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25.06.2012

Generation Chancenlos

  • Junge Schülerin schreibt an die Tafel

Ergebnisse des vierten Bildungsberichts 2012

Der Bildungsbericht 2012 legt erneut schonungslos offen: Auch wenn das Bildungsniveau insgesamt steigt, schafft das deutsche Bildungswesen einen Sockel aus Verlierer_innen. Jede_r fünfte Schüler_in bekommt kaum eine echte Chance im System.

Das Bildunsniveau in Deutschland steigt. Fast jede_r Zweite macht eine Hochschulreife, immer mehr junge Menschen studieren. Der Ausbildungsmarkt entspannt sich und das Bildungssystem ist in den vergangenen zwei Jahren durchlässiger geworden. Das sind die guten Nachrichten aus dem am vergangenen Freitag vorgestellten Bildungsbericht von Bund und Länder.

Bildungsverlierer_innen
Doch den erfreulichen Entwicklungen stehen Zahlen entgegen, die Angela Merkels ausgerufene Bildungsrepublik sehr klein machen. Erneut zeigt der Bericht auf, dass die soziale Herkunft der Eltern wesentlich den Bildungserfolg eines Kindes bestimmt. Während 77 von 100 Kindern von Eltern mit Hochschulabschluss studieren, gehen nur 13 von 100 Kindern von Eltern mit Hauptschulabschluss diesen Bildungsweg.

Besonders besorgniserregend ist auch ein Kern aus 15 bis 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland, die zu einem Sockel von Bildungsverlierer_innen gehören. Sie sind funktionale Analphabeten - können also lesen, aber nicht den Text verstehen. Sie brechen die Schule oder Ausbildung ab und bleiben erfolgreichen Weiterbildungen fern.

Auch die Zahl der Förderschüler_innen steigt weiterhin. Ein Trend, den sich die Forschergruppe nur damit erklären kann, „dass die Förderschulen ein Interesse an ihrem Fortbestand haben.“ „Wie lange wissen wir jetzt schon, dass junge Menschen hierzulande in unzähligen institutionellen Warteschleifen wie den Förderschulen oder berufsvorbereitenden Maßnahmen verschwinden und dennoch nicht den Absprung schaffen?“, fragt Ringo Bischoff, Bundesjugendsekretär der ver.di Jugend und ergänzt: „Wir müssen diese Zahlen endlich ernst nehmen und die Spaltung in Gewinner und Verlierer aufhalten. Der Schlüssel zu einem unabhängigen Erwerbsleben liegt heute in der Fähigkeit, sich weiterbilden zu können. Unser Bildungswesen muss es schaffen, diese Fähigkeiten jeder Schülerin und jedem Schüler mitzugeben.“

Streit um Bildungsbericht
Nicht nur die ver.di Jugend bemängelt die ausbleibenden Anstrengungen seitens der Politik. Der Bildungsbericht hat erneut einen Streit um die richtige Bildungspolitik für Bund und Länder ausgelöst. Besonders umstritten ist in diesem Zusammenhang auch weiterhin das von der Regierung auf den Weg gebrachte Betreuungsgeld für Eltern, die ihre unter Dreijährigen nicht in eine Kita schicken wollen. Sowohl hochrangige Forscher_innen des Berichts als auch die Opposition sehen mit diesem für 2013 geplanten Elternzuschuss eine soziale Spaltung in die frühkindliche Förderung und lehnen daher das Betreuungsgeld ab.

Mit „Bildung in Deutschland 2012" wurde der vierte Bericht einer unabhängigen Gruppe von Wissenschaftler_innen vorgelegt. Mit diesem von der Kultusministerkonferenz (KMK) und dem Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Bericht wird das deutsche Bildungswesens alle zwei Jahre umfassend evaluiert.

Hier geht’s zum Bildungsbericht.