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10.05.2012

Viele Betriebe nicht ausbildungsreif

  • Ein Auszubildender in der Küche einer Gastronomie

Hohe Abbrecherquoten, geringe Vergütung, schlechte Prüfungsergebnisse

Am Mittwoch , den 9. Mai 2012 beschloss die Bundesregierung den Berufsbildungsbericht. Die Spitzenverbände der Wirtschaft klagen bezüglich der aktuellen Zahlen über einen vermeintlichen Fachkräftemangel. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat dazu eine Expertise verfasst: Es gebe mehr als genug ausbildungswillige junge Menschen, doch viele Betriebe seien einfach nicht ausbildungsreif.

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt hat sich 2011 aufgrund der demographischen Entwicklung etwas entspannt. Fast 30.000 Stellen konnten angeblich nicht besetzt werden. Doch für zehntausende Jugendliche bleibt sie problematisch. „Denn noch immer waren zum Abschluss des Berufsbildungsjahres 2011 wesentlich mehr Ausbildungsstellenbewerber (insgesamt 76.700) auf Lehrstellensuche als Lehrstellen (29.689) noch zu besetzen waren“, heißt es in einer Expertise des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Rein rechnerisch hätte somit jede der noch offenen Stellen mehr als zweimal besetzt werden können.

Die DGB-Experten Matthias Anbuhl und Thomas Gießler haben die Ausbildungsberufe mit einem hohen Anteil unbesetzter Plätze untersucht. Das Ergebnis: In diesen Berufen gibt es hohe Abbrecherquoten, geringe Ausbildungsvergütungen sowie hohe Misserfolgsquoten bei den Prüfungen. Außerdem schneiden die Berufe in der Bewertung der Auszubildenden (Ausbildungsreport 2011 der DGB-Jugend) schlecht ab. Kurzum: Viele Betriebe in diesen Bereichen sind nicht ausbildungsreif. Sie müssen deshalb ihre Ausbildung besser und attraktiver gestalten.

Mängel gibt es zum einen bei den Ausbildungsvergütungen, zum anderen bei der Qualität der Ausbildung. Gleichzeitig wird von Jugendlichen heute Mobilität und Flexibilität in der Ausbildung gefordert. Vor allem die regionalen Ungleichgewichte9 auf dem Ausbildungsmarkt machen mitunter einen Umzug unumgänglich. Ohne eine faire Ausbildungsvergütung ist aber zum Beispiel ein Wechsel in eine andere Stadt kaum möglich, weil Miete und Lebenshaltungskosten von der Vergütung nicht bezahlt werden können. Wenn Betriebe und ganze Branchen Probleme mit der Besetzung von Ausbildungsplätzen haben, müssen sie gerade im eigenen Interesse der Fachkräftesicherung eine angemessene Vergütung bezahlen.

Zur DGB-Expertise "Hohe Abbrecherquoten, geringe Vergütung, schlechte Prüfungsergebnisse - Viele Betriebe sind nicht ausbildungsreif"

Statement der DGB-Jugend zum Berufsbildungsbericht 2012