Finanzen mit Kind

(Werdende) Eltern haben Anspruch auf verschiedene finanzielle Leistungen, die wir dir in den folgenden Abschnitten näher erläutern. Dazu gibt es weiterführende Links in unserer schlauen Box!

Übrigens: Alle medizinischen Maßnahmen, die wegen deiner Schwangerschaft stattfinden (also Krankenhausbesuche, Medikamente, Heilmaßnahmen, Arztbesuche usw.) sind in der Regel von der Zuzahlungspflicht befreit!

  • BAB & Sozialhilfe

    Wenn dir vor deiner Schwangerschaft oder Elternschaft Berufsausbildungsbeihilfen (kurz BAB) gewährt wurden, entfällt für dich in der Elternzeit der Anspruch auf BAB.

    Allerdings kann es sein, dass du zusätzliche Zuwendungen vom Sozialamt bekommst. Beispielsweise den "Mehrbedarfszuschlag" ab der 12. Schwangerschaftswoche oder "einmalige Beihilfen" für Schwangerschaftskleidung und Babyausstattung.

    Das Sozialhilferecht ist kompliziert. Daher solltest du dich vor der Antragstellung beraten lassen - frag am besten deine Interessenvertretung!

  • Elterngeld & Erziehungsgeld

    Regelungen zum Elterngeld gelten gleichsam für alle Beschäftigte - auch in der Ausbildung oder mit Werkstudentenstatus - und haben das frühere Erziehungsgeld abgelöst.

    Alle Mütter oder Väter, die mit ihrem Kind in einem Haushalt leben und es hauptsächlich alleine betreuen, dürfen seit 2007 Elterngeld beantragen.

    Dagegen können Eltern, deren Kinder vor dem 31.12.2006 geboren wurden, weiterhin Erziehungsgeld beantragen.

    Das Elterngeld soll ermöglichen, dass beide Elternteile gleichwertig die Kindererziehung und -betreuung übernehmen können. Mütter oder Väter bekommen somit zwölf Monate lang Elterngeld ausgezahlt.

    Bei gemeinsamer Betreuung durch beide Eltern verlängert sich der Anspruch auf 14 Monate. In der Regel wird Elterngeld auch dann gewährt, wenn die Ausbildung nicht unterbrochen wird.

    Höhe der Unterstützung
    Zur Berechnung der Unterstützung wird das Durchschnittseinkommen des betreuenden Elternteiles aus den letzten 12 Monaten vor der Geburt zu Grunde gelegt:

    • Lag das monatliche Nettoeinkommen vor der Geburt unter 1.000 Euro, werden bis zu 100 Prozent gezahlt.
    • Lag das monatliche Nettoeinkommen vor der Geburt unter 1.240 Euro, werden bis zu 67 Prozent gezahlt.
    • Wenn für die Betreuung lediglich die Arbeitszeit reduziert wird, werden 65 Prozent des dadurch entfallenden Einkommens erstattet.

    Das Elterngeld beträgt allerdings mindestens 300 Euro und maximal 1.800 Euro pro Monat - ob du davor verdient hast oder nicht.

    Nebenbei arbeiten
    Ein Arbeitsverhältnis muss deinem Anspruch auf Elterngeld nicht entgegenstehen.

    Ob selbständig oder angestellt: Wer in einem oder mehreren Jobs insgesamt höchstens 30 Stunden je Woche arbeitet, gilt nicht als voll erwerbstätig, sondern als teilzeitbeschäftigt - und darf somit Elterngeld beziehen.

    Elterngeld und Mutterschaftsgeld
    Elterngeld zählt zum steuerpflichtigen Einkommen, Mutterschaftsgeld (siehe Abschnitt unten) und ein zugehöriger Arbeitgeberzuschuss werden auf die ersten beiden Bezugsmonate des Elterngeldes angerechnet.

    Dasselbe gilt für ALG II-Leistungen. Solltest du mehr als 300 Euro Elterngeld erhalten, wird alles über 300 Euro auch auf andere Sozialleistungen angerechnet (z. B. auf Wohngeld, auf Kinderzuschlag und Kindergeld)!

    Antragstellung
    Elterngeld kann gleich nach der Geburt und drei Monate rückwirkend beim regionalen Jugendamt beantragt werden.

    Wenn beide Eltern antragsberechtigt sind, müssen sie entscheiden, wer von beiden das Elterngeld bekommen soll. Das Jugendamt in deiner Nähe bietet ausführliche Beratung zum Thema.

    Informationen über das Elterngeld für Kinder, die nach dem 31. Dezember 2006 geboren wurden, findest du über unsere schlaue Box und außerdem beim Bundesministerium für Famile.

    Elterngeld Plus – neu ab Juli 2015
    Die geplante Reform des Bundeselterngeld und Elternzeitgesetzes wurde von uns unter die Lupe genommen.

    Zu den Eckpunkten ElterngeldPlus, Flexibilisierung der Elternzeit, Verbesserungen für Alleinerziehende und Partnerschaftsbonus haben wir die Vorteile hervorgehoben. Und eine erste Frauen- und gleichstellungspolitische Kommentierung zusammengestellt.

    Neben einzelnen Verbesserungen bildet die geplante Reform einen Beitrag:

    • zur Lebensphasen-orientierten Arbeitszeit und Zeitsouveränität
    • zu mehr partnerschaftlicher Arbeitsteilung von Familie und Beruf
    • für Väter, die sich mehr Zeit für ihre Kinder wünschen

    Hier gibt es weiterführende Infos von ver.di zur geplanten Reform des Bundeselterngeld und Elternzeitgesetzes.

  • Kindergeld

    Das Kindergeld ist ein staatlicher Zuschuss zu den Kosten, die Eltern entstehen, solange ihr Kind sich nicht selbst finanzieren kann. Es deckt aber nicht alle Kosten, die anfallen.

    Zusätzlich wird die zulässige Einkommensgrenze für das Kindergeld, das (eigentlich) deine Eltern für dich bekommen, in der Regel um 2.400 Euro pro Jahr erhöht (Stand 2010).

    Dein Anspruch besteht unabhängig vom Einkommen ab der Geburt des Kindes und maximal vier Jahre rückwirkend - aber so lange solltest du mit der Beantragung nicht warten! Anträge gibt es bei der Kindergeldstelle des Arbeitsamtes, die Geburtsbescheinigung muss mit eingereicht werden.

    Weiterführende Infos zum Thema findest du über unsere schlaue Box!

  • Kinderzuschlag

    Eltern, die über ausreichend Einkommen für ihren eigenen Lebensunterhalt verfügen, aber rechnerisch nicht genug für den Unterhalt ihrer Kinder verdienen, erhalten einen Kinderzuschlag für jedes minderjährige Kind im Haushalt der Eltern.

    Zum Einkommen werden dabei auch Unterhaltszahlungen oder Berufsausbildungsbeihilfen (kurz BAB) gezählt, Kindergeld oder Wohngeld hingegen nicht.

    Der Kinderzuschlag kann pro Kind bis zu 140 Euro betragen und wird gemeinsam mit dem Kindergeld ausgezahlt. Kinderzuschlag wird bei der Familienkasse des Arbeitsamtes beantragt und unbefristet gezahlt - soweit die Anspruchsbedingungen vorliegen.

    Weiterführende Infos zum Thema findest du über unsere schlaue Box!

  • Landeserziehungsgeld

    Väter und Mütter in Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen und Thüringen haben zusätzlich Anspruch auf ein Landeserziehungsgeld, falls der Bund nicht mehr zahlt.

    Hier findest du eine Übersicht der Erziehungsgeldstellen.

  • Mutter-Kind-Stiftung

    Um werdende Mütter zu unterstützen, die wenig Geld haben, wurde 1984 vom Bund die Stiftung "Mutter und Kind - Schutz des ungeborenen Lebens" (kurz: Mutter-Kind-Stiftung) gegründet.

    Sie hilft, sobald andere Sozialleistungen wie zum Beispiel ALG IIWohngeld oder Unterhaltsvorschusskasse (siehe Abschnitt unten) nicht ausreichend, nicht rechtzeitig oder gar nicht zur Verfügung stehen.

    Detaillierte Beratung und Antragstellung erfolgen meist im örtlichen Sozialamt oder bei kirchlichen Einrichtungen wie dem Diakonischem Werk, der Caritas oder dem Sozialdienst Katholischer Frauen.

    Einmalzahlungen

    Wer nur wenig verdient oder wegen Schwangerschaft nicht mehr arbeitet, kann ab der 12. Schwangerschaftswoche Geld beantragen.

    Genehmigt werden dann üblicherweise einmalige, in wenigen Fällen auch monatliche Beihilfen wie der so genannte "Mehrbedarfszuschlag" - und zwar für Umstandskleidung, Erstausstattung des Kindes, Waschmaschine, Weiterführen des Haushaltes, Einrichtung einer Wohnung, Betreuung des Kindes etc.

    Auf diese Zuschüsse besteht jedoch kein Rechtsanspruch, ihre Höhe ist von Fall zu Fall verschieden. Finanzielle Zuwendungen aus der Stiftung dürfen nicht angerechnet werden auf ALG IIArbeitslosengeld und -hilfe, KindergeldWohngeld und andere soziale Leistungen.

    Väter werden zuerst zur Kasse gebeten

    Achtung: Unter anderem muss auch die Erstausstattung (dazu gehören die Wiege oder erste Kleidung) vom Vater des Kindes bezahlt werden.

    Nur wenn der kein Geld hat, kann die Mutter sich an die Mutter-Kind-Stiftung wenden. Wenn der Vater genug verdient oder Vermögen hat, ist der Antrag in der Regel zwecklos.

    Außerdem: Einige Stellen zahlen nach Ablauf des dritten Schwangerschaftsmonats nichts mehr aus, andere akzeptieren keine Belege, die vor Antragstellung erstellt wurden. Informiere dich dazu so früh wie möglich!

    Weiterführende Infos zum Thema findest du über unsere schlaue Box!

  • Mutterschaftsgeld

    Während der Mutterschutzfrist erhältst du Mutterschaftsgeld in Höhe deines durchschnittlichen Nettoverdienstes der letzten drei Monate vor Beginn der Schutzfrist.

    Den entsprechenden Antrag stellst du bei deiner Krankenkasse, die dir bis zu 13 Euro pro Tag auszahlt - je nach Anzahl der Tage also zwischen 364 Euro und 403 Euro pro Monat.

    Lag dein vorheriger Nettoverdienst höher, muss dein Arbeitgeber die Differenz ausgleichen.

    Gesetzestexte zum Mutterschaftsgeld

  • Unterhaltsvorschuss

    Solltest du dein Kind allein erziehen und der andere Elternteil kann oder will keinen angemessenen Unterhalt zahlen, kannst du beim Jugendamt den so genannten „Unterhaltsvorschuss“ beantragen.

    Dieser wird pro Kind bis zum 12. Lebensjahr und bis zu 72 Monate lang gezahlt – unter Umständen holt sich das Jugendamt das Geld beim anderen Elternteil zurück!

    Insgesamt kann der Vorschuß bis zu 180 € pro Monat betragen, wobei die Unterhaltsleistungen des anderen Elternteiles angerechnet werden.

  • Vorher schon an nachher denken

    So kannst du mehr Rente bekommen oder bares Geld sparen:

    • Gemeinsame Kindererziehung - einsame Rentenanrechnung

    Wer Kinder erzieht, die seit 1992 geboren wurden, erhöht damit seinen Rentenspruch. Die ersten drei Jahre nach der Geburt werden der Frau als Kindererziehungszeit angerechnet.

    Die Mutter wird so gestellt, als hätte sie in der Zeit gearbeitet und das durchschnittliche Einkommen eines Rentenversicherten erzielt.

    Erziehen die Eltern das Kind gemeinsam oder ist der Vater dafür zuständig, können die Kindererziehungszeiten zu Gunsten des Vaters statt zu Gunsten der Mutter gehen.

    Darauf müssen sich die Eltern vorab einigen und dies der Deutschen Rentenversicherung mitteilen.

    Weiterführende Infos zum Thema findest du über unsere schlaue Box!

    • Uneheliches Kind - Spartipp Vaterschaftsanerkennung

    Wenn die Eltern des Kindes nicht verheiratet sind, wird der Vater nur in die Geburtsurkunde eingetragen, wenn er die Vaterschaft auf dem zuständigen Jugendamt anerkennt.

    Ohne Vaterschaftsanerkennung erhält der Vater kein Sorge- oder Umgangsrecht, kein Erziehungsgeld o. ä. und die Mutter keinen Unterhaltsanspruch gegen den Vater.

    Eine nachträgliche Änderung der Geburtsurkunde ist gebührenpflichtig und kostet ab fünf Euro aufwärts.

    Wer also schon vor der Geburt die Vaterschaftsanerkennung beim Jugendamt vornimmt, spart Geld.