Dritter Bildungsweg oder: Uni ohne Abi?

Grundsätzlich hast du in Deutschland ausschließlich mit Abitur einen Zugang zum Studiensystem – unter Umständen aber auch mit einem ausländischen Abschluss oder über Hochschulen mit eigenen Zulassungskriterien für Bewerber_innen ohne Hochschulreife.

Und auch mit abgeschlossener Berufsausbildung und etwas Praxiserfahrung steht dir mittlerweile der Weg in ein Studium offen – häufig musst du allerdings eine gesonderte Prüfung ablegen.

Für diesen sogenannten Dritten Bildungsweg (kurz DBW) eignen sich besonders duale Studiengänge und entsprechende Angebote von Fachhochschulen.

Die Hans-Böckler-Stiftung hat mit ihrem Projekt "Dritter Bildungsweg" ein spezielles Modellprogramm aufgelegt, das offenkundige Hindernisse beim Übergang vom Beruf ins Studium aufgreift.

Die wichtigsten Details zur Hochschulzulassung ohne Abitur und über den DBW findest du in den folgenden Abschnitten. Noch mehr Infos? Immer in der schlauen Box!

  • Viele Wege führen zur Uni

    Theoretisch kann jedes Bundesland eigene Zulassungsregeln für Studienbewerber_innen ohne Abitur erlassen.

    Praktisch übertragen aber viele Bundesländer die detaillierte und verbindliche Gestaltung solcher Vorgaben ihren einzelnen Hochschulen. Dabei sind seit 2009 einige bundesweite Zulassungsstandards zu beachten (siehe Abschnitt unten).

    Für dein Wunschfach können dadurch ganz eigene Zugangsregelungen für eine Bewerbung auf dem DBW gelten – und das unterschiedlich je nach Bundesland und Hochschule.

    Zur ersten Orientierung lies zunächst die folgenden Abschnitte, zusätzliche Infos auch in unserer schlauen Box. Exakte und individuelle Auskünfte bekommst du von der Studienberatung oder vom Fachbereich der jeweiligen Hochschule.

    Übrigens: Spezielle Angebote für Studierende ohne Abitur gibt es auch im Bereich der Gewerkschaftsarbeit, mehr dazu unter Studienangebot im Abschnitt „Studiengänge für Gewerkschaftsarbeit“!

  • Zulassung & bundesweite Standards

    Früher bestimmte jedes Bundesland und zum Teil sogar jede Hochschule eigene Kriterien für ein Studium ohne Abitur.

    2009 erarbeitete schließlich die Kultusministerkonferenz der Länder bundesweit einheitliche Standards zum „Hochschulzugang für beruflich qualifizierte Bewerber_innen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung“.

    Grob zusammengefasst erhalten nach diesem Beschluss vom
    06. März 2009:

    • Inhaber_innen folgender Abschlüsse der beruflichen Aufstiegsfortbildung eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung:
      - Meisterbrief im Handwerk
      - Fortbildungsabschluss, der mindestens 400 Unterrichtsstunden umfasste
      - vergleichbare Qualifikation im Sinne des Seemannsgesetzes
      - Abschluss einer (Berufs-)Fachschule
      - vergleichbare Weiterbildungsqualifikation des Gesundheitswesens, der sozialen Pflegeberufe oder der Sozialpädagogik
       
    • alle anderweitig beruflich qualifizierten Bewerber_innen eine fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung mit:
      - erfolgreichem Abschluss eines Eignungsfeststellungsverfahrens
      - erfolgreich absolviertem Probestudium von mindestens einem Jahr, dazu mindestens zweijähriger Berufsausbildung sowie normalerweise mindestens dreijähriger Berufspraxis (beides in einem zum Studiengang affinen Bereich)

    Hier die vollständige Fassung der Ergebnisse als PDF-Download!

    Die einzelnen Bundesländer dürfen zusätzliche Vorgaben bestimmen und insbesondere den konkreten Katalog der Fortbildungsabschlüsse nach jeweiligen Landesregelungen erweitern.

    Innerhalb des gleichen oder eines affinen Studiengangs kannst du ggf. trotzdem an eine Hochschule mit anderen Zulassungsbestimmungen wechseln. Nach zwei erfolgreich absolvierten Semestern werden länderspezifische Hochschulzugangsberechtigungen in der restlichen Bundesrepublik anerkannt.

  • Europäische Akademie der Arbeit

    An der Europäischen Akademie der Arbeit (kurz EAdA) in Frankfurt/Main kannst du nach abgeschlossener Berufsausbildung auch ohne Abitur studieren – es gibt allerdings eine Aufnahmeprüfung.

    Das (Ganztags-)Studium an der EAdA dauert elf Monate, jeweils von Anfang Oktober bis Anfang August. Die Bewerbung erfolgt direkt bei der EAdA oder über eine gewerkschaftliche Verwaltungsstelle.

    Ein EAdA-Abschluss qualifiziert dich u. a. für zusätzliche Arbeitsbereiche und Berufsfelder und eröffnet dir neue Perspektiven. In Hessen und einigen anderen Bundesländern darfst du damit z. B. ein Hochschulstudium der Rechtswissenschaften, Soziologie oder Volkswirtschaftslehre starten.

    Lehrveranstaltungen zum deutschen und europäischen Arbeitsrecht, zur betrieblichen Mitbestimmung und Gleichbehandlung, zum wirtschaftlichen Strukturwandel und zur Sozialpolitik machen dich außerdem besonders fit für die kompetente Interessenvertretung von Arbeitnehmern_innen (mehr Infos über Studiengänge zur Gewerkschaftsarbeit).

    Gewerkschaftliches Stipendium
    Womöglich unterstützt dich deine Gewerkschaft auch dabei, ein gewerkschaftliches Stipendium für die EAdA zu ergattern. Damit wären folgende Kosten und Posten abgehakt:

    • Unterbringung und Verpflegung (an der EAdA)
    • monatliches Unterhaltsgeld (rund 400 Euro)
    • Büchergeld und Fahrtkosten für Heimfahrten (beides wird vollständig erstattet)
    • obendrauf ein Zuschuss zur Krankenversicherung
    • und in bestimmten Fällen noch ein Mietzuschuss für die eigene Wohnung

    Freistellung beantragen!
    Dein Arbeitgeber ist zwar nicht dazu verpflichtet, aber er kann dich auf Antrag freistellen! Du bekommst dann eine Art unbezahlten Urlaub für die Dauer des Studiums.

    Versuch es einfach – so kannst du bei Bedarf wieder in deinen Betrieb, vielleicht sogar an deinen alten Arbeitsplatz zurückkehren!

    Falls für dich ein Tarifvertrag gilt, sind darin evtl. die Konditionen für deine Freistellung festgehalten!