News

03.01.2013

Der Deutsche Qualifikationsrahmen

  • Schülerinnen und Schüler am PC

Bewertung und Vergleichbarkeit deutscher Qualifikationen in Europa

Mit dem Deutschen Qualifikationsrahmen wird ein umfassendes, bildungsbereichsübergreifendes Profil der in Deutschland erworbenen Kompetenzen vorgelegt. Als nationale Umsetzung des Europäischen Qualifikationsrahmens für lebenslanges Lernen soll er die Besonderheiten des deutschen Bildungssystems berücksichtigen – und zur angemessenen Bewertung und Vergleichbarkeit deutscher Qualifikationen in Europa beitragen.

Im Oktober 2006 hatten sich das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Kultusministerkonferenz darauf verständigt, gemeinsam einen Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) für lebenslanges Lernen zu entwickeln und die relevanten Akteure und Akteurinnen an diesem Prozess zu beteiligen. Daneben wurde auch beschlossen, eine breite Fachöffentlichkeit in die Diskussion einzubeziehen.

Mehr Entwicklungspotential für Angestellte
Nach einer langen Ruhepause ist der DQR jetzt wieder verstärkt in den Fokus gerückt. Der Qualifikationsrahmen geht in die heiße Verhandlungsphase und wird nun Thema für alle Beschäftigten.

DQR-Angaben, die ab 2013 auf allen Zeugnissen stehen sollen, bewerten Bildungsabschlüsse in acht Stufen. Das soll die jeweilige Qualifikationsstufe gegenüber potentiellen Arbeitgebern besser widerspiegeln und dadurch Angestellte innerhalb der EU mobiler machen.

DGB-Vize Ingrid Sehrbrock sieht im DQR bessere berufliche Entwicklungsmöglichkeiten für Beschäftigte. Nach den jüngsten Beschlüssen erhalten beispielsweise Meistertitel im Handwerk und Bachelor jeweils die sechste Stufe. Wie auch in einigen anderen Bereichen stellt hier der DQR also berufliche und akademische Ausbildung auf dieselbe Ebene.

Zusätzlich entspricht nun die berufliche Erstausbildung bei zweijährigen Berufen der Stufe drei und bei drei- und dreieinhalbjährigen Berufen der Stufe vier. „Dieses Ergebnis stärkt das deutsche System der beruflichen Bildung“, kommentiert Sehrbrock das Verhandlungsergebnis, "es ist jetzt möglich, die höchste Stufe zu erreichen, ohne die Hochschule auch nur einen Tag lang von innen gesehen zu haben."

Konfliktpotentiale: Abitur und Stufe sieben
Andreas Schackert vom DGB-Jugend-Projekt "Students at work" sieht die Nicht-Aufnahme des Abiturs in den DQR kritisch: "Der Streit ums Abitur hat die Einigung viel zu lange hinausgezögert. Dass es nun nicht in den DQR aufgenommen wurde, ist eine verpasste Chance.“ Als positiver Schritt zur besseren Vergleichbarkeit von Qualifikationen in Europa wurden jedoch nun immerhin Meister und Bachelor gleichgestellt.

Ebenfalls diskutiert wurde über den im September 2012 beschlossenen Leitfaden für die Zuordnung einzelner Qualifikationsprofile und über die darin enthaltene Stufe sieben. Der zuständige Arbeitskreis DQR umfasst neben Bund und Ländern auch Arbeitgeber, Gewerkschaften und Hochschulen und hatte bisher einheitlich auch berufliche Fortbildungsprofile auf Niveau sieben einsortiert. Die Hochschulrektorenkonferenz hatte diese Bewertung zwischenzeitlich angezweifelt, doch letztlich wurden sich die Parteien doch noch einig.

Hermann Nehls, Grundsatzreferent für berufliche Bildung beim DGB-Bundesvorstand, stimmt diese Einigung zuversichtlich: „Damit ist klar, dass mehr beruflich Qualifizierte den Stufen fünf bis sieben zugeordnet werden können. Wie das geschehen soll und vor allen Dingen nach welchen Kriterien – darüber gibt es noch Gespräche. Aber ich sehe gute Chancen, dass wir auch die Hochschulen von der Qualität der Betriebswirte und Betriebswirtinnen, Berufspädagogen und Berufspädagoginnen überzeugen können.“

Nehls weist in dem Zusammenhang auf ein aktuelles Gutachten des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hin, dass die Bedeutung der Fortbildungsprofile für Betriebswirtschaftler_innen hervorgehoben hat: „Diese Studie ist sehr hilfreich, um die besondere Qualität der Aufstiegsfortbildung auch auf Niveau sieben zu begründen.“

Gewerkschaften gestalten mit
Ein weiterer wichtiger Punkt sind so genannte non-formale und informelle Kompetenzen, die außerhalb von Bildungs- oder Berufsbildungseinrichtungen erworben wurden. Bei diesen Qualifikationen, beispielsweise durch Praxiserfahrung oder Privatkurse angeeignet, macht die Europäische Union jetzt Druck. Nach einer Empfehlung der EU-Kommission sollen ab 2015 alle Bürgerinnen und Bürger das Recht auf Anerkennung solcher Fähigkeiten erhalten. Dazu ist nun auf Bundesebene eine Expertengruppe im Einsatz, bei der auch Gewerkschaften beteiligt sind. „Dieses Thema wird die Bildungspolitik der Bundesrepublik in naher Zukunft erheblich beeinflussen“, prognostiziert Nehls.

Und auch bei der weiteren Entwicklung des DQR zeigen sich die Gewerkschaften engagiert. Denn es ist unklar, welche Dynamik der Deutsche Qualifikationsrahmen auslösen wird. Wird er die Durchlässigkeit zwischen den Bildungsbereichen fördern? Wird die Gleichwertigkeit zwischen allgemeiner, hochschulischer und beruflicher Bildung gestärkt? Diese Themen sind für Beschäftigte von großer Bedeutung. Deshalb müssen sich Gewerkschaften in den Prozess einmischen und gestalten schon heute mit – für gute Zukunftsperspektiven in Deutschland und Europa.

Weiterführende Informationen zum Thema liefern die Webseiten des DQR und des Bundesinstituts für Berufsbildung.