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26.02.2014

Ausbildungsqualität im Handel? Das muss besser werden!

  • Transparent ÜBERNAHME IST KEIN VERBRECHEN!

Handelssonderauswertung des DGB-Ausbildungsreports deckt gravierende Mängel auf

Für eine bundesweite Auswertung der Ausbildungsqualität im Handel hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) im Februar 2014 vier Handelsberufe aus Einzel-, Groß- und Außenhandel unter die Lupe genommen. Das Ergebnis alarmiert: Überstunden, fehlende Ausbildungspläne und ausbildungsfremde Tätigkeiten sind für viele Auszubildende gang und gäbe!

Handelsriesen malen in hochpreisiger Werbung für ihre Ausbildungsplätze mit bunten Farben eine schöne Welt der besonders guten Ausbildungsqualität, Karriere- und Aufstiegschancen. Offenbar erfolgreich: Handelsberufe belegen zum 30. September 2013 die ersten zwei Plätze unter den am häufigsten abgeschlossenen Ausbildungsverträgen, so die neuste Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB).

Ganz anders sieht es allerdings nach der Befragung von 3.765 Auszubildenden aus dem Handel durch den DGB aus. Obwohl gesetzlich vorgeschrieben, hat ein Drittel der Befragten keine Grundlage für den betrieblichen Teil der Ausbildung, also keinen Ausbildungsplan. 17,7 Prozent der Befragten verrichten auch ausbildungsfremde Tätigkeiten, davon 6,5 Prozent sogar häufig – der tatsächliche Lerngehalt ihrer Ausbildung ist damit fraglich. 13,2 Prozent haben nur manchmal, 8,4 Prozent sogar nur selten einen Ausbilder oder eine Ausbilderin in der Nähe. Viele Faktoren also, welche die Ausbildungsqualität erheblich in den Keller drücken.

„Die Sonderauswertung des DGB-Ausbildungsreports für die Handelsbranche vom Februar 2014 zeigt, dass es bei der Qualität von Ausbildung noch erheblichen Nachholbedarf gibt“, sagt auch Franziska Foullong, Fachbereichsjugendsekretärin im Handel bei der ver.di. „Das Ziel ist eine Übernahmegarantie nach der Ausbildung in Vollzeit und unbefristet, denn nur so können junge Menschen ihre Zukunft planen“, so Foullong weiter.

Regionale Befragung in vier Bundesländern
Bei seiner Sonderauswertung für die Ausbildungsqualität im Handel hat der DGB neben den bundesweiten Ergebnissen zusätzlich auch regionale Befragungen in den Bundesländern Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und NRW berücksichtigt. Hier wurden die fünf wichtigsten Themenbereiche für Auszubildende abgefragt, nämlich:

  • Vergütung – Höhe der Bruttovergütung in Euro während der Ausbildung
  • Interessenvertretung – Betriebe mit Jugend- und Auszubildendenvertretung, Betriebs- bzw. Personalrat in Prozent
  • Ausbildungsfremde Aufgaben – Auszubildende in Prozent, die eindeutig nicht zur Ausbildung zugehörige Tätigkeiten verrichten müssen (befragt wurden nur Auszubildende, die ihren Ausbildungsplan „gut“ oder „sehr gut“ kennen)
  • Wunsch nach weiterer Beschäftigung im erlernten Beruf – Auszubildende in Prozent, die nach der Ausbildung weiterhin im erlernten Beruf tätig sein möchten
  • Übernahme – Auszubildende in Prozent, die nach der Ausbildung von ihrem Betrieb übernommen werden

Besonders schockierend: 14,2 Prozent der Befragten können sich ganz klar NICHT vorstellen, nach ihrer Ausbildung im erlernten Beruf weiterzuarbeiten. Weitere 28,1 Prozent wissen es noch nicht…

Vor allem die Befragungsergebnisse der Fachverkäufer_innen im Lebensmittelhandwerk fallen konstant schlechter aus als in den anderen Handelsberufen – und das, obwohl genau hier die meisten Fachkräfte fehlen!

Arbeitgeber müssen reagieren
Die Fachbereichssekretärin für die Jugend im Handel bewertet die Resultate eindeutig: „All das spricht gegen das tolle Bild der guten Ausbildungsbedingungen mit Aufstiegschancen. Eine gute Ausbildung bedeutet, dass Auszubildende einen strukturierten und gehaltvollen Ausbildungsplan haben, der auch befolgt wird. Auszubildende dürfen auch nicht als reguläre Arbeitskraft ausgebeutet werden oder Überstunden leisten müssen – hier sind die Arbeitgeber dringend gefordert nachzubessern.“

Mittlerweile haben selbst die Arbeitgeberverbände begriffen, dass durch den demografischen Wandel ein Fachkräftemangel droht. Dagegen wollen sie nun gemeinsam mit den Gewerkschaften an einem Strang ziehen, um jungen Menschen eine sichere berufliche Perspektive zu bieten. Die Tarif- und Sozialpartner haben daher vor kurzem einen Beirat gegründet, der über tarifpolitische Anforderungen an eine alternsgerechte und lebensphasenorientierte Arbeitsgestaltung im Einzelhandel beraten wird.

„Ein wichtiger Schritt“, bestätigt Foullong, „denn gerade im Hinblick auf die jungen Menschen in der Branche gibt es erheblichen Nachbesserungsbedarf.“ Wir als ver.di Jugend schließen uns an – und fordern eine deutlich bessere Ausbildungsqualität für junge Menschen im Handel!

Den vollständigen Ausbildungsreport gibt es auf der Website der ver.di im Handel zum Download als PDF.