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14.06.2013

Familie und Beruf

  • Schatten einer jungen Familie an einer Hauswand

Lebenslauforientierte Arbeitszeiten sind wichtig

Die Gesellschaft verändert sich, es gibt immer mehr ältere Menschen. Und junge Familien stehen vor der Herausforderung, Arbeit und Kinderbetreuung bzw. Familienleben unter einen Hut zu bringen – auch weil heutzutage mehr Frauen berufstätig sind als früher. Familienfreundliche Tarifregelungen müssen diese Dinge berücksichtigen, die gesamte Dauer eines Arbeitslebens im Blick haben und Räume für Familie, Weiterbildung oder andere Bedürfnisse schaffen.

Für junge Eltern wird das Zeitthema besonders akut, da neben dem Beruf noch die Kinderbetreuung als Verpflichtung hinzukommt. Das erfordert eine komplette Neustrukturierung der Lebensführung – meist vor allem immer noch für die Frauen. Verschiedene Studien zeigen, dass Eltern zwar nicht zufrieden sind mit der geringeren Freizeit und der knapperen Zeit für Partnerschaft und soziale Kontakte, sie jedoch insgesamt glücklicher mit ihrem Leben sind als Kinderlose.

Die Lebenszufriedenheit von Eltern hängt natürlich auch von Einkommens- und Erwerbssituation ab. Kinder verursachen hohe Kosten – insbesondere für einkommensschwache Haushalte ist das belastend. Vor allem die mit der Familiengründung einhergehenden finanziellen sowie sozialen Belastungen tragen zur Unzufriedenheit bei. Kein Wunder, dass vor allem Eltern in den mittleren und höheren Einkommenslagen eine vergleichsweise hohe Lebenszufriedenheit haben.

Mütter stärker betroffen als Väter
6,8 Mio. Schulkinder im Alter von sechs bis 15 Jahren leben in Deutschland und es gibt rund 4,5 Mio. Familien mit Kindern in diesem Alter. Von den nahezu 20 Prozent der Ein­-Eltern­-Familien besteht der überwiegende Teil aus alleinerziehenden Müttern und ihren Kindern.

Ohnehin ist es meist besonders für Mütter schwerer als für Väter, die verschiedenen Verpflichtungen zu koordinieren. Denn Mütter erledigen neben der Erwerbstätigkeit oftmals noch den Großteil der Haus- und Familienarbeit. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist somit oft leider immer noch vor allem ein Frauenthema.

In dieser Situation sind Ganztagsschulen für Eltern wie für Kinder eine gewinnbringende Möglichkeit. Denn sie verbessern die Vereinbarkeitssituation und bieten verlässliche Betreuung. Doch die Qualität ist wichtig: Positive Effekte für die Kinder entstehen vor allem dann, wenn die Angebote qualitativ hochwertig sind und die Teilnahme daran dauerhaft und regelmäßig erfolgt.

Familienfreundlichkeit durch entsprechende Tarifverträge
Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge können zu familienfreundlichen Arbeitsbedingungen beitragen. Das Potenzial ist hierbei jedoch längst noch nicht ausgeschöpft, wie eine Analyse des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) zeigt.

Familienfreundliche Arbeitsplätze werden immer wichtiger. Gründe: Immer mehr Frauen wollen sich auch mit Kind beruflich verwirklichen und sich ein Stück ökonomische Unabhängigkeit bewahren, die stärkere Einbindung von Vätern in die Kinderbetreuung und die wachsende Zahl pflegebedürftiger Angehöriger. Es ist bekannt, dass tarifgebundene Betriebe mit starken Personal- bzw. Betriebsräten häufiger eine familienfreundlichere Personalpolitik betreiben als Betriebe ohne Interessenvertretungen oder Tarifvertrag.

Das WSI stellt jedoch fest, "dass Familienfreundlichkeit in den letzten Jahren trotz einzelner neuer und teilweise innovativer Regelungen weder auf der tariflichen noch auf der betrieblichen Ebene ein Schwerpunkt der Regulierungsbemühungen gewesen ist". Es gibt also noch viel zu tun.

Lebenslauforientierte Arbeitszeitgestaltung
Wechsel von Vollzeit auf Teilzeit, Sabbaticals, Wechsel innerhalb von Schichten – eine solche Arbeitszeitgestaltung ermöglicht es Erwerbstätigen, sich neben dem Beruf beispielsweise um ihre Familie zu kümmern. Doch während europaweit in jedem zweiten Betrieb Maßnahmen einer lebenslauforientierten Arbeitszeitgestaltung normal sind, befindet sich Deutschland im EU-Vergleich weit hinten – nur noch vor Slowenien, Griechenland und Ungarn. Deutsche Arbeitszeiten sind also recht starr. Auch hier muss familienfreundliche Abhilfe geschaffen werden.

Dynamische Arbeitszeiten sind im Interesse der Beschäftigten. Längere Zeitblöcke sind wichtig, die von den Beschäftigten zur eigenen Verfügung genutzt werden können. Damit Eltern sich um ihren Nachwuchs kümmern können, aber auch um ihre allgemeine Work-Life-Balance. Langzeitkonten sind Schritte in die richtige Richtung einer lebenslauforientierten Arbeitszeitgestaltung.

Weitere geeignete Maßnahmen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Mitte des Erwerbslebens: temporäre Freistellungen bzw. Arbeitszeitreduzierungen – oder individuelle Wechsel zwischen Vollzeit und Teilzeit.

Da die staatliche Förderung von Altersteilzeit weggefallen ist, hat ver.di tarifliche Rahmenregelungen vorgeschlagen, die auf der betrieblichen Ebene in entsprechenden Vereinbarungen konkretisiert werden müssen. Denn erwerbstätige Eltern dürfen keine Nachteile erfahren.

Lebenslaufbezogene Tarifverträge sollen einen nachhaltigen Umgang mit Arbeitszeit ermöglichen, kontinuierlich Freiräume schaffen und einen gesunden Eintritt in den Ruhestand ermöglichen. Ebenso dürfen sie kein Mittel des Arbeitsplatzabbaus sein, sondern müssen vielmehr eine Übernahme nach der Ausbildung ermöglichen. Maßnahmen des Gesundheitsschutzes können mit biografieorientierter Tarifarbeit einhergehen.

Grundlage aller Vereinbarungen muss das Prinzip der Freiwilligkeit sein. Beschäftigte dürfen nicht gezwungen werden, z. B. Zeit oder Geld auf ein Zeitwertkonto einzuzahlen, wenn sie nicht selber den Mehrwert für sich darin erkennen. Auch die Verfügbarkeit der angesparten „Freizeit“ darf nicht außer Acht gelassen werden und bedarf klarer Regelungen.

Weiterführende Links:
http://www.boeckler.de/43185_43202.htm
http://familie.dgb.de/arbeitszeiten/lebenslauforientierte-arbeitszeiten