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17.07.2012

Bundesfreiwilligendienst

  • Junge Frau betreut ein Kind

Eine kritische Bilanz

Seit der Einführung des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) vor gut einem Jahr ist das Interesse ungehalten groß. Die ver.di Jugend sieht den BFD weiterhin kritisch. Freiwilligendienste dürfen nicht in Konkurrenz mit regulärer Beschäftigung stehen.

Vor einem guten Jahr wurde der Wehrdienst abgeschafft und mit ihm der Zivildienst. Um die personelle Lücke in den Sozialverbänden und gemeinnützigen Einrichtungen zu schließen, führte die Bundesregierung kurzerhand den „Bundesfreiwilligendienst“ ein. 35.000 Stellen förderte der Bund durch Zuschüsse seitdem. Doch die Nachfrage ist weit größer als das Angebot. Sozialverbände klagen darüber, dass sie doppelt so viele Freiwillige einstellen können, wenn die Bundesregierung die Fördergelder aufstocken würde.

Auch wenn das erst einmal nicht passieren wird, so gilt der Bundesfreiwilligendienst als voller Erfolg. Niemand hätte erwartet, dass sich so viele Menschen für diesen Dienst interessieren.

Die neuen „Bufdis“ – Ehrenamt in Vollzeit?
„Bufdis“ als recht unglückliche Wortkreation nennt man vielerorts die neuen Bundesfreiwilligendienstler_innen. Praktisch alle sollen die Möglichkeit haben, ein BFD zu leisten. Allein die Vollschulzeitpflicht muss erfüllt sein. Der Dienst kann zwischen 6 und 24 Monaten geleistet werden, die Regel ist ein Jahr. Der BFD ist grundsätzlich vergleichbar mit einer Vollzeitbeschäftigung. Sofern die Freiwilligen älter als 27 Jahre sind, ist auch ein BFD in Teilzeit von mindestens 20 Wochenstunden möglich. Maximal 336 Euro bekommen Bufdis, manchmal auch die Unterkunft und Verpflegung gestellt. Den Dienst können Freiwillige im sozialen, ökologischen, kulturellen oder sportlichen Bereich und in der Integrationsarbeit leisten.

Quer durch alle Schichten
Menschen mit Behinderung betreuen, Kindern Fußball beibringen, einen Wald aufforsten - das machen jetzt nicht mehr nur junge Männer wie beim Zivildienst. Auch wenn das Interesse weiterhin unter jungen Menschen am größten ist, drängen auch Hausfrauen, Arbeitslose, Rentner_innen und Hartz-IV-Empfänger_innen in den BFD. Während in Westdeutschland laut Zeit.Online 80 Prozent jünger als 27 Jahre alt ist, sind in Ostdeutschland 70 Prozent älter.

Reguläre Beschäftigung statt Freiwilligendienst
„Wir wollen das aufrichtige Interesse an dem Bundesfreiwilligendienst nicht in Abrede gestellt“, sagt Ringo Bischoff, ver.di-Bundesjugendsekretär, „dennoch bleiben wir dem Dienst gegenüber kritisch. Die Schaffung eines solchen Dienstverhältnisses mit geringer Bezahlung und verminderten Arbeitnehmerrechten verschärft die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt und verhindert reguläre Beschäftigungsverhältnisse.“

Man müsse schon ganz genau hinsehen, wo Gemeinnützigkeit aufhöre und unlauterer Wettbewerb anfange, meinte Bischoff weiter. Wenn der Freiwilligendienst sozialversicherungspflichtige, tarifvertraglich geregelte Beschäftigung ersetzte, handele es sich mehr um Lohndumping als um ein gelungenes engagementpolitisches Projekt.

Das gilt gerade für junge Menschen, deren Berufseinstieg ohnehin schwierig verläuft. Jeder Dritte unter 35 Jahren ist mittlerweile prekär beschäftigt. Einen Freiwilligendienst sollten junge Menschen nicht aus Alternativlosigkeit auf dem Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt antreten. Ohnehin bestehen bereits für das freiwillige Engagement junger Menschen mit dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ), dem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) und den freiwilligen Auslandsdiensten genügend Möglichkeiten zur Verfügung.