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18.06.2012

Plagiate in der Wissenschaft

  • Füllfederhalter mit blauem Tintentropfen auf einem Blatt Papier

Eine Orientierung für Studierende

Fleißige Prüfer_innen decken immer weitere Plagiate in den wissenschaftlichen Qualifikationsarbeiten von Politiker_innen auf. Alle wissen: Abschreiben ohne Quellenangabe ist verboten. Aber sind die Grenzen zwischen Plagiat und Original immer so einfach zu ziehen?

Bei Annette Schawan, unserer Bundesministerin für Bildung und Forschung, sind sich die Experten_innen noch unsicher, ob sie ihren Doktortitel abgeben soll. Bei anderen war der Fall schon klarer: Ob Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor von Guttenberg oder die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin – reihenweise findet im Internet ein anonymer Schwarm aus fleißigen Plagiatsjäger_innen Plagiate in den Dissertationen von Spitzenpolitiker_innen. Die Liste der Angeklagten wird immer länger.

Plagiate grasieren unter Studierenden
Plagiieren ist kein Kavaliersdelikt und kostet nicht nur den Doktortitel, sondern auch die Karriere. Spitzenpolitiker_innen sind aber in der Tat nur die Spitze des Eisbergs. Denn unter Studierenen sieht es nicht besser aus. Laut einer Studie der Universität Leipzig hat fast jeder vierte Studierende schon einmal für eine wissenschaftliche Arbeit falsch zitiert und bewusst fremde Textpassagen übernommen. Die steigenden Plagiatsfälle an der Universität haben viele Gründe. In Zeiten der Digitalisierung des Wortes ist die Verlockung groß: Einfach „copy and paste“ und schon ist eine Hausarbeit geschrieben. Seit Bologna kämpfen Bachelor- und Masterstudierende auch gegen einen strafferen Zeitplan an. Wenn dann noch jede Note zählt, schmücken sich viele gern einmal mit den Gedanken anderer.

Welcher Umgang mit Quellen?
Richtiges Zitieren ist fester Bestandteil von Einführungsseminaren in den ersten Semestern, unabhängig der Disziplin. Dennoch gibt es in der Tat viele Fallstricken auf dem Weg zu einer korrekt verfassten, wissenschaftlichen Arbeit. Auch unter Fachleuten ist gar nicht so klar, was genau ein Plagiat in der Wissenschaft ist. Nur wortwörtliches Abschreiben oder die Aneignungs fremden Gedankengutes? Macht es einen Unterschied, ob es bewusst oder unbewusst passiert? Was ist überhaupt zitierfähig? Nur das ehrwürdige Bibliotheksbuch oder auch der Blogeintrag im Internet?
Die Antworten darauf liegen in einer Grauzone, die Universitäten, Akademien und Forschungseinrichtungen seit den öffentlichen Debatten um Plagiatsvorwürfe verstärkt reflektieren müssen.

Studierende sollten aber wissen: Gedanken von anderen zu übernehmen ist das Tagesgeschäft in der Wissenschaft und beim Schreiben einer Hausarbeit ist das auch überhaupt nicht verwerflich. Studierende müssen beweisen, dass sie mit Gedanken und Argumenten, Quellen und Texten richtig umgehen können. Nur in ihren Sternstunden bedeutet Wissenschaft in der Tat auch ein Erkenntnisfortschritt.

 

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Linksammlung zum Thema Plagiat:

Mitmachen erlaubt - werde selbst Plagiatsjäger_in:
PlagiPedi Wiki
VroniPlag Wiki 
Initative Transparente Wissenschaft

Rechtsanwälte beraten: „Texte richtig zitieren, statt plagiieren
Fremde Federn finden: Ein Onlinekurs über Plagiat

Portal Plagiat

Fotostrecke zu Plagiator/-innen aus dem öffentlichen Leben