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05.07.2013

Perspektiven? Nur mit guter Beschäftigung!

  • Zwei Frauen mit Demo-Plakaten für gute Arbeitsbedingungen

Index Gute Arbeit des DGB

Nach dem neu veröffentlichen Index Gute Arbeit des DGB ergeben sich fatale Ergebnisse für die Jugend: Rund 50 Prozent der jungen Beschäftigten unter 26 bezweifeln, dass sie ihre Arbeit unter den derzeitigen Anforderungen bis zur gesetzlichen Rente ausüben können. Das sagt viel aus über die Arbeitsbedingungen, die junge Menschen beim Berufsstart vorfinden. Ein Umsteuern ist gefragt: In vielen Branchen herrscht schon jetzt großer Personalmangel.

Der Index Gute Arbeit des Deutschen Gewerkschaftsbundes wird seit 2007 jährlich bundesweit erhoben. Er dient als Maßstab und Indikator für die Qualität von Arbeitsbedingungen. Die Auswertung verdeutlicht den direkten Zusammenhang zwischen dem Motto der Studie "Arbeitsfähig bis zur Rente" und der vorherrschenden Arbeitsbelastung.

Gerade Beschäftigte, deren Arbeitgeber eine ständige Erreichbarkeit einfordern oder deren Arbeitszeiten immer weiter ausgedehnt werden, klagen über die hohe Arbeitsbelastung. Je systematischer oder regelmäßiger Arbeitszeiten von 45 Stunden pro Woche und mehr zu leisten sind, desto weniger können sich diese Menschen vorstellen, damit bis 67 durchzuhalten.

Arbeiten bis zur Rente – für viele unvorstellbar
Dies zeigt sich auch deutlich in der Branchenaufschlüsselung. Unter den aktuellen Bedingungen können sich 42 Prozent der Beschäftigten im Handel keinen Verbleib im Betrieb bis zur Rente vorstellen. Dasselbe gilt für 63 Prozent der Beschäftigten im Sozialwesen und für 56 Prozent im Gesundheitswesen.

Die Zahlen bilden nur den allgemeinen Trend der Arbeitgeberseite ab, Strategien für höhere wirtschaftliche Effizienz einzusetzen. Gerade am Personal wird zunehmend gespart. Doch die Arbeit wird nicht weniger – und muss durch die verbliebenen Kolleginnen und Kollegen bewältigt werden. Das bedeutet eine starke Arbeitsverdichtung und systematische Mehrarbeit für all jene, die im Betrieb bleiben.

Auszubildende sind die Leidtragenden
Leider bekommen diesen Trend auch immer mehr Auszubildende zu spüren. Sie sollten eigentlich nur zum Zweck ihrer Berufsausbildung im Betrieb angestellt sein. Doch mittlerweile werden sie systematisch ausgenutzt, um Personalengpässe auszugleichen: Im Prinzip werden sie oft wie Vollkräfte eingesetzt. Darunter leidet nicht nur die Qualität der Arbeit insgesamt, sondern auch ganz massiv die Ausbildungsqualität.

Was bei der Studie auch herauskommt: Die Art der Belastungen ist je nach Einkommensgruppe unterschiedlich. Bei Beschäftigten mit niedrigeren Einkommen leidet die Arbeitsqualität unter geringeren Gestaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten und hohen körperlichen Anforderungen. Bei höheren Einkommen machen vor allem emotionale Anforderungen und große Arbeitsintensität die Belastung aus.

Fazit: Es überwiegt die Zahl der Menschen, für die Arbeiten bis zur Rente nicht vorstellbar ist. Das verweist auch auf ein gesellschaftliches Problem: Schließlich sind ja alle weiterhin darauf angewiesen, dass sich genügend Menschen z.B. für eine Tätigkeit im Gesundheitswesen entscheiden.

In diesem Sinne formuliert der Index Gute Arbeit des DGB noch einmal sehr deutlich Handlungsnotwendigkeiten für die Politik. Daneben sieht die Studie klar die wichtige Rolle einer starken betrieblichen Mitbestimmung und Interessenvertretung – gemeinsam mit Gewerkschaften –, um gute Arbeit effektiv durchzusetzen.

Hier geht es zum kostenlosen Download des aktuellen Index Gute Arbeit.