Ausbildung International

Im heutigen „Europa ohne Grenzen“ und der damit verbundenen Migration ist unsere Welt geprägt durch vielfältige Kulturen und facettenreiche Mitmenschen. Das gilt auch für unsere zunehmend internationale Berufswelt!

Während es im Studium schon fast zur Normalität geworden ist, eine gewisse Zeit im Ausland zu verbringen, gilt dies während der Ausbildung nach wie vor als „etwas Besonderes“.

Nichtsdestotrotz stehen auch hier zunehmend alle Zeichen auf „Internationalisierung“. Auf europäischer Regierungsebene wird eifrig überlegt, wie Ausbildungsbedingungen am besten angeglichen werden sollten, um einen länderüberreifenden Austausch zu fördern.

Deutschland ist hier Spitzenreiter: Seit Inkrafttreten der entprechenden EU-Programme absolvieren jährlich rund 10.000 Auszubildende zumindest einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland.

Neue Eindrücke und interkulturelle Kompetenz

Eine Zeit lang in einem anderen Land zu leben, ist nicht nur beruflich förderlich, sondern auch eine ganz persönliche Erfahrung.

Die meisten empfinden das Leben in einer anderen Kultur als Bereicherung – das Training einer anderen Sprache und viele neue Einblicke in ein ganz anderes Leben als das, welches wir von zu Hause kennen. 

Sind alle Hürden der Ausbildung im Ausland genommen, ergibt sich zudem eine berufliche Zusatzqualifikation: die viel beschworene „interkulturelle Kompetenz“.

In den folgenden Abschnitten erfährst du die wichtigsten Infos zu einer Ausbildung im internationalen Umfeld. Die richtigen Anlaufstellen für weitere Fragen rund um die Ausbildung im Ausland sind deine Interessensvertretung, die jeweils zuständige Stelle oder Berufsschule.

  • Ausbildung mit internationaler Ausrichtung

    Wenn dir ein internationales Umfeld gefällt, kann eine Berufsausbildung mit internationaler Ausrichtung das Richtige für dich sein. Solche Ausbildungen sind meistens an einen bestimmten Sprachraum gebunden.

    Die Entwicklung in diesem Feld ist sehr dynamisch, so dass sich in den nächsten Jahren mit Sicherheit noch viel bewegen und verändern wird.

    Hier eine Auswahl von Berufsausbildungen, die bereits eine internationale Ausrichtung haben:

    • Niederländische Ausbildung im Hotel- und Gaststätten-Management
    • Internationale_r Marketingassistent_in
    • Europa-Wirtschaftsassistent_in
    • Euro-Fremdsprachenkorrespondent_in
    • Europa-Sekretär_in
    • Deutsch-französische kaufmännische Ausbildung in Paris
    • Europa-Wirtschaftsassistent_in
    • Euro-Kaufmann_frau

    Auf dem Portal „Berufenet“ der Arbeitsagentur findest du detaillierte Informationen zu den einzelnen Berufen. Gute Alternativen bieten auch ein Auslandspratikum oder ein Austauschprogramm während einer deutschen dualen Ausbildung.

    Weiterführende Infos zum Thema findest du über unsere schlaue Box!

  • Auslandsaufenthalt während der Ausbildung

    Deine berufliche Ausbildung möchtest du gerne in Deutschland absolvieren, aber trotzdem hast du Lust auf eine Zeit im Ausland? Dann stehen die Chancen gut!

    Durch eine Änderung des Berufsbildungsgesetz (kurz BBiG, PDF-Download)kannst du mittlerweile auch einzelne Ausbildungsabschnitte und insgesamt bis zu einem Viertel deiner Ausbildungszeit in europäischen Nachbarländern verbringen.

    • Im Rahmen einer Ausbildung ist eine Weiterqualifizierung zwischen drei und neun Monaten im Ausland möglich.
    • Während eines Studiums oder als junge_r Arbeitnehmer_in kannst du zwischen zwei und zwölf Monaten ins Ausland gehen.

    Hinter den Reformen steht das EU-Programm „Leonardo Da Vinci“. Es dient zur Förderung der Mobilität unter Auszubildenden in ganz Europa.

    Wie funktioniert die Aufnahme ins Programm?

    Das „Leonardo Da Vinci“-Programm richtet sich nicht an Privatpersonen, sondern an Institutionen und Unternehmen. Du kannst dich also nicht selbst oder alleine an die EU wenden, sondern musst dir zunächst eine Einrichtung suchen, die an dem Programm teilnimmt.

    Das können Kammern, Berufsbildungszentren, Schulen, Sozialpartner, Verbände, einzelne Firmen, staatliche Behörden oder auch Hochschulen sein. Die passenden Ansprechpartner_innen zu diesem Thema findest du in deiner zuständigen Stelle.

    Wer wird gefördert?

    Nicht nur Auszubildende, sondern auch Ausbildende, junge Beschäftigte und Studierende werden durch das EU-Programm gefördert. Im Mittelpunkt steht die berufliche Weiterqualifizierung in Unternehmen und Bildungsinstitutionen.

    Das Programm übernimmt einen Großteil der Kosten. Ein bisschen musst jedoch selbst beisteuern. Die Fahrt- und Lebenshaltungskosten werden nach Regelsatz übernommen. Die Einrichtung, welche dich einstellt, bekommt eine Aufwandsentschädigung für ihre Verwaltungskosten.

    Partnerländer

    Am Programm sind alle Länder des Europäischen Wirtschaftsraumes (kurz EWR) beteiligt - also alle EU-Länder sowie Island, Liechtenstein und Norwegen. Zusätzlich sind Bulgarien, Rumänien und die Türkei dabei, die jeweils ein Assoziationsabkommen mit der EU abgeschlossen haben.

    Weiterführende Infos zum Thema findest du über unsere schlaue Box!

  • Komplette Ausbildung im Ausland

    Wenn du darüber nachdenkst, deine berufliche Ausbildung vollständig im Ausland zu absolvieren, solltest du dich vorher genau über das Ausbildungssystem des jeweiligen Landes informieren.

    Eine duale Ausbildung mit einem Wechsel zwischen Betrieb und Berufsschule gibt es in dieser Form nur im deutschsprachigen Raum. In den meisten anderen Ländern ist die berufliche Ausbildung anders organisiert und auch nicht so flächendeckend reguliert.

    Bei deiner Entscheidung solltest du immer mit dem deutschen System vergleichen:

    • Ist der ausländische Abschluss gleichwertig mit einem in Deutschland anerkannten Ausbildungsberuf?
       
    • Wie unterscheiden sich Inhalte und Qualität der Ausbildung?
       
    • Welchen Stellenwert hat der ausländische Abschluss, wenn du im Anschluss als Berufseinsteiger nach Deutschland zurückkehrst und dich bewirbst?
       
    • Welche Möglichkeiten bestehen in Deutschland, um deine ausländische Ausbildung anerkennen (siehe Abschnitt unten) zu lassen?  

    Deine Interessensvertretung, die Bundesagentur für Arbeit oder eine Industrie- und Handelskammer (kurz IHK) sind gute Anlaufstellen für die Beantwortung dieser Fragen.

  • Auslandsaufenthalt finanzieren

    Einen Auslandsaufenthalt während deiner Berufsausbildung lässt du dir am besten im Rahmen des “Leonardo Da Vinci“-Programms (siehe Abschnitt vorher) fördern. Dadurch werden dir bis zu 5.000 Euro deiner Reise- und Lebenshaltungskosten erstattet.

    Die Finanzierung koordiniert meistens deine zuständige Stelle. Absolvierst du eine betriebliche Ausbildung, läuft außerdem deine dortige Vergütung weiter. Zusätzlich hast du auch im Ausland Anspruch auf staatliche Unterstützung, um nicht unter das sogenannte Existenzminimum zu fallen.

  • Anerkennung von Abschlüssen

    Wer nach der Ausbildung ins Ausland will oder umgekehrt mit einem ausländischen Abschluss nach Deutschland kommt, muss die Bedingungen der jeweiligen Arbeitswelt kennen.

    Bei manchen Abschlüssen gibt es Probleme mit der rechtlichen Anerkennung oder das Zertifikat wird von Arbeitgebern nicht wertgeschätzt.

    Das Portal Anabin bietet eine recht gute Orientierung, inwieweit ein ausländischer Bildungsabschluss in Deutschland anerkannt wird. Informationen zur Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse findest du außerdem hier!

    Auch die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen der KMK informiert über Anerkennungsverfahren und Zeugnisbescheinigung.

    Über das Portal Qrossroads findest du die jeweils richtige Institution zur Anerkennung in Frankreich, Norwegen, Polen, Österreich, Belgien (Flandern), den Niederlanden oder der Schweiz.

    Weiterführende Infos zum Thema findest du über unsere schlaue Box!

  • Vor der Abreise

    Bevor du ins Ausland starten kannst, gibt es in der Regel eine Menge Bürokratie und Vorbereitungsarbeit zu erledigen.

    Dazu hier einige Hinweise und Fragen, auf die du am besten frühzeitig eine Antwort haben solltest:

    • Brauche ich ein Visum? Wenn ja, wird es rechtzeitig von der zuständigen Botschaft ausgestellt? 
    • Habe ich einen Krankenversicherungschutz im Ausland? 
    • Habe ich eine Unfallversicherung im Ausland? 
    • Wie regle ich meine Finanzen? Wäre ein Girokonto vor Ort sinnvoll? 
    • Wo werde ich wohnen? Ist dazu alles geklärt und bestätigt? 
    • Brauche ich ein Wörter- und Grammatikbuch? Oder einen Reiseführer? 
    • Kenne ich die landestypischen Sitten und Umgangsformen gut genug? 
    • Habe ich passende Adapter für die ausländischen Stecker und Stromanschlüsse? 
    • Habe ich meine Post und Abonnements geregelt? 
    • Habe ich alle wichtigen Ausweise und Dokumente kopiert (falls was verloren geht oder gestohlen wird)? 
    • Habe ich wichtige Medikamente, die ich im Ausland nicht bekomme, in ausreichender Menge besorgt? 
    • Stehen noch Artzbesuche aus?

    Hier gibt es unsere Checkliste vor Abreise als PDF!