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14.10.2016

7 Tipps, mit denen du die Probezeit überstehst

  • Apfel und Block für die Ausbildung

Wichtige Infos für einen guten Start in die Ausbildung

Du hast deine Ausbildung begonnen und steckst noch in der Probezeit? Wir haben die wichtigsten Punkte zusammengetragen, damit du ohne Zittern durch diese Monate der Unsicherheit kommst.

Das sagt das Gesetz:
Die Länge deiner Probezeit ist in deinem Ausbildungsvertrag festgeschrieben. Sie ist je nach Gesetzen unterschiedlich lang, z.B. dauert bei einer Ausbildung nach Berufsbildungsgesetz (BBiG) die Probezeit einen bis maximal vier Monate. Im Bereich der Gesundheitsberufe sind es sechs Monate.

Was das soll:
In der Probezeit merken du und dein Arbeitgeber, ob es für beide Seiten passt:

  • Du kannst prüfen, ob du dich mit dem gewählten Beruf und deinem Ausbildungsplatz wohlfühlst.
  • Dein Betrieb bzw. deine Dienststelle prüft, ob sie dich für den Beruf geeignet sieht und, ob du ins Unternehmen bzw. in die Verwaltung passt.

Wenn’s nicht passt:
Während dieser Zeit kann dir dein Ausbildungsträger jederzeit und ohne Angabe von Gründen kündigen. Du kannst das aber auch, wenn dir die Ausbildung nicht gefällt oder du sie aus anderen Gründen beenden willst.

Eine Kündigung muss immer schriftlich erfolgen. Auszubildende können auch nach der Probezeit noch kündigen. Dagegen darf das der Ausbildungsträger danach nur noch in besonders begründeten Fällen. Deshalb ist es wichtig, dass du die Probezeit „überstehst“.

Mehr zur Kündigung

Erst mal ankommen
Wenn du im Betrieb bzw. in der Dienststelle bleiben willst, ist die Probezeit oft eine Belastung und du fühlst dich womöglich ständig beobachtet. Fehlender Kündigungsschutz, Kontrolle und Versagensangst gehören in dieser Zeit oft zum Alltag.

Komme ich gut bei den Kollegen_innen an? Erledige ich die mir übertragenen Aufgaben richtig? War meine letzte Nachfrage gerechtfertigt oder halten die mich für blöd? Solche Fragen stellst du dir bestimmt häufig. Aber ganz ruhig bleiben: Eine erste Orientierung und das „Ankommen“ im Betrieb oder in der Dienststelle dauern einfach ein paar Wochen.

Allgemein lässt sich die Probezeit in drei Phasen unterteilen, die du bewusst für dich nutzen kannst:

1. Orientierung 

In dieser Phase lernst du den Betrieb bzw. die Dienststelle und andere Beschäftigte kennen und bekommst einen Überblick zu den Inhalten und Abläufen deiner Ausbildung. Du wirst dabei mit sehr unterschiedlichen Erwartungen konfrontiert: mit denen deiner Kolleginnen und Kollegen, aber auch deines Chef oder deiner Chefin, deiner Ausbildungskräfte oder Praxisanleitenden oder ggf. auch mit denen deiner Kundschaft oder deiner Patientenschaft.

Frag dich, was dein jeweiliges Gegenüber von dir erwartet. Frag dich aber auch, was du von diesen Personen und von deiner Ausbildung erwartest! Auch du darfst Ansprüche stellen, gerade an die Qualität deiner Ausbildung. Denn du bist keine Hilfskraft! Und du hast ein Recht auf gute Ausbildung!

2. Anpassung

Nach den ersten Tagen und Wochen entwickelst du ein Gespür für die Kultur im Betrieb oder in der Dienststelle. Du analysierst Arbeitsabläufe, Zusammenhänge, Beziehungen und die Kommunikation untereinander und du bekommst eine Vorstellung davon, welche Erwartungen du erfüllen kannst und welche du erfüllen musst.

Was braucht es dafür, damit du nicht Gefahr läufst, dich zu verbiegen oder in der Probezeit bzw. im weiteren Verlauf deiner Ausbildung schlecht dazustehen? In dieser Phase deiner Probezeit brauchst du nicht mehr zu beobachten und abzuwarten, sondern du kannst Informationen umsetzen, die du dir bereits angeeignet hast.

3. Integration

Wenn du vorher noch mal nachgefragt hast, weißt du jetzt bestimmte Dinge und einiges geht wie von selbst. Klar, du bist in der Ausbildung und lernst täglich neue Dinge. Aber du kennst Abläufe, an die du dich halten kannst – ohne groß nachzudenken, wie das noch mal war.

Du kennst deine Kolleginnen und Kollegen und ihre Kommunikation untereinander. Du trittst vielleicht weniger oder gar nicht mehr in Fettnäpfchen.

7 Tipps und Tricks für souveräne Azubis – auch in der Probezeit
Je nachdem in welcher Phase deiner Probezeit du bist, achtest du also auf bestimmte Dinge. Was aber immer geht und was du auf dem Schirm behalten solltest, haben wir hier noch mal aufgelistet:

1. Kommunikation in alle Richtungen
Du bist der oder die Neue in deinem Ausbildungs- und Arbeitsumfeld. Das fühlt sich meist etwas unangenehm an, geht aber vorbei. Wichtig ist in den ersten Wochen, dass du offen und freundlich auf deine neuen Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzten zugehst. Dafür eignet sich vor allem eine gemeinsame Mittagspause oder die Arbeit an gemeinsamen Projekten.

Verwende im Gespräch besser zunächst das Sie, auch wenn sich die alteingesessenen Kolleginnen und Kollegen untereinander duzen. Warte besser, bis sie dir selber das Du anbieten.
Lästereien in jedem Fall vermeiden! Für die Beurteilung unterhalten sich Ausbildungskräfte oft mit vielen Personen und ein gutes Arbeitsklima erleichtert dir nicht nur die Probezeit, sondern deine gesamte Ausbildung.

2. Betrieb bzw. Dienststelle kennenlernen
Kennenlernen steht in den ersten Wochen und Monaten deiner Ausbildung ganz oben auf der Agenda! Dabei geht es nicht nur um die einzelnen Personen in den Abteilungen oder Teams, sondern auch um den Betrieb bzw. um die Dienststelle selbst. Schließlich sollst du in der Probezeit ja auch herausfinden, ob du hier wirklich deine Berufsausbildung machen willst!

Wie ist das Betriebsklima? Gibt es Konkurrenzkämpfe, starke oder flache Hierarchien, ist der Umgang der Kolleginnen und Kollegen untereinander eher offen oder wird viel hintenherum erzählt?

Und natürlich ist die Betreuung durch qualifiziertes Ausbildungspersonal für dich besonders wichtig. Hast du konkrete Anlaufstellen und nehmen sich diese Personen ausreichend Zeit für deine Fragen?

Die Probezeit ist wichtig, um diese Fragen für dich zu klären. Im schlimmsten Fall kannst du jetzt noch die Reißleine ziehen und einen neuen Ausbildungsplatz suchen.

3. Pünktlichkeit ist das A und O
Pünktlichkeit wird in der Ausbildung vom ersten Tag an erwartet. Wer zu spät kommt, macht keinen guten Eindruck bei den Ausbildungskräften. Plane also immer einen Puffer ein – falls dein Rad einen Platten hat, der Bus mal länger braucht oder du mit dem Auto im Stau steckenbleibst.

Und wenn es doch mal passiert, sag im Betrieb oder in der Dienststelle Bescheid, wann du ankommen wirst. So zeigst du Souveränität!

4. Lernbereitschaft – ohne geht es nicht
Zeige Interesse für die neuen Aufgaben und frag gezielt nach – das gehört zur Ausbildung dazu! Schreib dabei am besten alles auf, was dir erklärt wird, damit du nicht dieselbe Frage nochmal stellst. Und was du dir notiert hast, kannst du auch vor einer Prüfung noch mal nachlesen.

5. Engagement und Motivation
Mit Hilfsbereitschaft kannst du nicht nur bei anderen Auszubildenden punkten. Du machst auch bei deinen Ausbilder_innen einen guten Eindruck, wenn du mit deiner Aufgabe fertig bist und dann anderen deine Hilfe anbietest oder selbstständig nach neuen Aufgaben fragst.

6. Kritik: Wichtig, um besser zu werden
Fehler gehören auch zur Ausbildung! Aus Fehlern kannst du lernen und dafür bist du in der Ausbildung. Du musst allerdings auch zu deinen Fehlern stehen. Die Schuld bei anderen zu suchen, bringt dich nicht weiter. Nimm also gut gemeinte Ratschläge an und versuche einfach, es beim nächsten Mal besser zu machen.

7. Zuhören ist mehr als nur Hinhören
Einfach hinhören ist nicht dasselbe wie richtig zuhören. Unter aktivem Zuhören versteht man eine offene Grundhaltung gegenüber der redenden Person. Natürlich solltest du ausreden lassen und sowohl mit Mimik und Körpersprache als auch mit Worten signalisieren, dass du den Worten deines Gegenübers folgst.

Hast du eine andere Meinung, musst du das Gesagte nicht akzeptieren, aber respektiere es. Stelle anschließend Verständnisfragen, anstatt direkt in die Widerrede zu gehen.

Läuft? Nicht.
Es läuft nicht alles ganz rund? Das geht nicht nur dir so. Laut einer Studie der DGB Jugend sind viele Auszubildenden unzufrieden mit ihrer Ausbildung. Hier auf unserem Serviceprotal zur Ausbildung findest du wichtige Infos und Tipps zu konkreten Problemen in der Probezeit.

Wenn du im Betrieb oder in der Dienststelle bleiben möchtest, solltest du Probleme aktiv angehen. Gerade in deiner Probezeit ist es aber auch wichtig, dass du nicht zu viel riskierst.
Sprich am besten mit deiner JAV und deinem Betriebs- bzw. Personalrat oder mit der Mitarbeitervertretung, wenn dir was stinkt. Sie alle sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. So wird dein Feedback gesammelt, aber nicht direkt öffentlich, so dass auch in deiner Probezeit Kritik nicht direkt auf dich zurückzuführen ist.

Übrigens: Für eine Beratung zur Probezeit oder Ausbildungsqualität steht dir auch deine ver.di Jugend vor Ort mit Rat und Tat zur Seite!