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29.09.2016

Der Ausbildungsreport 2016

  • DGB Jugend

Was euch wirklich wichtig ist

Deine Ausbildung fetzt? Oder lassen dich Betrieb und Berufsschule an Abbruch denken? Vermutlich hängt deine Antwort nicht nur vom persönlichen Einsatz ab, sondern sehr stark davon, welche Rahmenbedingungen du im Betrieb vorfindest und in welcher Branche du dich ausbilden lässt. Das jedenfalls zeigt die aktuelle Studie des DGB und gibt damit Hinweise, wo wir nachbessern müssen – für eine qualitativ hochwertige Ausbildung für alle!
 
Was macht eine Ausbildung zu einer guten Ausbildung?
Die meisten Auszubildenden, immerhin 71,7 Prozent, sind mit ihrer Ausbildung »zufrieden« oder sogar »sehr zufrieden«. Das freut uns. Aber was ist mit den übrigen 28,3 Prozent?

Welche Branchen machen zufrieden?
Die unterschiedliche Zufriedenheit ist Branchenabhängig. Während beispielsweise Bankkaufleute, Mechatroniker_innen und Industriemechaniker_innen »sehr zufrieden« sind, ziehst du laut Statistik als zahnmedizinische_r Fachangestellte_r den Ausbildungs-fail.

Als Fachinformatiker_in, Elektroniker_in, KFZ-Mechatroniker_in, Fachkraft für Lagerlogistik und Metallbauer_in liegst du mit der Bewertung der Ausbildung im Mittelfeld.

Insgesamt zeigt der Report: Je größer der Betrieb, desto zufriedener die Auszubildenden. Woran das liegt? In großen Betrieben gibt es zum einen mehr Personal und Material, zum anderen aber auch häufiger Betriebs- und Personalräte und Jugend- und Auszubildendenvertretungen, die für eine gute Ausbildung sorgen.

Was wirklich nervt
Ausbildungsfremde Tätigkeiten. Mit 10,6 Prozent müssen etwas mehr Auszubildende »immer« oder »häufig« ausbildungsfremde Tätigkeiten übernehmen, als noch im Vorjahr.  

Keine_n Ausbilder_in vor Ort zu haben. Immerhin 8,2 Prozent der Auszubildenden haben überhaupt keine_n und weitere 10,1 Prozent sehen ihn oder sie »selten« oder »nie«.

Unsicherheit bei der Übernahme. 44,4 Prozent der Auszubildenden im dritten Lehrjahr wussten bei der Befragung noch nicht, ob sie übernommen werden. 42,8 Prozent hatten eine Zusage, die aber nur bei zwei Dritteln unbefristet war. 12,8 Prozent hatten eine Absage bekommen.

Schlechte Schule. Die Berufsschule ist für die Ausbildung genauso wichtig wie der Betrieb, aber nur knapp über die Hälfte der Auszubildenden finden den Unterricht qualitativ »sehr gut« oder »gut«. Wegen der Sparpolitik bleiben Stellen unbesetzt, was zuerst die Lehrer_innen und dann auch ihr spürt.

Fehlende Ausbildungsplätze. Nur jeder fünfte Betrieb bildet aus. Weniger als zwei Drittel der Interessent_innen können eine Ausbildung beginnen. Die Selbstverpflichtung der Wirtschaft zur Schaffung von mehr Ausbildungsplätzen funktioniert also nach wie vor nicht.

Regelmäßige Überstunden. Sie sind für viele Auszubildende leider Alltag. Ebenso wie das Nacharbeiten der Berufsschulzeiten und ein fehlender Ausgleich der Überstunden.

Reizthema Überstunden
34,8 Prozent der Auszubildenden leisten nach eigenen Angaben regelmäßig Überstunden. Von diesen schrubbt fast jede_r Fünfte fünf Stunden zusätzlich pro Woche. In der Probezeit und kurz vor einer möglichen Übernahme ist der Druck dabei am höchsten, weil man beeindrucken will. Allerdings machen wir die Ausbildung, um einen Beruf zu lernen und nicht um als billiger Lückenbüßer den Personalmangel zu kompensieren.

Unbezahlte Überstunden. Nur zwei Drittel der Auszubildenden bekommen Geld oder zumindest Urlaub für ihre Überstunden. 14,4 Prozent gehen ganz leer aus, vor allem Friseur_innen und zahnmedizinischen Fachangestellte. Die wenigsten Überstunden müssen übrigens Steuerfachangestellte und Bankkaufleute (ca. zwei Stunden) leisten.

Wochenendarbeit. Über 40 Prozent der Fachverkäufer_innen im Lebensmittelhandwerk arbeiten an mehr als fünf Tagen.  Auszubildenden als Köch_innen, Industrie- und Einzelhandels-Kaufleute sowie Verkäufer_innen und Hotelfachleute müssen auch am Wochenende ran.

Überstunden machen Stress. Viele Auszubildenden können sich nach der aktuellen Studie des DGB in der knappen Freizeit nicht erholen. Freund_innen, Familie, ein freiwilliges Engagement in Vereinen und Verbänden – all dies fällt der Ausbildung zum Opfer. Zusätzlich gibt es zu wenig Zeit, um für die Schule zu lernen.  

Was macht eine miese Ausbildung mit euch?
Sie raubt den Schlaf. 56,5 Prozent der Auszubildenden leiden unter häufigen körperlichen und 46,1 Prozent unter psychischen Beschwerden wegen der Ausbildung.  

Ein Fünftel der Auszubildenden belastet das „immer mehr, immer schneller“ in ihrem Betrieb. Und wird die Ausbildung schlecht bewertet, steigt die Wahrscheinlichkeit eines Abbruchs.

Was hilft
Unterstützung durch andere. Auszubildende, die sich auf ihre Kolleg_innen verlassen können, bewerten ihre Ausbildung durchweg besser.

Jugend- und Auszubildendenvertretungen. In Betrieben mit Interessenvertretungen steigt die Zufriedenheit auf 78,3 Prozent, ohne liegt sie nur bei 34 Prozent. Nicht nur auf einen Betriebs- bzw. Personalrat, sondern speziell auf eine JAV zugehen zu können, macht dabei sogar noch zufriedener.

Eine menschengerechte Gestaltung der Arbeit. Wie das Arbeitsschutzgesetz § 2 sie vorsieht.  

Was können wir als ver.di Jugend tun?
Nur für knapp die Hälfte der Befragten gilt ein Tarifvertrag. Gilt er, sind 76 Prozent mit ihrer Ausbildung »sehr zufrieden« oder »zufrieden«. Ohne Vertrag sind es nur 66,4 Prozent.

Zu viele, nämlich ein Fünftel der Befragten, wussten nicht, ob es in ihrem Ausbildungsbetrieb eine Interessenvertretung gibt. Das kann nicht sein!

Die Ausbildungsqualität lässt sich verbessern. Wir brauchen ganzheitlichen Arbeitsschutz und eine durchdachte Organisation und Durchführung der Ausbildung in Betrieb und Berufsschule, damit ihr Auszubildenden unter guten Bedingungen in euer zukünftiges Berufsleben starten könnt!

Als ver.di Jugend unterstützen wir dich bei der Durchsetzung deiner Rechte, machen deine Jugend- und Auszubildendenvertretung stark und kämpfen für Tarifverträge und Gesetze für eine gute Ausbildung. Gemeinsam sind wir stark. Ein Kontakt zu deiner ver.di Jugend vor Ort findest du hier.