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16.03.2017

Abgehängt

  • Foto: contrastwerkstatt, Fotolia.com

300.000 von uns hängen zwischen Schule und Ausbildung fest

Rund 300.000 Jugendliche stecken in den zahllosen Maßnahmen am Übergang von der Schule in die Ausbildung fest, Tendenz bisher steigend. Fast die Hälfte haben einen Hauptschulabschluss. (Quelle: Meldung des DGB Bundesvorstands vom 13.03.2017)

Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Auswertung des DGB mit dem Titel "Generation abgehängt? Die Probleme der Jugendlichen im Dschungel der Maßnahmen zwischen Schule und Ausbildung". Wir fordern gemeinsam mit dem DGB: In den kommenden Jahren müssen deutlich mehr Ausbildungsplätze her!

Zahl der Ausbildungsverträge sinkt

Wenn die Zahl der betrieblichen Ausbildungsverträge zurückgeht, liegt das nicht am Akademisierungstrend, sondern an fehlenden Übergängen in die duale Ausbildung. Immer mehr Jugendliche scheitern beim Schritt von der Schule in die Ausbildung und stecken in den vielen Maßnahmen des Übergangssystems fest – oft ohne Aussicht auf eine abgeschlossene Ausbildung.

Vor allem Jugendliche mit einem mittleren oder Hauptschulabschluss scheitern bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. So hatten im Vorjahr rund 48 Prozent dieser Jugendlichen im Übergangssystem einen Hauptschulabschluss, fast 27 Prozent sogar einen mittleren Schulabschluss.

Spannungen auf dem Ausbildungsmarkt bleiben ein handfestes Problem

Das Übergangssystem ist ein Seismograph für den Ausbildungsmarkt. In den kommenden Jahren werden deutlich mehr Ausbildungsplätze benötigt. Anderenfalls droht zahlreichen jungen Menschen ein Leben in Arbeitslosigkeit oder prekärer Beschäftigung.

Arbeitgeber, aber auch Bund und Länder müssen sich ehrgeizigere Ziele setzen. Endgültig erforderlich ist eine Ausbildungsgarantie. Fakt ist auch: Der Anstieg im Übergangssystem ist auch auf geflüchtete Jugendliche in Sprach- und Integrationsklassen zurückzuführen – und das ist gut so! Doch auch diese Menschen brauchen bald einen Ausbildungsplatz.

Hintergrund der DGB-Auswertung

Am 10. März hat das Statistische Bundesamt veröffentlicht, wie viele Jugendliche sich im Jahr 2016 in den zahllosen Maßnahmen im sogenannten Übergangssystem befunden haben:

  • Im Jahr 2015 waren es rund 270.000 Jugendliche, die nicht den Sprung von der Schule in die Ausbildung geschafft haben.
  • 2016 waren es bereits 300.000, das ist innerhalb von nur zwei Jahren ein Anstieg von 46.000 Jugendlichen.

Übrigens: Im Ansatz sind solche berufsvorbereitenden Maßnahmen (kurz BvB) des Übergangssystems durchaus richtig. Sie sollen die Jugendarbeitslosigkeit senken, indem sie förderbedürftigen Jugendlichen durch eine intensive Phase der Berufsorientierung den Übergang in die Arbeitswelt erleichtern.

Diese BvB dürfen Arbeitgeber allerdings nicht aus ihrer Ausbildungsverantwortung entlassen – oder gar zur Verschönerung von Arbeitslosigkeitsstatistiken dienen!

BvB stellen im Grunde eine Parallelwelt zur Berufsbildung dar, die es so nicht geben muss. Wir von der ver.di Jugend sehen in ihnen also keine Dauerlösung und sagen: Recht auf gute Ausbildung für alle!

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