Unterstützung zu holen.

Die ver.di Jugend drückt euch die Daumen und steht für alle Rückfragen gerne zur Verfügung!