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29.06.2012

25 Jahre ERASMUS

  • Illustration: Erasmus 1987-2012

Das Austauschprogramm feiert Geburtstag

Vor 25 Jahren wurde das ERASMUS-Programm von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen. Es ermöglicht jungen Menschen in Europa, an einer ausländische Partneruniversität zu studieren. Eine tolle Idee, die gerne weiterentwickelt werden darf.

Sara ging während ihres Jurastudiums in München für eine halbes Jahr nach Amsterdam an die Uni. Ermöglicht hat ihr dies das ERASMUS-Programm der Europäischen Union. „Das war schon eine tolle Zeit. Ich habe mit Leuten aus der ganzen Welt zusammengewohnt, Party gemacht und auch ein neues Rechtssystem kennengelernt“, fasst sie ihr Auslandssemester zusammen.

Dieses Jahr wird ERASMUS 25 Jahre alt. 1987 rief die Europäische Kommission das Programm ins Leben. Mit dem Ziel, jungen Menschen die europäische Idee näher zu bringen, zusammenzuwachsen, die europäischen Nachbarn kennen und schätzen zu lernen.

Partykultur?
Horizonterweiterung, eine fremde Kultur kennenlernen, Party machen – so erleben die meisten Studierenden ihre ERASMUS-Zeit an einer ausländischen Partneruniversität. Viele ERASMUS-Studierende bleiben unter sich und lernen kaum die Einheimischen kennen. So wie Sara. Sie war an der niederländischen Kultur interessiert, wurde aber kaum mit niederländischen Kommiliton_innen zusammengebracht.

„Wie soll ich die Leute vor Ort kennenlernen, wenn in meinem Wohnheim und in meinen Unikursen nur Gaststudenten aus dem Ausland sind?“, fragt sie sich. „Das Auslandsbüro der Uni hat es uns damit viel schwieriger gemacht, in die niederländische Gesellschaft reinzuschnuppern.“ Statt Niederländisch verbesserte Sara ihr Englisch mit italienischer, französischer und polnischer Einfärbung. Auch das ist Europa.

Eine Bereicherung ist das Programm dennoch. Viele lernen eine neue Sprache, stehen das erste Mal im Leben vor der Herausforderung, sich in eine andere Kultur einzuleben und machen Erfahrungen, die sie auch beruflich weiterbringen. Sara entdeckte in Amsterdam das Europarecht für sich und wählte es als Schwerpunktthema für ihr Studium in Deutschland.

ERASMUS für Elite?
Rund 2,5 Millionen Europäer_innen nutzten in den letzten 25 Jahren die Chance, an einer ausländischen Hochschule zu studieren. In Deutschland nehmen rund 200.000 Studierende jährlich an dem Programm teil - mit steigender Tendenz. Relativ gesehen entspricht das aber nur einem Prozent aller Studierenden in Deutschland.

Da die Hälfte aller Hochschüler_innen arbeitet und das im Ausland kaum möglich ist, gehen nur die, die es sich auch wirklich leisten können. Die 80 bis 200 Euro monatliches Fördergeld aus dem ERASMUS-Programm dienen allenfalls als Taschengeld vor Ort. Eine Vollfinanzierung des Auslandsaufenthaltes ist damit aber nicht möglich. So entscheiden sich überweigend Studierende für das Ausland, die durch BAföG oder die Eltern finanziell unterstützt werden. Damit ist das ERASMUS-Programm in seiner jetzigen Form eine Art Elitenförderung.

Das bestätigt auch eine Studie der Bildungssoziologin Claudia Finger. Sie untersuchte, wie ein Auslandsstudium mit der sozialen Herkunft verknüpft ist. Mit einem ernüchternden Ergebnis: Seit der Bologna-Reform hat sich die internationale Mobilität von Studierenden aus einem Nicht-Akademikerhaushalt verschlechtert. Das ERASMUS-Programm konnte soziale Unterschiede unter Studierenden bisher also nicht ausgleichen.

Erfolgsgeschichte mit Potential
Neben den erhöhten Kosten eines Auslandsaufenthaltes hemmen auch Anerkennungsprobleme der erbrachten Studienleistungen an der Heimatuni die Mobilität. Auch für Sara verlängerte sich durch Amsterdam die Studienzeit. An der Münchener Uni konnte sie ihre Kurse aus Amsterdam nicht anrechnen lassen.

Trotz all der Widrigkeiten gilt es an den Erfolgen des ERASMUS-Programmes fest zu halten. Immerhin 4000 Hochschulen in 33 Ländern beteiligen sich an dem Programm. Und das ERASMUS-Programm wächst weiter. Ab 2014 soll es unter dem Namen „Erasmus für alle“ und der doppelten Fördersumme nicht nur mehr Studierende, sondern auch Auszubildende mobilisieren. Damit Europa noch ein bisschen mehr zusammen wächst, auch sozial.