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19.12.2012

Weniger Ausbildungsplätze – trotz angeblichem Fachkräftemangel

  • "Wortwolke" zum Thema Fachkräftemangel und Ausbildungsqualität

BIBB verzeichnet deutliche Verschlechterung am Ausbildungsmarkt

Im Vergleich zum Vorjahr ist in 2012 die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge um 3,2 Prozent auf 551.300 zurückgegangen. Zurzeit sind 76.008 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz und halten sich mit Bewerbungstrainings, Einstiegsqualifizierungen und Praktika über Wasser.

Die Situation hatte sich in den vergangenen Jahren etwas entspannt. Der zunächst positive Trend auf dem Ausbildungsmarkt ist jedoch laut einer Analyse des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) im Jahr 2012 ins Stocken geraten.

Ursachen für den Rückgang
Als Gründe für das sinkende Ausbildungsplatzangebot sieht das BIBB insbesondere:

  • die im Lauf des Jahres 2012 nachlassende Konjunktur
  • das geringere Angebot betrieblicher Ausbildungsplätze (10.000 weniger)
  • den Abbau des außerbetrieblichen Ausbildungsplatzangebots (minus 4.600)

Aber auch die Ausbildungsplatznachfrage ist rückläufig. In 2012 haben sich nur noch rund 627.300 Menschen für einen Ausbildungsplatz beworben. Das sind 14.200 weniger als im Vorjahr. Dieser Rückgang ist maßgeblich auf die demografische Entwicklung zurückzuführen, denn in Deutschland gibt es immer weniger Jugendliche.

Ausbildungschancen unverändert schlecht
Da es mit sinkendem Ausbildungsplatzangebot gleichzeitig eine geringere Nachfrage gab, sind die Ausbildungschancen der Jugendlichen insgesamt nahezu unverändert geblieben. In 2011 standen für 100 Bewerberinnen und Bewerber rein rechnerisch 93,4 Ausbildungsplätze zur Verfügung, in diesem Jahr sind es 93,2.

Rückgänge in Angebot und Nachfrage haben dazu geführt, dass bundesweit in diesem Jahr lediglich 551.300 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen wurden – 18.100 Verträge weniger als in 2011. Seit der Wiedervereinigung gab es lediglich 2005 einen ähnlich niedrigen Wert.

Wunsch und reales Angebot zu weit auseinander
Die sinkenden Zahlen neuer Ausbildungsverträge lassen sich auch durch die deutlich seltenere Übereinstimmung von Angeboten und Wünschen erklären. Sowohl regional als auch beruflich lassen sich Ausbildungsplatzangebote der Betriebe nur noch schwierig mit den Ausbildungswünschen der Jugendlichen zusammenzuführen. So nahm die Zahl der noch unbesetzten Stellen um 3.600 auf insgesamt 33.300 zu – ungeachtet des insgesamt sinkenden Ausbildungsplatzangebots.

Vor allem im Handwerk wurde händeringend nach Auszubildenden gesucht. 10.500 Ausbildungsplätze blieben in dieser Branche unbesetzt. 2009 gab es hier lediglich 4.700 ungenutzte Ausbildungsplätze.

Ausbildungsqualität schützt vor Fachkräftemangel
Die größten Herausforderungen für die zukünftige Sicherung des Fachkräftenachwuchses sind sowohl die negative demografische Entwicklung als auch die enorme Differenz zwischen den Vorstellungen beider Seiten – Ausbildungsanbieter wie Ausbildungsplatzsuchende. Für Betriebe bedeutet das nicht zuletzt, dass sie ihre Ausbildungen besser und attraktiver gestalten müssen.

Ohne eine faire Ausbildungsvergütung ist beispielsweise ein Wechsel in eine andere Stadt kaum möglich, Miete und Lebenshaltungskosten müssen schließlich durch die Ausbildungsvergütung bezahlbar sein. Wenn Betriebe und ganze Branchen Probleme mit der Besetzung von Ausbildungsplätzen haben, müssen sie also eine angemessene Vergütung bezahlen – gerade im eigenen Interesse der Fachkräftesicherung.

Hier geht es zur Pressemitteilung des BIBB über die Entwicklung des Ausbildungsmarkts in 2012.