Arbeitszeiten

In deinem Ausbildungsvertrag steht mindestens die tägliche Arbeitszeit, diese kann zusätzlich als wöchentliche Arbeitszeit angegeben sein.

Wie lange und wann du während der Ausbildung arbeiten darfst, ist durch das Arbeitszeitgesetz (kurz ArgZG, PDF-Download) geregelt. Das ArgZG unterscheidet nach Art der Arbeit, deiner Ausbildungsbranche und deinem Alter.

Zusätzlich gelten verschiedene Tarifverträge für diverse Berufsgruppen und Branchen, Gewerkschaften haben oft noch weitere Leistungen für Arbeitnehmer/-innen ausgehandelt.

Und zu guter Letzt gibt es auch noch zahlreiche Ausnahmeregelungen. Um die für dich geltenden Arbeitszeiten zu bestimmen, musst du also sehr genau nachlesen!

Die wichtigsten Regelungen und Gesetzestexte zu deiner Arbeitszeit findest du in den folgenden Abschnitten. Wenn dann noch Fragen offen sind, kannst du dich jederzeit an deine Interessenvertretung wenden.

  • Arbeitszeiterfassung und -berechnung

    In jedem Betrieb muss es einzeln für jede/n Arbeitnehmer/-in eine Zeiterfassung der geleisteten Arbeitszeit geben, die auch alle Überstunden erfasst.

    Traditionell funktioniert das über eine Stempeluhr, die über Eingaben jeweils am Anfang und am Ende des Arbeitstages deine geleisteten Zeiten festhält - entweder elektronisch oder durch eine Karte.

    Manche Arbeitgeber erfassen die Zeiten handschriftlich oder per Software (z.B. mit Excel-Tabellen).

    Deine im Betrieb verbrachte Zeit gilt als Arbeitszeit - ob du sie nun als flexible Arbeitszeit oder in Schichtarbeit leistest und unabhängig davon, ob du eine Vollzeit- oder Teilzeitberufsausbildung absolvierst.

    Berechnet werden all deine regulären Tätigkeiten für den Arbeitgeber, also auch:

    • Schreiben deines Berichtshefts nach der regulären Betriebsarbeit
    • Wechsel zwischen Alltagskleidung und vorgeschriebener Arbeitsschutz- oder Dienstkleidung (wenn diese so auffällig oder unpraktisch ist, dass du sie noch nicht auf dem Weg zur Arbeit tragen kannst)

    Deine Zeit in der Berufsschule oder in anderen Ausbildungsmaßnahmen kann komplett oder teilweise auf deine Arbeitszeit angerechnet werden. Deine Pausen musst du allerdings abziehen!

  • Arbeitszeiten für Minderjährige

    Wenn du noch keine 18 Jahre alt bist, sind deine Arbeitszeiten im Jugendarbeitsschutzgesetz (kurz JArbSchG, PDF-Download) geregelt. Lies dazu auch unsere Gesetzestexte zum Thema Arbeitszeiten (siehe Abschnitt unten)!

    Arbeitszeit pro Tag und Woche
    Grundsätzlich darfst du pro Woche maximal 40 Stunden arbeiten, davon maximal acht Stunden pro Tag und an maximal fünf Tagen in der Woche. Nicht erlaubt ist die Arbeit an Samstagen, Sonn- oder Feiertagen!

    In Ausnahmefällen sind pro Tag achteinhalb Stunden bzw. Einsätze an Wochenenden und Feiertagen erlaubt, wenn du dafür an einem anderen Tag derselben oder der folgenden Woche entsprechend früher gehen darfst.

    Auch bei Überstunden (siehe Abschnitt unten) dürfen diese Grenzen also grundsätzlich nicht überschritten werden!

    Berufsschulzeit
    Für die Berufsschule muss dich dein Arbeitgeber freistellen und dir außerdem die Unterrichtszeit auf deine Arbeitszeit wie folgt anrechnen:

    • ein Schultag (über fünf Unterrichtsstunden, jeweils 45 Minuten) entspricht einem Arbeitstag von acht Stunden
    • eine Schulwoche (mindestens 25 Stunden an mindestens fünf Tagen) entspricht einer Arbeitswoche von 40 Stunden

    Prüfungen oder Ausbildungsmaßnahmen
    Alle zusätzlichen ausbildungsrelevanten Verpflichtungen rechnen ebenfalls als Arbeitszeit - zum Beispiel eine Prüfung.

    Pausen
    Deine erste Erholungspause darfst du spätestens nach viereinhalb Stunden Arbeitszeit nehmen. Jede Pause muss mindestens 15 Minuten dauern. In dieser Zeit darfst du machen, was du willst - so etwas wie Bereitschaftsdienst ist in deiner Pause also unzulässig!

    Die insgesamt erlaubte Pausenzeit pro Arbeitstag richtet sich nach deiner Arbeitszeit:

    • 30 Minuten Pause, wenn du viereinhalb bis sechs Stunden arbeitest 
    • 60 Minuten Pause, wenn du mehr als sechs Stunden arbeitest

    Schichtzeit
    Falls in deinem Betrieb Schichtarbeit notwendig ist, gibt es je nach Branche unterschiedliche Höchstgrenzen pro Schicht:

    • im Bergbau / unter Tage maximal 8 Stunden
    • im Gaststättengewerbe, in der Landwirtschaft, in der Tierhaltung sowie auf Bau- und Montagestellen maximal 11 Stunden
    • in allen anderen Branchen maximal 10 Stunden

    Achtung: In der maximalen Stundenanzahl pro Schicht müssen auch die jeweils vorgeschrieben Pausenzeiten vollständig enthalten sein!

    Tägliche Freizeit
    Zwischen Ende und Beginn von aufeinanderfolgenden Arbeitstagen stehen dir mindestens zwölf Stunden Freizeit zu.

    Nachtruhe
    Dein Betrieb darf dich grundsätzlich nur zwischen sechs Uhr morgens und 20 Uhr abends beschäftigen, danach gilt für dich Nachtruhe.

  • Arbeitszeiten für Volljährige

    Sobald du 18 Jahre alt bist, sind deine Arbeitszeiten im Arbeitsrecht für Erwachsene und im dazu verabschiedeten Arbeitszeitgesetz (kurz ArbZG, PDF-Download) geregelt. Lies dazu auch unsere Gesetzestexte zu Arbeitszeiten (siehe Abschnitt unten)!

    Arbeitszeit pro Tag und Woche
    Grundsätzlich darfst du pro Woche maximal 48 Stunden arbeiten, davon maximal acht Stunden pro Tag und an maximal sechs Tagen in der Woche.

    Der Samstag zählt dabei als regulärer Arbeitstag, falls im Tarifvertrag nichts anderes steht. Nicht erlaubt sind allerdings Sonn- oder Feiertage!

    In Ausnahmefällen sind pro Tag zehn Stunden bzw. pro Woche 60 Stunden erlaubt, wenn du dafür in den folgenden sechs Monaten durchschnittlich nicht länger als acht Stunden pro Tag arbeitest.

    Auch bei Überstunden (siehe Abschnitt unten) dürfen diese Grenzen grundsätzlich nicht überschritten werden!

    Berufsschulzeit
    Für die Berufsschule muss dich dein Arbeitgeber freistellen und dir außerdem die Unterrichtszeit auf deine Arbeitszeit anrechnen wie folgt:

    • ein Schultag (fünf Unterrichtsstunden, jeweils 45 Minuten) entspricht einem Arbeitstag von acht Stunden, falls die Unterrichtszeit in die betriebliche Arbeitszeit fällt
    • die Wegstrecke zwischen Schule und Betrieb zählt ebenfalls als Arbeitszeit, falls du vor und nach dem Unterricht arbeitest

    Übrigens: Nach der Schule musst du nur dann weiter zum Betrieb, wenn dort noch mindestens 30 Minuten Ausbildungszeit möglich sind.

    Pausen
    Deine erste Erholungspause darfst du spätestens nach sechs Stunden Arbeitszeit nehmen und jede Pause muss mindestens 15 Minuten dauern. In dieser Zeit darfst du machen, was du willst - so etwas wie Bereitschaftsdienst in der Pause ist unzulässig!

    Die insgesamt erlaubte Pausenzeit pro Arbeitstag richtet sich nach deiner Arbeitszeit:

    • 30 Minuten Pause, wenn du sechs bis neun Stunden arbeitest
    • 45 Minuten Pause, wenn du mehr als neun Stunden arbeitest

    Tägliche Freizeit
    Zwischen Ende und Beginn von aufeinanderfolgenden Arbeitstagen stehen dir mindestens elf Stunden Freizeit zu.

  • Überstunden

    Überstunden sind in vielen Branchen üblich, in der Gastronomie und Hotellerie gelten sie sogar als „ungeschriebenes Gesetz“ - häufig auch noch ohne jeden Ausgleich!

    Jetzt die gute Nachricht: Grundsätzlich sind für Auszubildende keine Überstunden vorgesehen - die vertraglich festgelegte Ausbildungszeit sollte ausreichen, um einen Beruf zu erlernen!

    Im Gegensatz zu normalen Mitarbeitern/-innen müssen Auszubildende also nur freiwillig und auch nur solche Überstunden leisten, die tatsächlich zur Ausbildung dienen. Eine ausbildungsbeauftragte Person muss also gleichzeitig anwesend sein!

    Zur "ausbildungsgerechten Beschäftigung" findest du weitere Infos unter dem gleichnamigen Abschnitt im Menü zu deinen Rechten in der Ausbildung.

    Übrigens muss dir im Gegenzug entweder ein entsprechender Zuschlag bezahlt oder dir gestattet werden, deine Überstunden „abzufeiern“. In diesem Fall tauschst du dein Überstundenkontingent gegen zusätzliche Freizeit.

    Gesetz hat Vorfahrt!
    Auch bei Überstunden gelten die Regelungen von Jugendarbeitsschutzgesetz (kurz JArbSchG, PDF-Download) und Arbeitszeitgesetz (kurz ArbZG, PDF-Download).

    Wenn du über die gesetzlich festgelegte Maximalgrenze deiner Arbeitsstunden kommst und dabei einen Arbeitsunfall hast, macht die Unfallversicherung der Berufsgenossenschaft unter Umständen massive Probleme oder bezahlt gar nicht.

    Lies unsere Infos auf dieser Seite am besten komplett und halte unbedingt die für dich vorgeschriebenen Arbeitszeiten ein!

    Falls sich dein Betrieb nicht an gesetzliche Vorgaben hält oder dich unter Druck setzt, kannst du ihn bei der Gewerbeaufsicht anzeigen.

    Dazu solltest du dir allerdings unbedingt Unterstützung bei deiner Interessenvertretung holen: Wenn dein Verhalten als Arbeitsverweigerung ausgelegt wird, riskierst du womöglich eine fristlose Kündigung!

  • Minusstunden

    Du möchtest und sollst etwas lernen und hast daher das Recht, deine Arbeitszeit im Betrieb zu verbringen. Wenn du nach Hause geschickt wirst, z. B. weil es gerade nichts zu tun gibt, darfst du das als bezahlte Freistellung sehen.

    Lass dir so etwas also nicht als Minusstunden abziehen und wende dich ggf. an deine Interessenvertretung!