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21.06.2012

Was bildet ihr uns ein?

  • Buchcover: Was bildet ihr uns ein?

Eine Buchempfehlung zur Bildungsrevolution

„Was bildet ihr uns ein?“ fragen 32 junge Autorinnen und Autoren zwischen 19 und Anfang 30 im Titel ihres neu erschienen Buches. Damit fordern sie zu einer Bildungsrevolution in Deutschland auf. ausbildung.info sprach mit Bettina Malter, der Mitherausgeberin des Sammelbandes.

ausbildung.info: Bettina, warum ist es gerade für junge Leute interessant, euer Buch zu lesen?

Bettina: Junge Menschen sollen sich in dem Buch wieder finden. Mit ihren eigenen Bildungsbiographien und den vielen Hürden, die sie bisher nahmen. Vielleicht hat ihr Umfeld ihnen bislang suggeriert, dass ihre Probleme in der Schule, Ausbildung oder im Studium an ihnen selbst liegen. Dabei existieren die Hürden im Bildungssystem selbst. Das wird in der Öffentlichkeit oft nicht so dargestellt. Das Buch soll auch wachrütteln. Es ist wichtig, dass sich junge Menschen mit dem Thema Bildung auseinandersetzen. Denn die Politik behandelt Bildung immer noch als Stiefkind, sie vernachlässigt sie regelrecht. Jetzt müssen sich die zu Wort melden, die genau wissen, woran es hakt und was schief läuft – und das sind wir jungen Menschen selbst.

ausbildung.info: In dem Buch sagt ihr, dass das deutsche Bildungssystem im besten Fall „Profi-Hürdenläufer“ ausbildet. Was meint ihr genau damit und warum ist das nicht wünschenswert?

Bettina: Die Metapher soll verdeutlichen, dass Bildung in Deutschland der reinste Hürdenlauf ist. Nach dem Status Quo müssten alle Kinder Profi-Hürdenläufer werden, um in unserem Bildungssystem zu bestehen. Aber welche Jugendlichen wollen das überhaupt? Die beliebtesten Berufe sind Erzieher, Koch oder Mechatroniker. Wir schreiben in dem Buch, dass Schule aufhören muss, solch ein Hürdenlauf zu sein. Damit sich Jugendliche auf ihre Ziele konzentrieren können.

ausbildung.info: Ihr wollt keine Reförmchen mehr, sondern eine Revolution für das deutsche Bildungswesen. Welche drei Dinge müssten aus eurer Sicht am besten gleich heute noch geändert werden?

Bettina: Wir können da nicht drei Dinge herausstellen. Wir fordern ja die Bildungsrevolution, weil die Politik bislang immer nur an einzelnen Teilen des Bildungssystems rumschraubt. Und drei Dinge wären auch einzelne Stellschrauben. Wir wollen aber, dass Bildung in Deutschland grundlegend überdacht wird und ein neues Fundament gelegt wird. Und dazu braucht es mehr.

ausbildung.info: In einem Beitrag des Buches erfährt man, wie im öffentlichen Diskurs zentrale Begriff nur noch als Worthülsen von allen Beteiligten verwendet werden. Einer davon ist „Chancengleichheit“. Was bedeutet für euch echte Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem?

Bettina: Die soziale Herkunft eines Kindes darf keine Rolle mehr für den Bildungserfolg spielen. Das bedeutet echte Chancengleichheit. Jeder muss seinen Stärken nachgehen und sich frei entfalten können. Nur so kann jeder seine eigene Zukunft bestimmen und den Beruf wählen, den er machen will. Das muss unser Bildungssystem garantieren können.

ausbildung.info: Auf welche Schule würdest du deine Kinder schicken?

Bettina: Ich würde meine Kinder gern auf eine Schule wie die Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule in Göttingen schicken. Das ist eine Gesamtschule auf der es keine Noten gibt und Kinder bis zur 10. Klasse nicht nach Leistung getrennt sind. Diese Schule versteht sich als „Teamschule“. Solidarität und Verständnis füreinander sind Werte, die auch wichtig für das Aufwachsen von Kindern sind.

ausbildung.info: Mit dem Buch habt ihr jetzt den Startschuss gegeben. Wie geht die Bildungsrevolution weiter? Habt ihr weitere Ideen für das Projekt?

Bettina: Wir hoffen, dass sich viele junge Menschen angesprochen fühlen und sich uns anschließen - also Hoffnungstäter werden, wie wir uns nennen. Wir sind derzeit auf der Suche nach jungen Menschen, denen das Thema Bildung ebenfalls wichtig ist und die für den Blog wasbildetihrunsein.de schreiben. Es wäre schön, wenn unser Blog als Sprachrohr der jungen Generation auf die derzeitigen Missstände im Bildungssystem aufmerksam macht. Und das sowohl durch persönliche Erfahrungsberichte als auch durch gute Analysen.

Die Fragen stellte Aletta Diefenbach für ausbildung.info.