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20.09.2013

Ausbildungsreport 2013

  • Auszubildende demonstrieren mit einer Farbaktion ihren Unmut

DGB-Ausbildungsreport deckt erneut gravierende Mängel auf

Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat sich mal wieder die Ausbildungssituation hierzulande genauer angesehen und warnt: Es bildet sich eine Zweiklassengesellschaft und die von Frauen dominierten Berufe schneiden bei Vergütung und Ausbildungsbedingungen wieder schlechter ab, als von Männern favorisierten Berufe.

Der achte Ausbildungsreport der DGB-Jugend zeigt eine zunehmende Spaltung in der beruflichen Ausbildung. Junge Menschen mit einem guten Schulabschluss profitieren von der demografischen Entspannung bei der Ausbildungsplatzsuche. Für Hauptschüler ist dagegen annähernd die Hälfte der Ausbildungsberufe faktisch abgeschottet.

Weniger Ausbildungsplätze - nur für die Besten?!
Auch Schulabgänger_innen aus Realschulen und Gymnasien mit schlechten Noten drohen aus dem Ausbildungssystem ausgeschlossen zu werden. Im Jahr 2012 befanden sich 266.000 junge Menschen im sogenannten Überganssystem – also in berufsvorbereitenden Maßnahmen, die nur in seltenen Fällen zu einer Ausbildung führen. 1,4 Millionen Menschen zwischen 20 und 29 Jahren hatten keine Ausbildung und keinen qualifizierenden Abschluss.

Gleichzeitig ist 2012 die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge auf 551.272 gesunken. Das ist der niedrigste Wert seit 2005. Und auch die relative Anzahl der ausbildenden Betriebe ist auf 21,7 Prozent gesunken. "Während die Wirtschaft immer lauter vor dem Fachkräftemangel warnt, bildet sie selbst immer weniger aus. Das ist an Heuchelei kaum zu überbieten", so Ringo Bischoff, ver.di-Bundesjugendsekretär.

Die ver.di Jugend fordert daher seit Jahren eine Ausbildungsplatzumlage. Die sollen Betriebe zahlen, die nicht ausbilden, damit ausbildende Betriebe finanziell unterstützt werden können.

Wenig Vergütung, viele Überstunden
Die Zunahme bei den unbesetzten Ausbildungsplätzen auf 33.275 liege in erster Linie an der schlechten Qualität der Ausbildung in bestimmten Branchen, so die DGB-Jugend. Die Vergütungen sind dort am geringsten, es gibt viele Überstunden und die Auszubildenden fallen überdurchschnittlich oft durch die Prüfung. Davon sind vor allem frauendominierte Berufe im Einzelhandel, im Gesundheitssektor und in der Gastronomie betroffen.

Auszubildende in weiblich dominierten Berufen müssen häufiger Überstunden ableisten, als in männlich dominierten Arbeitsfeldern. Dieser Unterschied fiel 2012 sogar wieder stärker aus. Zusätzlich können Auszubildende in männlich dominierten Berufen ihre Überstunden in drei von vier Fällen durch Freizeit oder Vergütung ausgleichen. In weiblich geprägten Berufen kann dies nur die Hälfte der Auszubildenden.

Höhere Zufriedenheit in Großbetrieben - und bei Gewerkschaftsmitgliedern
Die Qualität der Ausbildung hängt neben den Branchen auch stark von der Betriebsgröße ab. Bei Kleinstbetrieben mit weniger als fünf Beschäftigten wurden beispielsweise 15,1 Prozent der Auszubildenden regelmäßig mit ausbildungsfremden Tätigkeiten beauftragt. Bei Großbetrieben mit mehr als 500 Beschäftigten betraf das nur 6,4 Prozent. Auch waren dort 42,3 Prozent uneingeschränkt zufrieden mit der fachlichen Qualität ihrer Ausbildung. Bei den kleineren und Kleinstbetrieben fällt diese Quote auf 27,2 bzw. 28,6 Prozent.

Die Übernahme ist eine weitere Baustelle der Gewerkschaftsjugend. Nur 40 Prozent hatten zum Zeitpunkt der Studie eine Zusage auf Übernahme in ihrem erlernten Beruf. 14 Prozent wissen, dass sie nicht übernommen werden und 45 Prozent hatten keine Auskunft über ihre nahe berufliche Zukunft.

Ein positives Ergebnis hat der Ausbildungsreport für Gewerkschaftsmitglieder: 80,3 Prozent der befragten Auszubildenden gaben an, dass sie mit ihrer Ausbildung "zufrieden" oder "sehr zufrieden" sind – wenn sie Mitglied in einer Gewerkschaft waren. Unter Nichtmitgliedern äußerten sich nur 71,5 Prozent derart positiv zu ihrer Ausbildung.

Den kompletten Ausbildungsreport 2013 der DGB Jugend gibt es hier zum Download als PDF.