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11.09.2012

Ausbildungsreport 2012

  • Grafische Darstellung zur Übernahme-Situation

Geltendes Recht in Betrieben einfordern

Nicht einmal jedes vierte Unternehmen bildet aus und vielen Betrieben mangelt es an der nötigen Ausbildungsreife, um ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Auch an Berufsschulen lässt die Qualität noch erheblich zu wünschen übrig. Zu diesen Ergebnissen kommt der diesjährige Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

„Der siebte Ausbildungsreport legt wieder offen, dass die Ausbildungssituation in Deutschland prekär bleibt. Auszubildende berichten von den gleichen Problemen. Es hat sich kaum etwas getan“, kommentiert Ringo Bischoff, ver.di Bundesjugendsekretär, die Veröffentlichung des Ausbildungsreports 2012 am Dienstag in Berlin.

Nur die Hälfte empfindet die Qualität der Berufsschulen als „gut“ oder „sehr gut“
Das Sonderthema der diesjährigen Befragung war die Qualität der Berufsschulen. Zwar bewertet eine knappe Mehrheit der befragten Auszubildenden die fachliche Qualität der Berufsschulen als „gut“ oder „sehr gut“ – was eine Verschlechterung zum Vorjahr von fünf Prozent bedeutet. Mehr als ein Viertel bezeichnet die Unterrichtsqualität als „befriedigend“, immerhin 14,6 Prozent bewerten sie sogar nur als „ausreichend“ bis „mangelhaft“. Die Zufriedenheit unter den Auszubildenden steigt bei kleineren Klassen und zeitgemäßerer Ausstattung mit Unterrichtsmaterial, Schulbüchern und technischen Geräten an den Berufsschulen.

Die rote Laterne bleibt beim Hotel- und Gaststättengewerbe
Wenige Veränderungen gab es im Ranking der 25 häufigsten Ausbildungsberufe. Die besten Beurteilungen zur Ausbildungsqualität gab es erneut von angehenden Bank- und Industriekaufleuten sowie Mechatroniker_innen. Auf den letzten drei Rängen sind wie im Vorjahr die Ausbildungsgänge für Fachverkäufer_innen im Lebensmittelhandwerk, Restaurant- und Hotelfachleute. Die rote Laterne behält damit das Hotel- und Gaststättengewerbe.

Überstunden, ausbildungsfremde Tätigkeiten und fachliche Betreuung
Der Anteil von Auszubildenden, die regelmäßig Überstunden leisten müssen, ist gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgegangen. Trotz klarer gesetzlicher Vorgaben erhält fast jede_r Fünfte weder einen Freizeitausgleich noch eine entsprechende Vergütung der geleisteten Überstunden. Fast jede_r zehnte Auszubildende muss nach eigenen Angaben auch ausbildungsfremde Tätigkeiten erledigen – ein leichter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr. Zudem gibt es weiterhin Defizite bei der Betreuung durch eine_n Ausbilder_in.

Schlechtere Bedingungen in weiblich dominierten Berufen
Nach wie vor gibt es auffällige, geschlechtsspezifische Unterschiede in der Ausbildung. Noch immer entscheiden sich Frauen und Männer für unterschiedliche Ausbildungen, was zu deutlich männlich bzw. weiblich dominierten Berufsbildern führt. Zu den typischen „Männerberufen“ gehören unter anderem Metallbauer und Anlagenmechaniker. Frauen entscheiden sich häufiger als Männer für eine Ausbildung zur Friseurin oder Medizinischen Fachangestellten. Das hat Folgen für die Vergütung: Frauen erhalten in den von ihnen bevorzugten Berufen weniger Geld als männliche Auszubildende. Auszubildende in weiblich bzw. männlich dominierten Berufen näherten sich lediglich in der Anzahl zu leistender Überstunden an. In „Männerbrufen“ erhalten jedoch 75 Prozent der Azubis einen Freizeitausgleich oder eine entsprechende Vergütung, bei „Frauenberufen“ sind es lediglich 60 Prozent.

Übernahme häufig ungeklärt
Sehr problematisch für Auszubildende ist die oft ungeklärte Übernahmesituation. Zum Zeitpunkt der Befragung wusste ein gutes Viertel der Befragten, dass sie übernommen werden, knapp jeder Zehnte hatte bereits eine Absage. Die Mehrheit von fast zwei Dritteln wusste noch nicht, wie es nach der Ausbildung weitergeht.

„Die Ergebnisse zeigen, dass Schulen und Betriebe mehr auf ihre Ausbildungsqualität achten müssen. Auch sie stehen in der Verantwortung, jungen Menschen im erlernten Beruf eine Perspektive für die Lebensplanung zu sichern. Die Rhetorik des Fachkräftemangels passt dazu nicht“, so Ringo Bischoff.