News

16.06.2016

Chancen und Risiken im Social Web

  • Soziale Netze bieten Chancen, bergen aber auch Risiken

Gut zu wissen über soziale Medien

Facebook, Instagram, Twitter & Co.: Heutzutage kennt jeder mindestens drei soziale Netzwerke und fast jeder von uns ist dort auch selbst aktiv. Jugendliche und junge Erwachsene organisieren im Social Web ganz selbstverständlich ihren Alltag und knüpfen dort Kontakte. Eigentlich eine super Sache – wäre da nicht die Frage nach dem Datenschutz...

Um sich mit Freunden in sozialen Netzen auszutauschen und als Teil der Community wahrgenommen zu werden, geben User zahlreiche persönliche Informationen preis. Wer dabei zu sorglos mit eigenen Angaben und den Daten Dritter umgeht, riskiert nicht nur seine eigene Privatsphäre. Auch die Urheber- und Persönlichkeitsrechte anderer können dadurch verletzt werden.

Problematisch werden können außerdem Kommentare über den eigenen Arbeitgeber oder die offensichtliche Aktivität in sozialen Netzen während der Arbeitszeit.

Keinen Plan mehr? Hier ein kleiner Wegweiser durch die sozialen Medien.

Die 5 wichtigsten „Dos & Don'ts“ in sozialen Netzwerken:

  1. Klar trennen zwischen beruflichen und privaten Kontakten!
  2. Sensibel mit persönlichen Daten umgehen!
  3. Privatsphäre so einstellen, dass eigene Posts und Fotos nur für Freunde sichtbar sind!
  4. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, trotzdem dürfen weder fremde Persönlichkeitsrechte noch Schweigepflichten verletzt werden. Direkte Beleidigungen o.ä. sind also absolut tabu, Schnappschüsse z.B. von der letzten Betriebsfeier dürfen nur nach Absprache mit den Fotografierten ins Netz!
  5. Am Schluss immer vollständig ausloggen!

Surfen auf Arbeit?
Darfst du während deiner Arbeitszeit privat surfen, also mit deinem Smartphone, Dienst-Laptop oder Arbeits-PC z.B. auf Facebook, Twitter oder YouTube unterwegs sein? Das solltest du unbedingt vorher abklären, denn sonst kann schnell die Kündigung ins Haus flattern!

Vielleicht gibt es in deinem Unternehmen oder Ausbildungsbetrieb eine betriebliche Regelung zur Nutzung der Social Media während der Arbeitszeit? Falls du keine Infos findest, frag einfach die JAV, den Betriebs- oder Personalrat in deinem Betrieb – oder die ver.di Jugendsekretäre bei dir vor Ort!

Achtung: Arbeitgeber liest mit!
Wer in sozialen Netzen sehr aktiv ist, sollte sich bewusst sein, dass gepostete News, Fotos, Videos und Statements mit hoher Wahrscheinlichkeit auch von Vorgesetzten entdeckt und gelesen werden. Selbst wenn du einen Beitrag in deiner privaten Zeit veröffentlichst, könntest du trotzdem bei deinem Arbeitgeber in Misskredit geraten.

Das falsche Statement in deinem Facebook-Profil, einen fragwürdigen Beitrag gelikt oder ein umstrittenes Bild hochgeladen… Je nach Inhalt deines Beitrags und Bezug zu deinem Arbeitsplatz kann dich dein Arbeitgeber dafür durchaus zum Personalgespräch bitten, sogar abmahnen oder kündigen!

So wurde beispielsweise ein Arbeitnehmer nach dem folgenden Post auf seiner privaten Facebook-Pinnwand fristlos gekündigt: „Das einzige, was für die Betreiber, die Familie, zählt, ist Kohle, egal zu welchem Preis. Würde mich auch nicht wundern, wenn die Kellertanks illegal wären“.

Das Arbeitsgericht Iserlohn erklärte glücklicherweise am 9. März 2010 die fristlose Kündigung für unwirksam. Begründung: Der Arbeitnehmer hatte weder die Ehre seines Arbeitgebers verletzt, noch strafrechtlich zu ahndende Äußerungen getroffen.

Rechtliche Rückendeckung Wer hilft im Falle eines Falles?
Wenn ein Gespräch mit deinem Arbeitgeber noch ansteht, sprich sofort mit deiner JAV, deinem Betriebs- oder Personalrat! Sie können dir nicht nur mit gutem Rat vor Ort helfen, sondern dich auch zum Personalgespräch begleiten und notfalls eingreifen.

Falls das nicht reicht, bekommst du außerdem rechtliche Hilfe von deinen ver.di Jugendsekretären vor Ort! Als unser Mitglied genießt du Arbeitsrechtschutz und wir lassen deinen Fall von der ver.di Rechtsabteilung prüfen. Besteht Aussicht auf Erfolg, werden mit deiner Zustimmung rechtliche Schritte eingeleitet.

Das Netz ist kein rechtsfreier Raum!
Auch in sozialen Netzen gelten natürlich unsere Gesetze, beispielsweise das Grundgesetz: „Schutz nach Art. 5 Abs. 1 GG – Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.“

Grundsätzlich darfst du Social Media Plattformen in deiner Freizeit nutzen und dort auch Beiträge über deine Arbeit posten – dabei solltest du jedoch sehr genau auf deine Wortwahl achten! Denn nach Art. 5 Abs. 5 II GG gilt: „Das Recht auf Meinungsfreiheit wird begrenzt durch die allgemeinen Gesetze und das Recht der persönlichen Ehre eines jeden Menschen.“ Du musst dich also fragen, ob deine „Meinung“ legitim ist oder eine Beleidigung mit „erheblichem ehrverletzendem Inhalt“ darstellt.

Wenn du deinen Arbeitgeber in einem sozialen Netzwerk so grob beleidigst, dass seine Ehre verletzt ist, gilt dasselbe wie in der realen Offline-Welt und du kannst dafür eine gerechtfertigte, außerordentliche Kündigung kassieren – sogar ohne vorherige Abmahnung!

So wurde vor dem LAG Hamm am 10. Oktober 2012 eine außerordentliche fristlose Kündigung bestätigt, da eine „ehrverletzende Darstellung des Arbeitgebers“ vorlag: Der betroffene 26-jährige Auszubildende hatte auf seinem privaten Facebook-Profil in der gleichnamigen Rubrik seinen Arbeitgeber als „Menschenschinder und Ausbeuter“ eingetragen.

Fazit: Dein Grundrecht auf Meinungsfreiheit schützt weder Formalbeleidigungen noch Schmähungen oder bewusst falsche Tatsachenbehauptungen!

Die populärsten Kanäle
Neben Facebook, dem derzeit beliebtesten und einflussreichsten sozialen Netzwerk, gibt es noch viele weitere, die eine große Rolle im Social Web spielen. Die wichtigsten im Überblick:

  • Facebook: Die weltweit größte Community bietet mehr Möglichkeiten zum Austausch von Informationen, Fotos, Videos, Meinungen, Einladungen und Kontakten als jedes andere Netzwerk. Wegen seiner komplizierten und unsicheren Privatsphäre- und Datenschutz-Einstellungen steht das Unternehmen jedoch regelmäßig in der Kritik von Datenschutzbeauftragten und Usern.
  • Twitter: Der Kurznachrichtendienst eignet sich am besten zur schnellen Verbreitung von News. Er ist schlichter designt als Facebook, bietet dafür aber auch weniger Möglichkeiten – insbesondere nur 140 Zeichen pro Beitrag. Auch der User-Dialog ist eingeschränkt.
  • YouTube: Über diese Plattform lassen sich Videos durch unkomplizierte Handhabung sehr simpel verbreiten oder z.B. in die eigene Website einbinden. Beispielsweise sind hier Mobilisierungsclips für Aktionen gut aufgehoben und werden optimal viral verbreitet.
  • Google+: Übersichtlicher als Facebook, speziell die Privatsphäre-Einstellungen sind bei Google+ einfacher und leichter zu finden. Die Reichweite von Beiträgen ist jedoch nach wie vor begrenzt, was an der vergleichsweise geringen Anzahl aktiver User liegt.
  • XING: In Deutschland DIE Plattform für alle Berufstätigen und Arbeitssuchenden, denn bei XING stehen Business-Kontakte und Berufsprofile im Fokus.
  • Blogs: Hier werden längere Texte veröffentlicht, in die auch Video-, Bild- und Audio-Dateien eingebunden werden können. Beiträge können in der Regel kommentiert werden und sind stark verlinkt. Oft macht es Sinn, die behandelten Themen in Kurzfassung bei Facebook oder Twitter zu posten und von dort aus zum ausführlichen Blog-Beitrag zu verlinken.

Vor- und Nachteile des Social Web
Soziale Netze bieten unendlichen Raum zur freien Persönlichkeitsentfaltung, jeder kann sich so präsentieren, wie es ihm oder ihr gefällt. Welche Veranstaltungen jemand besucht, in welchen Gruppen jemand organisiert ist, welche Meinung er oder sie zu bestimmten Themen und Ereignissen hat und die Diskussion dieser Meinungen sind heute ein wichtiger Bestandteil von sozialer Kommunikation und Gemeinschaftsbildung. Die Meinungs- und Informationsfreiheit ist dabei als rechtlicher Rahmen das höchste Gut im Netz.

Deutlich zeigen sich allerdings auch die Schattenseiten des Social Web – in Form von Mobbing und Ausgrenzung, Shitstorms und des Verlusts der informationellen Selbstbestimmung. Persönlichkeitsrechte sind durch einen unbedachten Post ganz schnell verletzt, der resultierende Schaden kann dagegen für alle Beteiligten sehr nachhaltig sein.

Deswegen: Augen auf im Social Web! Wenn du ein paar wesentliche Regeln beachtest, hast du sicherlich trotzdem jede Menge Spaß in deinen Netzwerken!

Mehr zum Thema: