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26.07.2012

DGB-Index Junge Beschäftigte 2012

  • Grafik zur Beurteilung der psychischen Belastungen

Ein Recht auf gute Arbeit!

Viele Überstunden, schlechte Bezahlung, unsichere Beschäftigung, steigender Arbeitsdruck – viele junge Beschäftigte unter 35 leiden unter den Belastungen der heutigen Arbeitswelt. Zu diesem Ergebnis kommt die repräsentative Sonderauswertung des Deutschen Gewerkschaftsbundes "Index Gute Arbeit" zur Situation der jungen Beschäftigten.

„Die Rede von der Fachkräftesicherung verliert angesichts dieser Ergebnisse ihre Glaubwürdigkeit. Jungen Beschäftigten wird der Berufseinstieg weiterhin schwer gemacht", kommentierte Ringo Bischoff, ver.di-Bundesjugendsekretär, die Ergebnisse der repräsentativen Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit zur Situation der jungen Beschäftigten unter 35. Viele junge Beschäftigte seien gemäß der Studie einem erheblichen Druck ausgesetzt mit den entsprechenden Folgen für ihre Gesundheit. Gefragt wurde in der Studie unter anderem nach der Einkommenssituation und den Arbeitszeiten, der Arbeitsintensität und den psychischen wie physischen Belastungen.

Unzufriedenheit mit dem Einkommen
Viele junge Beschäftigte sind mit ihrer Einkommenssituation unzufrieden. 47 Prozent, also fast die Hälfte, beurteilt sie als negativ, das gilt vor allem für die prekär Beschäftigten. Fast jede_r Vierte bezieht ein niedriges Einkommen unter 1.500 Euro im Monat, jede_r Sechste gar unter 800 Euro. Lediglich die Hälfte der Befragten ist unbefristet beschäftigt und verdient mehr als 1.500 Euro im Monat, etwa ein Drittel (37 Prozent) mehr als 2.000 Euro. Ingrid Sehrbrock, stellvertretende DGB-Vorsitzende, forderte deshalb bei der Vorstellung der Sonderauswertung in Berlin Tariflöhne und den gesetzlichen Mindestlohn. „Tariflöhne sind auch für junge Beschäftigte immer noch die beste Lösung. Sie bleiben das wirkungsvollste Instrument, um Dumpinglöhne und Ausbeutung zu verhindern. Darüber hinaus brauchen wir endlich den gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro."

Kaum Planungssicherheit
Von Planungssicherheit kann bei vielen der Befragten keine Rede sein. Etwa ein Fünftel (21 Prozent) ist befristet beschäftigt, jede_r Zehnte arbeitet in der Leiharbeit (vier Prozent) oder als Minijobber_in (sieben Prozent). Die Ausbreitung der Minijobs ist vor allem ein Problem für junge Frauen: Jede Zehnte hat einen Minijob, bei den Männern sind es vier Prozent. „Gerade prekär Beschäftigte haben mangels verlässlicher Perspektiven in einer wichtigen Lebensphase keine Wahl, in der wichtige persönliche Entscheidungen anstehen, zum Beispiel Familiengründung oder Altersvorsorge", sagte Ingrid Sehrbrock.

Gehetzt und gestresst
Die Beschleunigung und Intensivierung der Arbeit hinterlässt auch bei den jungen Beschäftigten Spuren. Gut jede_r zweite junge Beschäftigte (56 Prozent) hat den Eindruck, dass in den letzten Jahren immer mehr in der gleichen Zeit geschafft werden muss. Besonders Frauen machen diese Erfahrung, hier sind es 61 Prozent gegenüber 52 Prozent bei den Männern. Ringo Bischoff, ver.di-Bundesjugendsekretär, warnte: „Wir müssen diese Tatsachen ernst nehmen. Anhaltende Überlastungen im Arbeitsalltag schlagen auch schon bei jungen Beschäftigten in chronische Erschöpfungszustände um. Burnout als neue Volkskrankheit schließt leider junge Beschäftigte nicht mehr aus."

Viele Überstunden
Dazu tragen auch viele Überstunden bei. Sie sind für viele junge Beschäftigte nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Mehr als zwei Drittel der Befragten (70 Prozent) gaben an, regelmäßig Überstunden zu leisten. 41 Prozent leisten mehr als fünf Überstunden die Woche, für jede_n Fünften (19 Prozent) sind es sogar regelmäßig mehr als zehn Stunden.

Arbeit und Freizeit verschwimmen
Der Trend, seine Arbeit mental mit nach Hause zu nehmen, ist auch bei den jungen Beschäftigten zu beobachten. Etwa jede_r Dritte (34 Prozent) gibt an, auch zu Hause an Schwierigkeiten bei der Arbeit denken zu müssen. Mehr als ein Viertel der Beschäftigten (28 Prozent) fällt es schwer, nach der Arbeit abzuschalten. Für 16 Prozent der Befragten gilt dies sogar im Urlaub. Und jede_r Siebte (14 Prozent) erledigt "sehr häufig" oder "oft" in der Freizeit Aufgaben für den Betrieb.

Krank zur Arbeit
Viele Beschäftigte gehen zur Arbeit, obwohl sie aus gesundheitlichen Gründen zu Hause bleiben müssten. Insgesamt gaben 70 Prozent der Befragten an, dass sie in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal krank zu Arbeit gegangen sind, jede_r Zweite (48 Prozent) hat dies sogar zwei oder mehrere Male getan.

Nachhaltiges Gesundheitsmanagement am Arbeitsplatz
Die ver.di Jugend fordert mehr Beratung, Information und ein durchdachtes Gesundheitsmanagement in den Betrieben. Die Unternehmen sollten hierfür auf die Kompetenz der Betriebs- und Personalräte zurückgreifen, die die Belastungen ihrer Kolleginnen und Kollegen sehr gut kennen. Die ver.di Jugend will angesichts dieser Ergebnisse in ihrer betrieblichen Arbeit deshalb die Unternehmen noch stärker in die Pflicht nehmen.

Bei den Themen Gesundheitsschutz und Arbeitszeit genauso wie beim Thema Übernahme. „Für uns steht fest: Junge Menschen brauchen zum Berufseinstieg eine klare Perspektive. Ausbildung und Übernahme gehören für uns deshalb zusammen“, so die Forderung des ver.di-Bundesjugendsekretärs.

Der DGB hat zum vierten Mal eine repräsentative Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit zur Situation der jungen Beschäftigten unter 35 vorgenommen. Das Umfragezentrum Bonn (uzbonn) hat im Auftrag des DGB insgesamt 6.083 abhängig Beschäftigte aus allen Branchen, Regionen und Betriebsgrößen zu ihren Arbeitsbedingungen befragt, davon waren 1.238 unter 35 Jahre alt. Fachlich begleitet wurde die Studie vom Internationalen Institut für Empirische Sozialökonomie (INIFES).