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26.03.2013

Ausbildungsreport Pflegeberufe 2012 (2)

  • Pflegerin hilft älterer Dame die Treppe hinunter

Unzureichende Praxisanleitung und belastende Arbeitsbedingungen

Der jüngst von ver.di veröffentlichte Ausbildungsreport Pflegeberufe 2012 offenbart: Die Ausbildungsqualität bedarf dringender Verbesserung. Kostendruck, Personalabbau, hohe Arbeitsbelastung und unzureichende Praxisanleitung prägen den Alltag.

Der Bedarf an Pflegefachkräften steigt – deshalb besteht die aktuelle Herausforderung darin, wie eine qualitativ hochwertige Pflege künftig gewährleistet werden kann. Faire Ausbildungsbedingungen können die Gewinnung junger Menschen für die Pflegeberufe erleichtern. Zudem sichert eine hochwertige Ausbildung die Qualifikation der zukünftigen Pflegekräfte und stärkt sie für die hohen Anforderungen in ihrem Beruf.

Schwerpunkte des Reports sind berufliche Perspektiven, Übernahme sowie Belastungen in der Ausbildung. Zu letzterem Aspekt sind die Aussagen der befragten Auszubildenden bedenklich, verdeutlichen aber – neben gesetzlichem Reformbedarf – auch wichtige Handlungsfelder auf betrieblicher Ebene.

Die Ergebnisse des Ausbildungsreports Pflegeberufe 2012 zeigen erneut, dass die praktische Anleitung im Betrieb, Überstunden und unplanmäßige Versetzungen, die Ausbildungsvergütung, nicht kostenfrei zur Verfügung gestellte Ausbildungsmittel, Unterrichtsausfall und der mangelnde Theorie-Praxis-Transfer als die zentralen Problembereiche der Ausbildung benannt werden. Als weiterer Problembereich hinzugekommen sind erstmals auch die Belastungen in der Ausbildung.

Hohe Arbeitsintensität
Erheblicher Personalabbau im Pflegedienst, steigende Krankenhausfälle bei deutlich verkürzter durchschnittlicher Verweildauer kennzeichnen die aktuelle Situation in den Krankenhäusern. So ist die Arbeitsintensität eines der größten Probleme für die Krankenhausbeschäftigten. Eine unzureichende Personalausstattung und gesundheitlich belastende Arbeitsbedingungen prägen das Bild.

Nach den ausbildungsrechtlichen Grundlagen sind Überstunden nur ausnahmsweise zulässig, doch im Alltag der Auszubildenden sind sie gang und gäbe. Rund 32 Prozent aller Befragten machen regelmäßig Überstunden – in der Altenpflege sind es sogar fast 50 Prozent. Das weist auf eine chronische Unterbesetzung der Einrichtungen mit Planstellen. Hier könnte eine gesetzlich vorgeschriebene Personalbemessung Abhilfe schaffen, die sich am tatsächlichen Bedarf orientiert und für eine angemessene Ausstattung mit Personal sorgt.

Ein Zeichen knapper Personalbesetzung sind auch unplanmäßige Versetzungen, also der vorübergehende Einsatz Auszubildender als Aushilfen auf anderen Stationen. Über die Hälfte der Auszubildenden (54 %) geben an, dass sie Opfer dieses so genannten „Stations-Hoppings“ geworden sind.

Belastungen in der Ausbildung
Personalabbau und Arbeitsverdichtung haben erhebliche Auswirkungen auf die Ausbildung: 28,5 Prozent der Befragten fühlen sich durch die Ausbildungsbedingungen immer oder zumindest oft belastet. Häufigster Grund für die Belastung ist nach eigenen Angaben vor allem das Arbeiten unter Zeitdruck (58,1 Prozent). Diese hohe Quote ist alarmierend für die Arbeits- und Ausbildungssituation in der Pflege und zeigt einen dringenden Handlungsbedarf für die betriebliche Ausbildung.

Als weitere Gründe für Belastungen werden die Vereinbarung von Freizeit und Beruf angegeben (40,8 Prozent), gefolgt von Problemen im Team (36,6 Prozent) und der fehlenden oder unzureichenden Vereinbarkeit von Familie und Beruf (32 Prozent). Das Arbeiten im Schichtdienst (29,2 Prozent), schweres Heben und Tragen (28,8 Prozent) und das häufige Wechseln der Stationen (26 Prozent) sind weitere Erschwernisse für Auszubildende.

Möglichkeiten zur Verbesserung der Ausbildungsqualität
Die praktische Ausbildung hat in den Pflegeberufen einen großen Stellenwert. Die von den Auszubildenden kritisierten Mängel in der praktischen Ausbildung sollten daher zügig in Angriff genommen werden. Die Politik muss notwendige Rahmenbedingungen für gute Ausbildungsbedingungen schaffen.

Die Ergebnisse des Reports deuten darauf hin, dass Auszubildende sich deutlich eher den Anforderungen ihrer Ausbildung gewachsen fühlen, wenn sie eine gute Anleitung erhalten. Der Bedarf an mehr Praxisanleitung ist allerdings groß, denn in Ausbildungsgesetzen sowie Ausbildungs- und Prüfungsverordnungen fehlen exakte Vorgaben für Art und Umfang der praktischen Anleitung.

Ausbilderinnen und Ausbilder müssen mehr Zeit bekommen, die Auszubildenden beim Lernen zu unterstützen. ver.di setzt sich für eine Regelung von mindestens zehn Prozent der praktischen Ausbildungszeit ein, in der praktische Anleitung durch qualifizierte Fachkräfte gemeinsam mit den Auszubildenden stattfinden muss.

ver.di steht außerdem für eine qualitativ hochwertige Ausbildung in den Pflegeberufen und setzt sich ein für deren kontinuierliche Verbesserung und gute Ausbildungsbedingungen. Auf Grundlage der vorliegenden Untersuchung wird sich ver.di mit Nachdruck auch bei kommenden Diskussionen um die Weiterentwicklung der Pflegeberufe einbringen.

Alle Ergebnisse zum Download
Die Ergebnisse des Ausbildungsreports Pflegeberufe 2012, zusammengefasst in einer übersichtlichen Präsentation, gibt es zum kostenlosen Download als PDF – ebenso wie den kompletten Ausbildungsreport Pflegeberufe 2012.

Eine Präsentation als editierbare ppt-Version mit umfangreichen inhaltlichen Erläuterungen ist außerdem im ver.di-Mitgliedernetz zum Download abrufbar.