Verkürzen oder verlängern

Hast du für einen höheren Abschluss lange die Schulbank gedrückt? Dich während der Ausbildung kompetent gezeigt? Schon Erfahrungen in deinem Beruf gesammelt?

Für diesen Einsatz wirst du belohnt und kannst deine Ausbildung verkürzen. Brauchst du stattdessen mehr Zeit, ist aber auch eine Verlängerung möglich.

In beiden Fällen musst du so früh wie möglich bei deiner zuständigen Stelle einen Antrag einreichen. Sollte der abgelehnt werden, kannst du gemeinsam mit deiner Gewerkschaft Widerspruch einlegen.

Welche Voraussetzungen jeweils gelten, erfährst du in den folgenden Abschnitten.

  • Ausbildung verkürzen

    Gleich vorneweg - es gibt bestimmte Mindestausbildungszeiten (kurz MAZ), die nicht unterschritten werden sollten und sich nach der regulären Ausbildungszeit (kurz RAZ) richten:

    • dreieinhalb Jahre RAZ bedeuten 24 Monate MAZ
    • zweieinhalb Jahre RAZ werden im besten Fall zu 18 Monaten MAZ
    • bei zwei Jahren RAZ gelten 12 Monate MAZ

    Vergiss nicht: Bei einer verkürzten Ausbildung stellt sich auch früher die Frage nach deiner Perspektive im Anschluss (z. B. einer betrieblichen Übernahme)!

    Die Bedingungen für eine kürzere Ausbildung haben wir dir hier zur Orientierung aufgelistet. Falls eine oder mehrere davon auf dich zutreffen, stehen deine Chancen gut:

    • Wenn du im selben Beruf einen Teil deiner Ausbildungszeit bereits absolviert hast – z. B. bei einem Ausbildungsplatzwechsel - wird dir diese Zeit in der Regel vollständig gutgeschrieben.

      Wichtig
      :
      Die Verkürzung wird als bereits geleistete Ausbildungszeit gewertet. Achte darauf, dass deine Ausbildungsvergütung angepasst wird.

      Bei Verkürzung z. B. um ein Jahr beginnst du direkt im zweiten Lehrjahr und hast auch einen entsprechenden Vergütungsanspruch!

    • Wenn du vor der Ausbildung ein Berufsgrundschuljahr oder eine Berufsfachschule besucht hast, kann dir diese Zeit ganz oder teilweise auf deine Ausbildungszeit angerechnet werden.

      Wichtig
      :
      Je nach Bundesland gelten unterschiedliche Regelungen, Beratung bekommst du bei deiner Interessenvertretung! Die Verkürzung wird als bereits geleistete Ausbildungszeit gewertet.

      Achte darauf, dass deine Ausbildungsvergütung angepasst wird - bei Verkürzung z. B. um ein Jahr beginnst du direkt im zweiten Lehrjahr und hast auch einen entsprechenden Vergütungsanspruch!

    • Mit einem Realschulabschluss erreichst du meistens eine Verkürzung um ein halbes Jahr.

      Wichtig
      :
      Den entsprechenden Antrag musst du zusammen mit deinem_r Ausbilder_in und spätestens ein Jahr vor Ausbildungsende stellen!
    • Mit Abitur kannst du deine Ausbildungszeit um maximal ein Jahr reduzieren.

      Wichtig
      :
      Den entsprechenden Antrag musst du zusammen mit deinem_r Ausbilder_in und spätestens ein Jahr vor Ausbildungsende stellen!
    • Mit Fachhochschulreife in der entsprechenden Fachrichtung ist eine Verkürzung um bis zu zwei Jahre möglich.

      Wichtig
      :
      Den entsprechenden Antrag musst du zusammen mit deinem_r Ausbilder_in und spätestens ein Jahr vor Ausbildungsende stellen!
    • Wenn du während der Ausbildung überdurchschnittliche Leistungen vorweisen kannst – insbesondere mit einem Durchschnitt über der Note drei in der Zwischenprüfung – darfst du deine vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung beantragen.

      Deine zuständige Stelle befragt zur Entscheidung deine_n Ausbilder_in und die Berufsschule. Wenn alle deinem Antrag zustimmen, bekommst du die Genehmigung.

      Wichtig
      :
      Den entsprechenden Antrag kannst du alleine stellen, am besten nach der Hälfte der Ausbildung bzw. sofort nach Bewertung deiner Zwischenprüfung!

    • Zu guter Letzt kannst du auch noch kombinieren und mehrmals verkürzen – beispielsweise zuerst aufgrund deiner Vorbildung und dann nochmal wegen überdurchschnittlicher Leistungen in der Zwischenprüfung.

      Wichtig
      :
      Für jede einzelne Verkürzung gelten weiterhin die jeweils oben angegebenen Hinweise!
  • Ausbildung verlängern

    Bei Verlängerung deiner Ausbildung hast du möglicherweise Anspruch auf Nachhilfe durch die ausbildungsbegleitenden Hilfen (kurz abH). Sprich dazu mit deinem_r Ausbilder_in!

    Voraussetzungen für eine längere Ausbildungszeit können sein:

    • wenn du sehr deutlich deinem Ausbildungsziel „hinterherhinkst“ oder zum Beispiel in der Zwischenprüfung mehr als mäßig abschneidest
       
    • wenn du längere Zeit krank warst und dadurch den Anschluss verloren hast 
       
    • wenn du die Abschlussprüfung nicht bestanden hast, in diesem Fall verlängert sich deine Ausbildungszeit auf dein Verlangen bis zum nächsten Prüfungstermin.