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  • Schichtarbeit

    Die Schichtzeit (Arbeitszeit und Pausen) darf grundsätzlich zehn Stunden nicht überschreiten. In bestimmten Ausnahmefällen dürfen es auch elf Stunden werden, z.B. im Gaststättengewerbe. Das sind die gesetzlichen Mindeststandards. Es kann gut sein, dass durch einen Tarifvertrag bessere Regelungen in deiner Branche, Dienststelle oder in deinem Betrieb gelten. 

    Wenn in deiner Ausbildungsstätte in Schichten gearbeitet wird, gelten für dich bis zum 18. Lebensjahr besondere Schutzbestimmungen: Nach JArbSchG darfst du nur zwischen 6 und 20 Uhr eingesetzt werden. Auch hier gibt es Ausnahmen, z.B. im Schaustellergewerbe, dann gelten entsprechende „Branchenregelungen“ (§ 14 Nachtruhe JArbSchG). Zwischen Feierabend und Arbeitsbeginn am nächsten Tag müssen jedoch in jedem Fall zwölf freie Stunden liegen.

    Wenn du länger arbeiten musst als oben beschrieben, wende dich ggf. an deine JAV, den Betriebs- oder Personalrat oder direkt an deine ver.di Jugend vor Ort.

    Hinweise für die Beamtenlaufbahn:
    In einigen Bereichen des öffentlichen Dienstes wird im Schichtdienst gearbeitet. Im Vorbereitungsdienst darfst du nach JArbSchG in einem Schichtbetrieb bis 23 Uhr beschäftigt werden – um unnötige verkehrsbedingte Wartezeiten zu vermeiden auch bis 23.30 Uhr.

    Bis zum 18. Lebensjahr gelten für dich allerdings besondere Schutzbestimmungen: Nach JArbSchG darfst du nur zwischen 6 und 20 Uhr eingesetzt werden – von einigen Ausnahmen abgesehen. Zwischen Feierabend und Arbeitsbeginn am nächsten Tag müssen jedoch in jedem Fall zwölf freie Stunden liegen.

    Alles andere zum Thema Schichtarbeit ist in den Arbeitszeitverordnungen der Länder und des Bundes geregelt. Wenn du länger arbeiten musst als oben beschrieben, wende dich an deine JAV, den Personalrat oder direkt an deine ver.di Jugend vor Ort.

  • Schlichtungsstelle

    Wenn du während deiner Ausbildung gekündigt wirst und Widerspruch einlegst, geht die Angelegenheit erst mal vor die Schlichtungsstelle. Die prüft, ob die Kündigung überhaupt wirksam ist.

    Ist sie es nicht – und das kommt gar nicht selten vor – hat dein Betrieb oder deine Dienststelle den Kürzeren gezogen. Und selbst wenn die Kündigung wirksam sein sollte, kannst du dagegen Klage beim Arbeitsgericht einlegen.

    Die Schlichtung soll vermeiden, das Vertrauensverhältnis zwischen Auszubildenden und Ausbildungsstätte durch ein Arbeitsgerichtsverfahren noch mehr zu belasten, bevor überhaupt feststeht, ob die Kündigung gerechtfertigt ist oder nicht.

  • Schutzkleidung

  • Schwangerschaft

    Du bist schwanger? Dann gilt jetzt auch in deiner Arbeits- oder Ausbildungsstätte besondere Rücksicht auf dein Baby und dich! Dir dürfen keine schweren körperlichen Arbeiten oder andere gesundheitsgefährdende Tätigkeiten mehr zugewiesen werden. Ist deine Schwangerschaft gefährdet, wird ein ärztliches Beschäftigungsverbot ausgesprochen. Währenddessen hast du trotzdem weiterhin Anspruch auf deine Ausbildungsvergütung.

    Während der Schwangerschaft darfst du nicht länger als achteinhalb Stunden pro Tag arbeiten. Sechs Wochen vor dem errechneten und acht Wochen nach dem tatsächlichen Entbindungstermin darfst du nicht arbeiten, bekommst aber während dieser Zeit volle Anwärterbezüge.

    Wenn du selbst gesetzlich krankenversichert bist, erhältst du laut Gesetz Mutterschaftsgeld von deiner Krankenkasse. Bist du familien- oder privat versichert, beantragst du das Mutterschaftsgeld beim Bundesversicherungsamt.

    Während deiner Schwangerschaft darfst du grundsätzlich nicht gekündigt bzw. entlassen werden. Unwirksam ist eine Kündigung bzw. Entlassung auch dann, wenn du innerhalb von zwei Wochen nach der Kündigung deiner Ausbildungsstätte bzw. deinem Dienstherrn die Schwangerschaft mitteilst.

    Wenn du in der Ausbildung oder im Vorbereitungsdienst schwanger wirst, wird dein Ausbildungsverhältnis nicht automatisch verlängert. Du kannst aber nach dem BBiG die Verlängerung beantragen, Anwärterinnen können in der Regel sechs Monate verlängern. Das ist auf jeden Fall sinnvoll, wenn du sonst das Ausbildungsziel nicht erreichen würdest.

    Mehr Infos findest du unter den Stichworten Ausbildung verlängern und StillzeitEine super Zusammenstellung von Tipps rund um Schwangerschaft und Ausbildung gibt es auch hier auf www.ausbildung.info.

  • Schweigepflicht

    Hinweise für Pflegeberufe und Hebammen
    Die Auszubildenden haben über Angelegenheiten des Krankenhauses, die durch gesetzliche Vorschriften oder auch auf Weisung des Arbeitgebers der Geheimhaltung unterliegen, Verschwiegenheit zu bewahren. Allerdings müssen sie ihre berechtigten Interessen wahrnehmen können.
    Missstände in der Ausbildung unterliegen auf keinen Fall der Schweigepflicht! Schon gar nicht gegenüber der JAV, dem Betriebs- oder Personalrat bzw. der Mitarbeitervertretung, einem Rechtsbeistand, einer Gewerkschaftsvertreterin oder einem Gewerkschaftsvertreter.
  • Sexuelle Belästigung

    Billige Anmache, anzügliche Witze, Hinterherpfeifen, Anstarren, unerwünschte körperliche Annäherungen, obszönes Ausfragen… Sexuelle Belästigung am Arbeits- und Ausbildungsplatz gibt es in unzähligen Formen und häufiger, als die meisten glauben.

    Besonders oft trifft es Frauen in Ausbildung und junge Beschäftigte, wenn beispielsweise der Ausbilder schon zum dritten Mal den Arm auf der Schulter der Auszubildenden extra lange liegen lässt. Oft nehmen die Betroffenen derartige Belästigungen einfach hin – aus Scham oder aus Angst vor negativen Konsequenzen für ihre Ausbildung.

    Du hast mitbekommen, dass jemand sexuell belästigt wurde? Oder dir ist das selbst passiert? Dann geh schnellstens zur Frauenbeauftragten oder zu deiner JAV, zum Betriebs- oder Personalrat.

    Gibt es diese Gremien in deiner Dienststelle nicht, dann wende dich an die kommunale Gleichstellungsbeauftragte oder an Frauenbüros, die in fast allen Gemeinden zu finden sind. Auch die ver.di Jugend vor Ort steht dir mit Rat und Tat gerne zur Seite.

    Anonyme Beratung bekommst du per E-Mail oder Telefon bei Save-Me-Online.

  • Sonderurlaub

    Beschäftigte im öffentlichen Dienst dürfen Sonderurlaub beantragen – auch die Auszubildenden, Anwärterinnen und Anwärter. Auch in manchen weiteren Unternehmen und Behörden kannst du zusätzliche Freistellungen bekommen, die oft als Sonderurlaub bezeichnet werden.

    Sonderurlaub ist, wie der Name schon sagt, zusätzlicher Urlaub, der zu besonderen Anlässen gewährt werden kann, z. B. für Eheschließungen, Todesfälle, Geburten, Umzüge – aber auch für gewerkschaftliche Zwecke wie zum Beispiel Sitzungen der ver.di Jugend oder Tarifkommissionen und zum Besuch von gewerkschaftlichen Seminaren zur politischen Weiterbildung.

    Ob und welche Sonderurlaubsregelungen und Freistellungsmöglichkeiten für dich zutreffen, erfährst du aus der für dich geltenden Sonderurlaubverordnung, bei deiner JAV, deinem Betriebs- bzw. Personalrat oder bei deiner ver.di Jugend vor Ort.

  • Sonntagsarbeit

    Der Sonntag ist zur Erholung da. Deshalb sollte es so wenig Sonntagsarbeit geben wie möglich. Immer öfter versuchen allerdings Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die Arbeitszeiten ins Wochenende hinein zu verlängern. Damit wollen sie häufig den Personalmangel an diesen Tagen ausgleichen.

    Wenn du sonntags arbeiten musst, solltest du unbedingt bei deiner JAV oder bei der ver.di Jugend vor Ort nachfragen, ob das tatsächlich nötig ist.

    Ganz einfach ist es, wenn du noch unter 18 bist. Dann darfst du nämlich nicht an Sonntagen beschäftigt werden. Davon ausgenommen sind Ausbildungen bzw. Vorbereitungsdienste im Krankenhaus, in Alten-, Pflege- oder Kinderheimen sowie Ausbildungen in der Landwirtschaft oder im Gaststättengewerbe. Die aktuellen Regelungen erfährst du bei deiner JAV oder ver.di Jugend vor Ort.

    Falls du sonntags beschäftigt wurdest, musst du dafür in derselben Woche an einem berufsschulfreien Werktag frei bekommen.

  • Soziale Absicherung von Beamt_innen

    Für die Beamtenlaufbahn gelten andere Bestimmungen im Bereich der sozialen Absicherung. Es gibt ein eigenständiges, beamtenspezifisches Sicherungssystem. So besteht keine Versicherungspflicht in der gesetzlichen Renten-, Unfall-, Arbeits- und Krankenversicherung, wie sie für die Angestellten im öffentlichen Dienst gilt.

    Beamtinnen und Beamte müssen privat vorsorgen. Pflicht ist eine private Kranken- und Pflegeversicherung, soweit der Dienstherr keine freie Heilfürsorge gewährt. Die Leistungen der privaten Krankenversicherung werden durch die Beihilfe ergänzt.

    Die Altersvorsorge (auch Pension oder Ruhegehalt genannt) und die anfallenden Kosten bei einem Dienstunfall werden unmittelbar durch den Dienstherrn sichergestellt. Nähere Infos haben dein Personalrat oder wir unter dem Stichwort Versicherungen.

  • Sozialversicherung

    Wenn du mehr als 325 Euro brutto (Stand Dezember 2016) verdienst, zahlst du Sozialabgaben. Diese Abgaben dienen der Sozialversicherung. Unterteilt ist die Sozialversicherung in mehrere Einzelversicherungen, nämlich in die Kranken-, Renten-, Arbeitslosen-, Pflege- und Unfallversicherung.

    Für die Unfallversicherung zahlt nur die Arbeitgeberseite ein. Denn diese Versicherung soll zum Beispiel Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten vorbeugen und – wenn doch ein Unfall passiert – die Gesundheit der versicherten Person und damit auch ihre Arbeitsfähigkeit schnellstmöglich wiederherstellen.

    Von deinem Bruttoeinkommen fließen ungefähr 21 Prozent in die gesetzliche Kranken-, Arbeitslosen-, Renten- und Pflegeversicherung. Früher übernahm die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite jeweils eine Hälfte der Sozialabgaben. Dieses „halbe-halbe-System“ wurde durch die Einführung der Pflegeversicherung durchbrochen, als zur Finanzierung der Buß- und Bettag als Feiertag abgeschafft wurde.

    Bei der Rentenversicherung sieht es ähnlich aus: Seit der sogenannten Riester-Reform müssen Auszubildende oder Beschäftigte – mit staatlicher Unterstützung – einen wesentlich höheren Eigenbeitrag zahlen, um später eine Rente zu erhalten, die für ein gutes Leben reicht.

    Auch bei der Krankenversicherung zahlen Auszubildende und Beschäftigte einen höheren Beitrag als Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber. Obendrauf kommt ein Zusatzbeitrag, den Beschäftigte jeweils allein aufbringen – also ohne Beteiligung von Arbeitgeberseite, denn deren Anteil wurde eingefroren. Das bedeutet: Weitere Erhöhungen gehen allein zulasten der Versicherten. Und auch Medikamenten-Zuzahlungen müssen Auszubildende und Beschäftigte allein entrichten.

    Einen Wegweiser durch die Gesundheitspolitik und Positionen der ver.di zu diesem Thema findest du auf www.verdi.de/themen/gesundheit.

  • Stellenbesetzung

    Im Bereich des öffentlichen Dienstes gilt: Keine Einstellung – insbesondere nach Abschluss deines Vorbereitungsdienstes – ohne freie Stelle.

    Dabei ist es den Parlamenten von Bund, Ländern und Kommunen vorbehalten, über die Anzahl der Stellen zu entscheiden. Die Besetzung einer Stelle muss in jedem einzelnen Fall vom Haushaltsgesetzgeber bewilligt werden.

  • Stillzeit

    In § 7 des Mutterschutzgesetzes ist stillenden Müttern auf ihr Verlangen die zum Stillen erforderliche Zeit, mindestens aber zweimal täglich eine halbe oder einmal täglich eine Stunde freizugeben. Die ausfallende Arbeitszeit braucht nicht vor- oder nachgearbeitet zu werden.

    Beträgt deine Arbeitszeit mehr als acht Stunden, so muss auf dein Verlangen zweimal eine Stillzeit von mindestens 45 Minuten oder, wenn in der Nähe von Betrieb oder Dienststelle keine Stillgelegenheit vorhanden ist, einmal eine Stillzeit von mindestens 90 Minuten gewährt werden.

    Hinweise für die Beamtenlaufbahn:
    Für Beamtinnen und Anwärterinnen gibt es hierbei keine feste zeitliche Grenze und zur Stillzeit gehören auch die Vor- und Nachbereitung sowie eventuelle Wegezeiten. Du bist aber verpflichtet, beim Organisieren der Stillzeiten auf die Belange der Dienststelle Rücksicht zu nehmen.

  • Streik

    Gehört dir eine Fabrik? Oder wenigstens eine Maschine, die deinen Lebensunterhalt sichert? Oder lässt du andere für dich arbeiten? Wahrscheinlich nicht.

    Die allermeisten Beschäftigten haben nichts als ihre eigene Arbeitskraft, die sie verkaufen, um leben zu können. Und wenn es darauf ankommt, eure berechtigten Forderungen durchzusetzen, habt ihr auch kein anderes Druckmittel, als dem Betrieb oder der Dienststelle kollektiv eure Arbeitskraft zu entziehen. Ohne dieses Druckmittel wären Tarifverhandlungen bloße Bettelei.

    Streik ist ein rechtmäßiges und legitimes Kampfmittel der Gewerkschaften, um die Arbeits- und Lebensbedingungen der Beschäftigten zu sichern und zu verbessern. Es wird eingesetzt, wenn Tarifverhandlungen mit den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern ins Stocken geraten oder zu keinem Ergebnis gekommen sind und für gescheitert erklärt wurden.

    Streik bedeutet: Die gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten und Auszubildenden legen die Arbeit so lange nieder, bis ein akzeptables Ergebnis erreicht ist. In diesem Zeitraum bekommen sie von ver.di das sogenannte Streikgeld.

    Mehr Infos dazu auf www.jugend-macht-tarif.info.

    Hinweise für Pflegeberufe und Hebammen
    Als Auszubildende eines Pflegeberufes hast du das Recht, an einem Streik teilzunehmen, insbesondere, wenn es um die Belange von Auszubildenden geht, wie z. B. die Ausbildungsvergütung oder die Übernahme nach der Ausbildung.

    Dein Streikrecht ist durch das Grundgesetz (Art. 9 Abs. 3 Grundgesetz) garantiert und wurde durch das Bundesarbeitsgericht bestätigt (Az.:1 AZR 342 / 83 vom 12.09.1984 AP Nr. zu Art. 9 GG).

    In der Alten-, Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung gibt es aber eine Besonderheit – die Fehlzeitenregelung. Wenn du mehr als zehn Prozent der Ausbildungszeit versäumst, kann deine Zulassung zur Abschlussprüfung gefährdet sein. Das gilt für Unterbrechungen durch Krankheit und für andere von den Auszubildenden „nicht zu vertretende Gründe“.

    Aktivitäten im Rahmen der JAV gelten nicht als Fehlzeit.

    Ob Streikmaßnahmen als Fehlzeiten gelten, wertet die aktuelle Rechtsprechung unterschiedlich. ver.di sieht eine Streikbeteiligung eindeutig nicht als Fehlzeit an – insbesondere nicht, wenn die Praxisphase der Ausbildung betroffen ist –, denn hiermit würde das Streikrecht in Frage gestellt werden.

    Solltet ihr doch Probleme bekommen, informiert uns, dann können wir gemeinsam vor Ort Lösungen finden. Da der Arbeitgeber für die Zeit des Streiks nicht verpflichtet ist, der streikenden Belegschaft eine (Ausbildungs-)Vergütung zu zahlen, gibt es für ver.di-Mitglieder die Streikunterstützung. Sie wird bei Verdienstausfall vom ersten Tag an gewährt, vorausgesetzt, du bist mindestens drei Monate Mitglied und zahlst einen satzungsgemäßen Beitrag.

     

  • Streikrecht

    Das Recht, einen Streik für gewerkschaftliche Forderungen zu führen, musste hart erkämpft werden. Lange galten Streikende als kriminell. Sie wurden nicht nur fristlos entlassen, sondern oft wurden auch Polizei und Militär gegen sie eingesetzt. In manchen Ländern der Erde ist das heute noch so. In Deutschland ist das Streikrecht durch das Grundgesetz garantiert (Artikel 9, Absatz 3, Satz 3).

    Auch in der Ausbildung hast du das Recht zu streiken, wenn es um deine Interessen und Belange geht – beispielsweise um die Übernahme nach der Ausbildung oder die Höhe der Ausbildungsvergütung. Das hat das Bundesarbeitsgericht entschieden. Ob gestreikt wird, entscheiden die ver.di-Mitglieder des Bereiches, in dem die Tarifverhandlungen geführt werden, in einer Urabstimmung.

    Mehr Infos dazu auf www.jugend-macht-tarif.info.